Formel 1 / Hintergrund

Österreich GP - 7 Schlüsselfaktoren vor Spielberg

... träumt Max Verstappen vom großen Regen, Lewis Hamilton von der Zahl 5 und Valtteri Bottas von seinem möglichen zweiten Sieg in der Königsklasse.
von Haris Durakovic

1. S wie Startaufstellung

Es hätte ein brillantes Showdown zwischen den Ferraris und den Silberpfeilen werden können. Stattdessen stellte Haas-Mann Romain Grosjean seinen Boliden direkt nach der Haarnadel mit einem Defekt ab - mitten auf der Strecke. Dadurch war das letzte Aufbäumen, der letzte Angriff auf die Bestzeit von Valtteri Bottas dahin.

Allzu große Überraschungen in der Startaufstellung gibt es nicht. Doch, eine natürlich: Am Boliden des Pole-Favoriten Hamilton musste das Getriebe ausgetauscht werden. Demnach geht es für den Briten um fünf Startplätze nach hinten. Umso bitterer, dass es für ihn unter regulären Umständen nur für P3 gereicht hätte. Daher muss Hamilton das Rennen nun von Position acht aus in Angriff nehmen.

Die Pole ging knapp an Bottas. Mit einer Zeit von 1:04.293 Minuten fehlten Sebastian Vettel auf Rang zwei weniger als eine halbe Zehntel. Kimi Räikkönen hatte in seiner schnellen Runde eine Menge Verkehr vor sich, daher auch der großzügige Abstand von einer halben Sekunde auf die Spitze. Dahinter folgt das Red Bull-Duo Daniel Ricciardo und Max Verstappen, der gestrandete Haas-Pilot rutscht dank der Strafversetzung Hamiltons auf die sechste Startposition. Sergio Perez reiht sich vor Lewis Hamilton und Esteban Ocon ein. Die Top-10 komplettiert Carlos Sainz.

2. S wie Start

Der Weg von der Start/Ziellinie bis zur ersten Kurve ist zwar kurz, birgt aber Unfallpotenzial. Trotz geräumiger Auslaufzone versucht jeder Pilot, möglichst auf der Strecke zu bleiben - und da wird es sehr eng werden. Der Bremspunkt ist sehr spät und verführt zu Verbremsern. In der kniffligen Startphase sind Berührungen entsprechend vorprogrammiert.

Wer die erste Kurve erfolgreich gemeistert hat, sieht sich vor der nächsten Herausforderung. Die langgezogene Gerade mit leichtem Linksknick scheint nicht enden zu wollen. Damit bietet sich direkt nach dem Start die perfekte Möglichkeiten, sich im Windschatten an den Vordermann heranzusaugen und sich vor der Haarnadelkurve vorbeizubremsen.

Kimi Räikkönen am Start an die Spitze? - Foto: Ferrari

Die Konstellation am Start verspricht ebenso Spannung. Da steht Bottas auf der Pole, direkt daneben Ferrari-Pilot Vettel. Dass der Finne nicht gerne nachgibt, hat er zuletzt einmal mehr in Baku gezeigt, als er mit seinem Landsmann Räikkönen im Zweikampf kollidierte. Ricciardo und Verstappen auf P4 und P5 werden zum einen auf Fehler an der Spitze hoffen. Zum anderen müssen auch sie sich ranhalten. Denn nicht weit dahinter steht schon Hamilton, der mit einer Menge Wut im Bauch alles daran setzen wird, am Start verlorenen Boden wiedergutzumachen.

Streckendaten
Länge: 4,326 km
Runden: 71
GP-Distanz: 307,146 km
Rundenrekord: 1:08.337 Min. (MSC, 2003)
Kurven: 9
Weg bis Kurve 1: 185 Meter
Länge Boxengasse: 242 Meter
Zeit in Box bei 80 km/h: 20 Sekunden

3. S wie Strategie

Die Strategie wird einmal mehr ein wichtiger Faktor sein, der über Sieg oder Niederlage entscheidet. Dabei bereitet den Teams vor allem die schwankenden Streckenbedingungen Sorgen. Am Freitag zeigte sich zum Beispiel Red Bull-Pilot Ricciardo überrascht von den Soft-Reifen, vor allem von deren Speed und deren Haltbarkeit. "Der Soft-Reifen sieht nicht schlecht aus. In der ersten Session war Lewis auf den weichen Reifen am schnellsten unterwegs", so der Australier am Freitag. Am Samstag sah es schon wieder anders aus. "Die Strecke hat sich heute geändert und das könnte auch morgen wieder der Fall sein", spielte Ricciardo auf das wechselhafte Gripniveau an.

Grundsätzlich ist aber bei einem trockenen Rennen von einer Ein-Stopp-Strategie auszugehen. Der Ultrasoft-Reifen zeigte sich am Samstag als haltbarer als erwartet. Daher werden die meisten Teams den Peak der weichsten Pirelli-Mischung abwarten und auf den Supersoft-Reifen wechseln.

4. S wie Sonntagswetter

Der Ruf, am Red Bull Ring sei die Regenwahrscheinlichkeit an den Rennwochenenden besonders hoch, trifft nicht ganz zu. Seit dem F1-Comeback der allseits beliebten Strecke in der Steiermark regnete es bei insgesamt 15 Sessions gerade einmal dreimal. Die Rennen fanden allesamt unter trockenen Bedingungen statt. Das letzte Regenrennen in Spielberg liegt fast 40 Jahre zurück. 1978 sorgte ein heftiger Regenschauer für Chaos auf der Strecke. Lediglich neun Autos sahen die Zielflagge.

