Formel 1

Formel 1: Mercedes sichert sich Motoren-Vorteil gegen Ferrari

Mercedes trickst Ferrari durch die vorzeitige Einführung der neuen Power Unit in Spa aus. Das kommende Update der Scuderia erhält einen großen Nachteil.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 ist um eine technische Diskussion reicher. Dieses Mal geht es um die Power Units, genauer gesagt um den Ölverbrauch des Verbrennungsmotors. Bereits seit einigen Monaten hält sich das Gerücht, dass die Hersteller zur Leistungssteigerung neben Benzin auch bewusst Motoröl verbrennen.

Dies ist laut Reglement zwar verboten, jedoch ist es kaum nachweisbar, ob es sich um Absicht handelt oder um einen technischen Verschleiß. Besonders Reizvoll ist die Verbrennung des Öls, da es in seiner Zusammensetzung weit weniger reglementiert ist, als der klassische Treibstoff. Erst im kommenden Jahr wird sich das ändern.

Um die Handlungsfähigkeit der Teams in diesem Bereich einzuschränken, gab die FIA vor einigen Wochen eine Direktive an die Teams weiter. Darin wurde festgehalten, dass ab dem Rennen in Monza ein neu-eingeführter Motor nur noch 0,9 Liter Öl auf 100 Kilometer Fahrstrecke verbrauchen darf.

Frühere Einführung ein Coup

Bislang galt eine Grenze von 1,2 Litern. Durch die Herabsetzung sollten die Spielereien mit dem Schmierstoff beschränkt werden. Das Rennen in Monza wurde als Zeitpunkt der Änderung ausgewählt, weil die Hersteller für den Highspeed-Kurs traditionell eine neue Ausbaustufe ihrer Power Units bringen.

In Belgien dann überraschte Mercedes mit der Einführung ihrer neuen Power Unit. Ein Rennen früher als allgemein angenommen wurde die Ausbaustufe eingesetzt. Der große Vorteil nun für die Silberpfeile: Diese Konfiguration darf weiterhin 1,2 Liter Öl verbrauchen, egal, wie lange sie eingesetzt wird. Genau dies bestritten die Verantwortlichen in Spa noch. Dort hieß es, die Grenze von 0,9 Litern Öl gelte für alle ab Monza.

Ferrari hinkt Mercedes hinterher - Foto: Sutton

Doch das ist nicht richtig. Die FIA schickte inzwischen eine Klarstellung der in den vergangenen Tagen hochgekochten Thematik. Dort heißt es: "Wenn ein Motor (ICE-Einheit) am Monza-Wochenende oder danach eingeführt wird, muss der Ölverbrauch unter 0,9 Litern pro 100 Kilometer liegen, wann immer er benutzt wird. Wenn ein Motor (ICE-Einheit) am oder vor dem Spa-Wochenende eingeführt wurde, muss der Ölverbrauch unter 1,2 Litern pro 100 Kilometer liegen, wann immer er benutzt wird."

Ferrari schaut in die Röhre

Bedeutet also ganz klar: Mercedes darf auch in Monza und in den folgenden Rennen mehr Öl verbrauchen. Erst, wenn eine weitere, neue Ausbaustufe des Verbrennungsmotors kommt, gilt auch für Mercedes die Grenze von 0,9 Litern. Für Ferrari könnte sich das zu einem erheblichen Nachteil entwickeln. Denn die Scuderia wird wohl in Monza ein Update bringen - und muss dadurch die 0,9 Liter als Grenze betrachten. Der Spielraum verkleinert sich dadurch massiv.

Nun könnte man meinen, die FIA könnte die Direktive einfach anpassen und die 0,9 Liter Verbrauch ab sofort von allen einfordern. Dies ist jedoch nicht möglich, da man aus technischer Sicht von einem natürlichen Ölverbrauch des Motors ausgeht, dessen Änderung auch eine Neukonstruktion des ICE nach sich ziehen würde - ob dies nun der Fall ist oder nicht. Man müsste Mercedes also zwingen, gleich das nächste Update zu bringen, was schlicht nicht umsetzbar ist.

Wenn Mercedes die Motoren in Monza oder später an die Kundenteams weitergibt, sind diese übrigens an die Grenze von 0,9 Litern gebunden. Zwar darf es - was die Konstruktion der Power Units betrifft - in dieser Saison keinen Unterschied zwischen den Werks- und den Kundenmotoren geben. Da die neueste Version aber von den Kunden noch nicht eingesetzt wurden, gelten diese als neu eingeführt, sobald sie verwendet werden.


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