Formel 1

Formel 1, 2018: Halo-Einführung sorgt weiter für Diskussionen

In Abu Dhabi ging die Halo-freie Ära der Formel 1 zu Ende. Die Reaktionen vor der Einführung des Cockpitschutzes sind weiterhin gespalten.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Mit dem Ende der Formel-1-Saison 2017 endet auch die Ära der komplett offenen Boliden. Der Cockpitschutz Halo hält 2018 Einzug in die Königsklasse, Ästheten blicken jetzt bereits mit Panik auf die neuen Autos. Die bisher durchgeführten Testläufe mit dem System haben Vorbehalte bezüglich der Sicht der Fahrer ausgeräumt, doch die Optik der Fahrzeuge verändert sich rapide.

Die Meinungen bezüglich des Systems gehen auch im Fahrerlager auseinander. Befürworter heben den Sicherheitsaspekt hervor, denn schließlich wird die bis jetzt einzige ungeschützte Stelle des Fahrers - der Kopf - gegen mutmaßlich tödliche Fremdkörper abgesichert. Kritiker verweisen auf die verschwindend geringe Anzahl an Unfällen, bei denen das System tatsächlich geholfen hätte und auf ungeklärte Fragen, was etwa bei der Bergung eines Fahrers passieren kann.

Hamilton als Flip-Flop-Pionier?

"Es wird anders aussehen im kommenden Jahr, aber ich bin sicher, dass wir uns daran gewöhnen werden", sieht Sebastian Vettel die Thematik eher gelassen. Der Ferrari-Pilot verweist zudem darauf, dass an der endgültigen Optik noch gefeilt wird. Unterstützung erhält Vettel von Daniel Ricciardo. "Ich denke, es wird nicht so dramatisch sein, wie es viele Leute machen. Es sollte okay sein", glaubt der Australier.

Weltmeister Lewis Hamilton dagegen kritisiert vor allem das Aussehen des Heiligenscheins. "Ich denke, die Ära der gutaussehenden Autos ist vorbei. Kommendes Jahr geht es bergab. Aber immerhin nimmt die Sicherheit zu und wer weiß, vielleicht bringe ich nächstes Jahr eine Flip-Flop-Marke an den Start, mit der ich irgendwie erfolgreich sein werde", scherzte der Brite mit Blick auf die Form des Halo-Systems.

Halo an sich bringt aber noch einige Nebeneffekte mit sich, die auf die Fahrer und Ingenieure im kommenden Jahr einen großen Einfluss haben. So steigt das Mindestgewicht der ohnehin schon schweren Boliden um fünf Kilogramm auf 733 Kilo. Einige Teams werden wegen Halo aber noch mehr draufpacken müssen. Dieses Zusatzgewicht über den 733 Kilo muss also an anderer Stelle eingespart werden. Hier kommt der Fahrer ins Spiel.

F1-Abschiede: Das sehen wir 2018 nicht mehr in der Formel 1: (01:53 Min.)

Nico Hülkenberg etwa bekam von seinem Renault-Team schon einmal die Vorwarnung, dass er es sich im Winter nicht allzu gut gehen lassen sollte. Denn Hülkenberg gehört aufgrund seiner Körpergröße zu den schwersten Fahrern im Feld. "Ich wurde schon gefragt, ob ich auf Diät gehen kann", sagte der Deutsche in Abu Dhabi.

Dieser Umstand wird Hülkenbergs Meinung zum Halo-System nicht unbedingt zum positiven verändern. Schon von Beginn an zählte er zu den schärfsten Kritikern des Cockpitschutzes. Daran hat sich bislang nichts geändert. Sogar eine frühzeitige Abschaffung hält er für möglich. "Ich denke nicht, dass Halo lange in der Formel 1 überlebt. Die Leute werden realisieren, dass es nicht nötig ist. Lasst uns einfach abwarten", lehnt er sich zurück.

Perez unterstützt Sicherheitsaspekt

Es ist jedoch fast auszuschließen, dass die FIA das System wieder einstampft. Präsident Jean Todt höchstselbst drückte den Cockpitschutz per Vetobeschluss durch, über den die FIA in sicherheitsrelevanten Fragen verfügt. Todt ist in seiner Funktion äußerst engagiert im Thema Sicherheit im Straßenverkehr, eine Abkehr von Halo käme einem Gesichtsverlust gleich. Einzig ein gleichwertiges anderes System könnte Halo irgendwann verdrängen, nach der Absage an den Aeroscreen muss dieses aber erst noch gefunden werden.

Wie sieht Halo 2018 tatsächlich aus? - Foto: Sutton

Mit dieser Haltung stößt Todt bei manchen aktuellen Fahrern aber auch auf komplette Zustimmung, Sergio Perez etwa zählt dazu. "Das ist eine sehr gute und mutige Entscheidung der FIA, dass wir beim Thema Sicherheit Gas geben", stellt der Mexikaner klar. "Es zeigt auch, dass diese Generation an Fahrern sich um die Sicherheit kümmert. Nicht nur in der Formel 1, sondern auch in anderen Serien", ist Perez überzeugt.

Im Gegensatz zu einigen Kritikern glaubt der Force-India-Pilot zudem, dass es genug Beispiele aus der Vergangenheit gab, bei denen Halo hätte helfen können. "Wenn wir Halo in den letzten zehn Jahren gehabt hätten, hätten wir im Sport schon ein paar Leben gerettet. Glückwusch also an alle. Das ist etwas, worauf der Sport stolz sein sollte", sagte Perez weiter. Sein einziger Kritikpunkt ist aber auch: die Optik. Mal schauen, welche Lösungen sich die Teams bis zur offiziellen Präsentation ihrer jeweiligen Boliden einfallen lassen.


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