Entsprechend liegt die Regenwahrscheinlichkeit für das Rennen am Sonntag bei 30 Prozent, zu Beginn des Großen Preises von Österreich liegt die Wahrscheinlichkeit auf Niederschlag bei 35 Prozent. Inwiefern sich der Regentanz, den die beiden Red Bull-Piloten Ricciardo und Verstappen auf die Regenwahrscheinlichkeit auswirken wird, lässt sich hier nicht beantworten. Beide sehen die größte Chance aufs Podium oder gar auf einen Rennsieg mit der Gunst des Heiligen Petrus in Verbindung stehen.

5. S wie Sausage

Der Red Bull Ring sorgt seit 2016 mit den Sausage- oder Baguette-Kerbs für gespaltene Meinungen. Die Absicht dahinter, die Piloten daran zu hindern, die Strecke an bestimmten Stellen zu verlassen, ist löblich und im Sinne des Sports. Doch bei den Fahrern kommen die Baguette-Kerbs nicht sonderlich gut an. Vor allem Red Bull-Pilot Verstappen haderte vor allem am Freitag mit den gelben Kerbs. "Ich glaube, die Kerbs sind einfach nicht für ein Formel-1-Auto designet", zweifelt der Niederländer den Sinn der Baguette-Kerbs an. Romain Grosjean hatte am Freitag eine unangenehme Begegnung mit der gelben Plage. Ende der vorletzte Kurve kam der Franzose weit raus und überfuhr den Baguette-Kerb. Dadurch beschädigte er sich seinen Vorderreifen und rollte mit Plattfuß zurück an die Box. Williams-Pilot Felipe Massa findet dazu klare Worte: "Die Kerbs sind nicht da, um das Auto kaputt zu machen."

Unbeliebt: Die Sausage-Kerbs - Foto: Sutton

6. S wie Streckenbelag

Vergangenes Jahr wurde der Red Bull Ring einer Verjüngungskur unterzogen. Der gesamte Asphalt an der altehrwürdigen Strecke wurde erneuert. Auch dieses Jahr wirkt sich der neu verlegte Belag äußerst positiv auf das Gripniveau aus. Der Reifenverschleiß ist geringer als zuvor befürchtet, dennoch schwärmen die Piloten von der Bodenhaftung. "Mit dem neuen Asphalt vom letzten Jahr haben wir hier immer noch viel Grip", so Red Bull-Pilot Ricciardo. Entscheidend ist dabei auch, dass die Reifen schnell ins nötige Arbeitsfenster gebracht werden, so der Australier.

7. S wie Sieger

Die Top-Favoriten stehen fast geballt an der Spitze. Mit dem WM-Führenden Vettel auf Startplatz zwei, Bottas auf Pole und Räikkönen hinter seinem Teamkollegen ist an der absoluten Spitze schon zu Rennbeginn viel Spannung gegeben. Die beiden Red Bulls dahinter können mit einem perfekten Start genauso für viel Spannung sorgen. Eine Unbekannte ist Hamilton, der von Startplatz acht ins Rennen geht. Vieles wird davon abhängen, ob und wie schnell er sich nach vorne kämpfen kann. Dass Bottas an der Spitze das Feld einbremsen wird, ist nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher hingegen, dass Räikkönen seinem Teamkollegen den Rücken freihalten muss. Die besten Siegchancen haben zweifellos Vettel und Bottas. Damit würde Hamilton allmählich ernsthaft unter Druck geraten, was die WM-Situation anbelangt.

Und wie tippt die Motorsport-Magazin.com-Redaktion? Das sind unsere (nicht immer ganz ernst gemeinten) Tipps für den Österreich Grand Prix:

Jonas Fehling: Vettel schießt Bottas in Kurve zwei (der echten, nicht dem komischen Knick auf der Geraden) ab, bekommt die Schuld zugesprochen und bucht Wochenendurlaub in London statt Rennen in Silverstone. Wens freut? Räikkönen und Verstappen, die ihre Pechsträhne mit Top-Ergebnissen beenden. Und natürlich den dritten Pechvogel im Bunde: Getriebe-Lewis, der von P8 nur Dritter wird, aber trotzdem feiern darf. Servus WM-Führung in Austria für den Mercedes-Buam!

Jonas Top-3-Tipp: 1. Räikkönen 2. Verstappen 3. Hamilton

Florian Becker: Hagel, Blitze, Donner oder wie Lance Stroll sich gewünscht hat auch Schneestürme werden am Sonntag kurz nach Rennbeginn über dem Red Bull Ring niedergehen. Perfekte Bedingungen für Regengott Max Verstappen, um das von Christan Horner versprochene Top-Resultat einzufahren, was ihm schon seit vielen Rennen zusteht. Hinter Mad Max landet Kimi Räikkönen auf Platz zwei, gefolgt von Sergio Perez. Keine Ahnung, ob der im Regen jemals auf dem Podium stand. Ist aber auch egal, der macht das schon. Vettel und Bottas kommen leider nicht ins Ziel, da sie schon in Kurve 1 kollidieren. Hamilton wird nur Vierter, nachdem er ebenfalls am Start mit Grosjean aneinandergeraten ist.

Vornames Top-3-Tipp: 1. Verstappen 2. Räikkönen 3. Perez


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