Formel 1

Trotz Spanien-Pleite: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel weiter auf WM-Kurs

Sebastian Vettel muss sich in Spanien Lewis Hamilton knapp geschlagen geben. Das wurmt den Ferrari-Piloten. Viel größer ist bei Vettel aber die Erleichterung.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel hat mit Platz zwei beim Großen Preis von Spanien in Barcelona seine WM-Führung in der Formel-1-Weltmeisterschaft 2017 verteidigt. Der Ferrari-Pilot verpasste nach großem Kampf mit seinem schärfsten Rivalen, Mercedes' Lewis Hamilton, den Sieg unter der spanischen Sonne nur knapp.

Gleich am Start setzte sich Vettel sogar an die Spitze, beschleunigte Polesetter Hamilton auf dem Weg zu Kurve eins mustergültig aus. "Ich hatte einen richtig guten Start. Lewis und ich hatten beide ein bisschen Wheelspin, aber das habe ich mit der Kupplung korrigiert und konnte wieder ein paar Meter gewinnen", beschreibt Vettel.

Eigentlich lief alles wie geleckt.
Sebastian Vettel

Sofort gelang es dem Ferrari-Mann daraufhin, eine kleine Lücke zu reißen. Groß genug aber, um Hamilton das DRS im gesamten ersten Stint vorzuenthalten. Bis zum ersten Stopp führte Vettel souverän. "Eigentlich lief alles wie geleckt zu dem Zeitpunkt", sagt Vettel. "Ich hatte einen guten Rhythmus, ich habe sehr gepusht und es lief gut, aber dann hat Lewis die Strategie gespiegelt." Konkurrent Hamilton blieb sechs Runden länger auf der Strecke, wechselte dann auf Medium, während sich Vettel auf frischen Softs zunächst wieder an dem zweiten Mercedes von Valtteri Bottas vorbeizwängen musste.

Bremsklotz Bottas kostet Vettel Zeit gegen Hamilton

"Mit der Aktion mit Valtteri .. natürlich haben sie ihn draußen gelassen. Er hat ein bisschen als Bremsblock hergehalten, damit ich Zeit verliere. Das hat wohl drei, vier Sekunden gekostet", sagt Vettel. Ideal umsetzen konnte er die gegenüber Hamilton schnelleren Reifen im zweiten Stint also zunächst nicht. Doch nach zwei heftigen Attacken Ende Start/Ziel war der Finne endlich bezwungen. "War ein schönes Manöver, aber hat nicht wirklich was gebracht, außer Zeit gekostet", hadert Vettel. Zumal Hamilton naturgemäß blitzschnell durchgewunken wurde, fast schon wieder dran war am Deutschen. "Lewis ist länger draußen geblieben, als er wieder raus kam war ich überrascht, dass er so nah dran war", berichtet Vettel.

War ein schönes Manöver, aber hat nicht wirklich was gebracht, außer Zeit gekostet.
Sebastian Vettel

Doch dann fuhr der Ferrari sich ein fast acht Sekunden dickes Polster auf Hamilton heraus - nur, um es bei der zweiten und letzten Boxenstopp-Welle fast vollständig zu verspielen. Mercedes nutzte im letzten Moment ein Virtuelles Safety Car für einen zeitsparenden Stopp, Ferrari blieb keine Gelegenheit mehr, ebenfalls unter VSC zu reagieren. Nur eine Runde später gestoppt, wurde es am Boxenausgang plötzlich ultraeng. Im Parallelflug schossen Vettel und Hamilton in die erste Kurve. "Es war unheimlich eng", erinnert sich Vettel. Mit einem knallharten Manöver, samt leichter Berührung behielt Vettel die Oberhand - noch.

Medium-Schlussstint: Keine Chance gegen Soft-Hamilton

Denn Hamilton hatte für den Schlussstint die soften Reifen gewählt, Vettel musste qua Reglement noch mit dem Medium vorlieb nehmen. Weil der in Spanien pro Runde eklatant langsamer ist, sah sich Vettel massivem Druck des Briten ausgesetzt. Einen Druck, dem er sich recht zügig beugen musste. In Runde 44 schoss der Silberpfeil mit Startnummer 44 vorbei am roten Auto. "Auf der Geraden hatte ich da keine Chance", berichtet Vettel. "Sobald er dann alleine war, ist er davon gefahren."

Wir hatten den gleichen Speed, da ist es ein bisschen bitter, nur P2 mitzunehmen.
Sebastian Vettel

Zuvor habe man aber absolut auf Augenhöhe miteinander gekämpft, versichert Vettel. Deshalb sei er mit dem zweiten Platz nicht vollends zufrieden. "Wir hatten ein tolles Auto, es wäre echt toll gewesen zu gewinnen. Wir hatten den gleichen Speed, da ist es ein bisschen bitter, nur P2 mitzunehmen", sagt Vettel.

Der Weg ins Quali war holprig. Dann um den Sieg kämpfen zu können war mehr als erwartet.
Sebastian Vettel

Mit Blick auf das ganze Wochenende in Spanien müsse man Platz zwei allerdings als Erfolg werten. "Es war ein Wochenende mit Aufs und Abs. Der Weg ins Quali war holprig. Dann um den Sieg kämpfen zu können war mehr als erwartet. Danke ans Team", sagt Vettel. Außerdem sei Platz zwei noch immer weit entfernt von einem Rückschlag. "Wir haben alles gegeben, was möglich war, haben alles versucht und ich denke, dass das Resultat noch immer wirklich gut ist", sagt Vettel. "Jetzt freue mich jetzt aufs nächste Rennen."

Das WM-Duell zwischen Hamilton und Vettel spitzt sich zu - Foto: Sutton

Vettel weiter auf WM-Kurs, muss aber kontern

Das steigt in zwei Wochen im Fürstentum Monaco. In den Häuserschluchten Monte Carlos braucht Vettel durch seine Niederlage gegen Lewis Hamilton in Spanien jedoch dringend wieder einen Sieg, will er seine WM-Führung erneut verteidigen. In Barcelona konnte Vettel diese noch mühelos halten, doch liegt Hamilton jetzt nur sechs Punkte hinter dem Deutschen.

Die Zeiten sind vorbei, wo wir in den Sonnenuntergang davonbrausen.
Toto Wolff

Noch einmal ein Ergebnis wie in Spanien und der Mercedes-Mann ist vorbei. Eng geht es zwischen dem Top-Duo also nicht nur endlich auch auf der Strecke zu, sondern weiterhin im WM-Klassement. Der Kampf um den Titel ist voll entflammt - eine spektakuläre Saison nimmt Fahrt auf. "Wir stehen dort, wie in den ersten Rennen auch, Kopf an Kopf", sagt Mercedes-Chefaufseher Niki Lada bei Sky. "Im Moment ist jedes Rennen schwer. Die Zeiten sind vorbei, wo wir in den Sonnenuntergang davonbrausen", bestätigt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei RTL.

Geht es nach Vettel könnten genau diese Zeiten aber gerne wieder anbrechen - nur mit anderen Vorzeichen: "Wir sind nicht zufrieden. Wir wollen weiter nach vorne, wir sind hungrig und wollen Mercedes vom Thron stoßen. Wir wollen nicht mit ihnen kämpfen, wir wollen vor ihnen sein!"


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