Formel 1

Formel 1: Die Brennpunkte vor dem Italien GP in Monza

Ferrari feiert Heimspiel, aber Mercedes hat einen Trumpf in der Hinterhand. Bei Force India hofft man auf vernünftige Fahrer. Die Brennpunkte vor Monza.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - In Monza steigt das wohl stimmungsvollste Rennen der Formel-1-Saison. Beim Ferrari-Heimspiel hoffen die Tifosi auf einen Sieg ihrer roten Helden, doch Mercedes holte sich mit einem Motoren-Kniff in Spa möglicherweise einen ganz entscheidenden Vorteil. Spannend wird zudem sein, wie es bei den beiden Streithähnen von Force India weitergeht. Motorsport-Magazin.com beleuchtet die Brennpunkte vor dem Großen Preis von Italien 2017.

Brennpunkt 1: Nachteil Motor-Update?

Sebastian Vettel führt die Weltmeisterschaft noch an. Soll das so bleiben, darf Lewis Hamilton nicht gewinnen. Und damit es auch dabei bleibt, deutet alles darauf hin, dass Ferrari in Monza eine neue Power Unit bringt. Doch damit könnte sogar ein Nachteil einhergehen. Grund dafür ist eine technische Klarstellung der FIA.

Denn Verbrennungsmotoren - in der Power Unit als ICE bekannt - die ab Monza neu eingesetzt werden, dürfen nur noch 0,9 Liter Öl auf 100 Kilometer verbrauchen. Mercedes aber führte bereits in Spa das neueste Update ein - und ist damit weiterhin nur an die alte Grenze von 1,2 Litern gebunden. Hintergrund des Ganzen ist der Verdacht, dass die Teams neben Benzin auch Öl auch im Motor verbrennen, um die Leistung zu steigern. Die Herabsetzung des Limits soll den Spielraum dafür einschränken.

Wenn Ferrari nun beim Heimspiel - wie zu erwarten - das Update bringt, könnte dies zwar insgesamt mehr Leistung bedeuten. Sollte es aber tatsächlich so sein, dass beide Hersteller Öl verbrennen, sind Ferrari nun in dieser Hinsicht die Hände deutlich fester gebunden als Mercedes.

Brennpunkt 2: Treiben die Tifosi Ferrari zum Sieg?

Sollte sich der Motoren-Nachteil als geringer oder gar nicht existent erweisen, dann dürfte Ferrari vom zwölften Mann profitieren. Kaum ein Rennen im Kalender ist so stimmungsvoll, die Unterstützung der Tifosi für "ihre" Marke ist enorm. Ein Fahnenmeer, eine komplett in Rot getauchte Kulisse - Monza gehört zu den absoluten Highlights der gesamten Formel-1-Historie.

Sebastian Vettel gewann dreimal in Monza - Foto: Ferrari

Dabei muss Ferrari auf heimischem Boden eine echte Durststrecke durchleben. Der letzte Sieg datiert aus dem Jahr 2010, damals gewann Fernando Alonso für die Scuderia. Seither warten die Roten auf ein Erfolgserlebnis. Mit Sebastian Vettel im Jahr 2017 scheint ein Sieg aber durchaus realistisch, gewann der Deutsche doch immerhin bereits drei Rennen im königlichen Park - darunter der Sensationserfolg 2008 im Toro Rosso.

Brennpunkt 3: Rehabilitiert sich Bottas?

In Spa erlebte Valtteri Bottas einen bösen Rückschlag im Kampf um den WM-Titel. Nur Rang fünf für den Finnen, dessen Rückstand in der Gesamtwertung nun auf 41 Punkte angewachsen ist. Seine über das gesamte Wochenende hinweg dürftige Leistung - er konnte nie mit seinem Teamkollegen Hamilton Schritt halten - könnte Mercedes nun veranlassen, das Thema Teamorder doch auf die Tagesordnung zu setzen.

"Bottas war das ganze Wochenende nicht so stark, deshalb konnte er nicht so mitfahren. Jetzt kommen Rennen für Rennen. Ganz klar ist, dass Lewis der absolute Favorit ist für die Fahrer-WM mit sieben Punkten Rückstand. Da werden wir sicher nichts machen, wo er Punkte verliert", stellte Niki Lauda bei RTL bereits klar.

Und auch Toto Wolff steht nicht mehr ganz klar hinter dem Credo des freien Fahrens. "Ferrari befindet sich in der guten Situation, dass Sebastian in Sachen Punkten deutlich vorne ist. Und es ist klar, dass Kimi ihm den Rücken freihält. Das war nicht Teil unserer Philosophie in den vergangenen Jahren. Aber wir schauen uns alles in den Rennen an und was das für die Fahrer- und Konstrukteurs-WM bedeutet", sagte er. Wenn Bottas jetzt nicht ganz schnell die Kurve kriegt, sieht es für seine WM-Ambitionen ganz schlecht aus.

Valtteri Bottas steht in Monza unter Druck - Foto: Sutton

Brennpunkt 4: Red Bull nur Mittelmaß?

Wie bitter kann die Saison für Max Verstappen eigentlich noch laufen? Inzwischen hat er sechs Ausfälle auf dem Konto, in Belgien ereilte ihn ein Motorschaden, direkt vor seinen zehntausenden holländischen Fans. In Monza bekommt er eine neue Power Unit, was aufgrund seiner zu exzessiven Nutzung an Motorenkomponenten zu einer Startplatzstrafe führen wird. Ohnehin ist Red Bull in Monza nur Außenseiter, denn die Leistungsfähigkeit des Renault-Motors ist immer noch nicht hoch genug.

Daniel Ricciardo scherte das in dieser Saison aber bislang recht wenig. In schöner Regelmäßigkeit fuhr er auf das Podium, die große Frage lautet nun: Gelingt ihm das auch in Monza? Abschreiben, das hat man in dieser Saison bislang gelernt, darf man den Honigdachs nie. In Monza wäre das Podium aber dann doch noch mal eine größere Überraschung.

Brennpunkt 5: Noch mehr Frust bei Alonso?

Fernando Alonso ergeht es sogar noch viel schlimmer als Max Verstappen. Acht Ausfälle für den Spanier - bei einem Rennen weniger. Monaco ließ er ja bekanntlich aus. Die Zukunftsfrage ist noch nicht geklärt, in Spa stellte er seinen Boliden mit angeblichen Leistungsproblemen ab, ohne, dass Honda in den Daten einen Defekt fand. Nein, Honda und Alonso, das wird keine Liebesbeziehung mehr. In Monza sollte es für den Spanier darum gehen, im Qualifying zumindest die Sauber und seinen Teamkollegen hinter sich zu lassen. Dass er das Rennen beendet, erscheint utopisch.

Brennpunkt 6: Nächster Zoff bei Force India?

Utopisch erscheint aktuell auch ein Rennen ohne pinken Krieg. Esteban Ocon und Sergio Perez bekriegen sich wie einst Ayrton Senna und Alain Prost - nur ohne den sportlichen Erfolg, ohne den Glanz und ohne das Renommee. Dafür mit exzentrischer Wortwahl. "Er hat versucht, mich umzubringen. Zweimal!", ließ Ocon bei Twitter seinen Gefühlen freien Lauf, nachdem es in Spa zwischen beiden knallte. Force India drohte beiden inzwischen mit einer Rennsperre, falls das wieder passiert. In Monza sollte Force India dank Mercedes-Power eine gute Rolle spielen. Vielleicht kracht es nun ja tatsächlich im Kampf um das Podium. Alfonso Celis würde sich sicherlich freuen.


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