Formel 1

Formel 1 USA - Räikkönen: Qualifying kein Ferrari-Schwachpunkt

Kimi Räikkönen bestreitet vor dem USA GP der Formel 1 in Austin, das Qualifying sei neben der Zuverlässigkeit Ferraris Schwachpunkt. Vettel sieht es anders.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Ferrari hat an den vergangenen drei Wochenenden der Formel-1-Saison 2017 durch einen berüchtigten Startunfall und massive Probleme mit der Zuverlässigkeit des SF70-H nahezu alle Chancen auf beide WM-Titel verspielt.

Doch schon zuvor lief es bei der Scuderia aus Maranello nicht mehr so geschmiert wie noch vor der Sommerpause. Auf den bis dato letzten Sieg in Ungarn Ende Juli folgten nach der Break in Spa eine knappe und in Monza eine klare Niederlage gegen Mercedes.

Kimi Räikkönen bestreitet Ferrari-Problem im Qualifying

Insbesondere Lewis Hamilton verwies Ferrari mit einer Überform, vor allem im Qualifying, in die Schranken. Hinzugenommen den berüchtigten Power-Modus Mercedes' im Q3 - schon hatte Ferrari keine Chance mehr.

In Belgien war Hamilton selbst sogar überzeugt: Vettel hatte mit dem Ferrari das bessere Rennauto. Doch dank eines starken Qualifyings erhielt Hamilton Track Position, konnte Vettel halten. Entsprechend gilt die Performance im Qualifying direkt nach der zuletzt massiven Defektserie als größte Achillesferse Ferraris im inzwischen so gut wie verlorenen WM-Kampf mit Mercedes.

Doch einer will davon nichts wissen: Kimi Räikkönen. Von Motorsport-Magazin.com in Austin mit der Thematik konfrontiert, bestreitet der Finne einen Ferrari-Schwachpunkt in Qualifying vehement. "Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, was du da siehst. Wenn du die letzten drei Rennen nimmst, war immer zumindest ein Ferrari in der ersten Startreihe. Ich weiß nicht, ob das in deinen Augen nicht stark ist. Ich denke, es ist nicht allzu schlecht", sagt Räikkönen.

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Faktencheck: Ferrari in Japan nicht reif für Reihe eins

Damit liegt der Finne allerdings nur halb richtig: In Singapur stand Vettel auf Pole, Räikkönen auf P4, der beste Mercedes startete das Rennen von P5. In Malaysia schaffte es der Iceman selbst in Reihe eins, nur 0,045 Sekunden fehlten auf die Pole-Zeit Hamiltons. Vettel konnte wegen seines Motorendefekts nicht einmal in den Kampf eingreifen. Räikkönen dagegen startete den Grand Prix wegen eines weiteren Defekts gar nicht erst - also kein Ferrari in Reihe eins.

Allerdings geht es hier eigentlich um Qualifying-Performance - und da war der Ferrari auch in Sepang Kandidat für Reihe eins. Doch in Japan stimmt diese Theorie nicht mehr: Zwar startete mit Vettel ein Ferrari aus der erste Reihe, allerdings nur, weil der im Qualifying wie Hamilton schnellere Valtteri Bottas eine Strafversetzung für einen Getriebewechsel kassiert hatte. Der Abstand hatte sich gewaschen: Fast eine halbe Sekunde fehlte Vettel im Qualifying auf die Hamilton-Pole.

Entsprechend gesteht Räikkönen in einem Punkt ein: "Klar, es könnte auch ein bisschen besser sein." Danach strebe man allerdings immer. "Als Team wollen wir uns immer verbessern, jeden Tag, jedes Jahr. Es gibt kein einziges Team, das nicht interessiert ist, sich zu verbessern. Selbst wenn du an einem Wochenende Erster und Zweiter bist gibt es immer noch Dinge, die du verbessern kannst oder hättest besser machen können. Ich bin sicher, dass jeder in diesem Paddock so denkt. Sonst wäre es sinnlos hier zu sein", sagt Räikkönen.

Vettel & Räikkönen einig: Rennpace bei Ferrari besser

Einen grundlegend klaren Nachteil im Qualifying sieht der Iceman deshalb allerdings noch lange nicht bei Ferrari. "Manchmal bekommst du die Dinge eine Spur besser hin, es sind die kleinen Details, die in diesem Sport den Unterschied machen. Ich würde aber nicht sagen, dass es sehr schlecht ist, wo wir uns qualifizieren. Da stimme ich nicht zu", sagt Räikkönen zu Motorsport-Magazin.com.

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Richtig sei allerdings durchaus die Beobachtung, dass sich Ferrari im Rennen generell besser mache als im Qualifying. "Das stimmt vielleicht. Wir sind auf eine Runde nicht auf dem Level wie auf die ganze Renndistanz. Das waren wir zumindest in meinen Augen nie. Ich denke, wir können aber in beiden Dingen stark sein, wenn wir alles korrekt hinbekommen. Ich sehe keinen Grund, warum wir das nicht schaffen sollten", sagt Räikkönen auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com.

Diese Beobachtung teilt Sebastian Vettel, wenngleich der Deutsche zwischen den Zeilen das Qualifying schon viel mehr als Ferrari-Schwachpunkt zu sehen scheint als der Finne. "Ich erwarte, dass es in den letzten vier Rennen ziemlich eng wird. Auch wenn es am Samstag vielleicht hier und da klarer ist. Spätestens Sonntag wird es dann wieder eng, glaube ich", sagt Vettel in Austin.

Räikkönens Austin-Ausblick: Keine Ahnung!

Zunächst spielen die gesamten vier Rennen für Ferrari jedoch keine Rolle. Jetzt steht erst einmal der USA Grand Prix in Austin ganz oben auf der Prioritätenliste. Eine Performance-Einschätzung lässt sich Kimi Räikkönen einmal mehr vorab nicht entlocken. "Werden wir über das Wochenende sehen. Ich habe keine Ahnung", sagt der Finne seinen ersten Lieblingssatz der vergangenen Wochen auf. Lieblingsphrase Nummer zwei gleich hinterher: "Ich sehe aber keinen Grund, warum wir nicht stark sein sollten. Ob das stark genug ist? Ich weiß es nicht."

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