Formel 1

Ferrari stellt neues Auto vor: Rote Göttin 2017

Ferrari enthüllt den 2017er Boliden. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen zeigen den SF70H. Das Auto hat einige Überraschungen.
von Christian Menath
Ferrari zeigt den SF70H für 2017: (02:35 Min.)

Da ist er, der neue Ferrari: Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen enthüllten am Freitagmorgen in einem kurzen Videoclip den Boliden für die Formel-1-Saison 2017. Nachdem der Name des Autos lange geheim gehalten wurde, heißt die neue Rote Göttin SF70H. Ferrari feiert 2017 den 70. Geburtstag der Firmenhistorie. H steht wieder für Hybrid.

Die Nase des neuen Boliden sieht jener des Vorgängers zum Verwechseln ähnlich, Ferrari setzt erneut auf eine Knolle, wie die meisten anderen Teams auch. Überraschend ist jedoch das Seitenkasten-Design. Nach einem riesigen, geschwungenen Bargeboard verwächst der Seitenkasten förmlich mit einem Luftleitblech. Die Öffnungen sind extrem klein, dafür ist ein zusätzlicher Lufteinlass auf der Oberseite.

Auffällig ist auch das Heck des Boliden: Ferrari setzt auf eine Haifisch-Flosse auf der Motorabdeckung und zusätzlich einen T-Flügel, wie ihn Mercedes am Launch-Tag am Nachmittag installierte.

Technik-Chef Mattia Binotto erklärt die Besonderheit in dieser Saison: "Die Herausforderung ist es diesmal, die Entwicklung noch mehr zu beschleunigen." Das neue Reglement erlaubt den Aerodynamikern große Freiheiten, entsprechend groß sind die Entwicklungsschritte noch. Binotto verspricht: "Wer immer auch jetzt schnell sein mag, wir haben eine große Entwicklung für den Saisonstart in Australien."

Nachdem das Fahrzeug lediglich mit einem kleinen Videoclip vorgestellt wurde, auf dem Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen, Antonio Giovinazzi sowie Teamchef Maurizio Arrivabene und Technik-Chef Mattia Binotto neben dem Boliden standen, drehte der SF70H kurz darauf schon die ersten Runden auf der hauseigenen Teststrecke in Fiorano. Bis zu 100 Kilometer sind im Rahmen eines Filmtags möglich.

Aufgrund regnerischer Bedingungen musste das Team den Shakedown am Nachmittag kurzzeitig unterbrechen, bis Vettel sein komplettes Programm abspulen konnte. "Die Verhältnisse waren heute nicht so wie sie es in Australien sein werden", sagte er. "Aber der erste Eindruck war gut. Man kann sehen und fühlen, dass es ein Fortschritt ist. Wir hatten heute keine Probleme. Ein guter Tag und ein guter Start."

Kimi Räikkönen im SF70H in Fiorano - Foto: Sutton

"Es war nur eine Installationsrunde und die allererste Runde mit dem neuen Auto", konstatierte Kimi Räikkönen gewohnt nüchtern. "Es hat sich alles okay angefühlt. Es war nur eine erste Berührung, ich bekomme heute noch mehr, aber die Hauptarbeit startet mit dem Test in Barcelona. Soweit, so gut."

Teamchef Maurizio Arrivabene zeigte sich erwartungegemäß etwas begeisterungsfähiger: "Es sind immer große Emotionen, wenn man einen neuen Ferrari in echt sieht. Ob es ein GT-Auto ist oder ein Formel-1-Auto, es sind die gleichen Emotionen. Für mich ist es etwas spezielles, weil ich mehr in die Formel 1 involviert bin. Ich habe mir das Auto angesehen und an die Mühe, die Hingabe, die Professionalität und die Leidenschaft von allen bei Ferrari gedacht, die dieses Auto gebaut haben. Das Auto ist das Ergebnis einer Teamleistung, deshalb bin ich stolz."

Der Vorgänger: Ferrari SF16-H

Der letztjährige Ferrari bekommt sicherlich keinen Ehrenplatz in der Galleria Ferrari, dem hauseigenen Museum in Maranello. Zum ersten Mal seit längerer Zeit verbaute Ferrari wieder Druckstreben statt Zugstreben an der Vorderachse - was den Fahrern zwar besseres Feedback gab, an der Konkurrenzfähigkeit des Autos änderte es aber auch nicht viel.

Anfangs bereitete das neue Motorenkonzept noch Zuverlässigkeitsprobleme, als diese aussortiert waren, wurden die Schwächen des Chassis immer offensichtlicher. Dazu kam, dass Ferrari das eigene Auto und die Reifen nicht verstand. Mal war sogar Mercedes in Greifweite, mal war auch Red Bull deutlich schneller als Ferrari. So blieb nur Konstrukteursplatz drei und kein einziger Sieg.

Die Fahrer: Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen

Das Fahrerduo bleibt in der Saison 2017 unverändert. Sebastian Vettel geht in sein drittes Ferrari-Jahr, zum dritten Mal ist Kimi Räikkönen an seiner Seite. Allerdings ist Vettels Nummer-eins-Status nicht mehr unbestritten: Räikkönen erlebte 2016 in der zweiten Saisonhälfte seinen dritten Frühling, während Vettel fahrerisch etwas abbaute und teamintern etwas unter Beschuss kam. Neu hingegen ist Ferraris Ersatzfahrer: Antonio Giovinazzi, italienisches GP2-Talent steht als Reserve zur Verfügung. Jean-Eric Vergne hat Ferrari inzwischen wieder verlassen.

Das Team: Die Scuderia Ferrari

Kaum zu glauben, aber Ferrari ist noch immer das erfolgreichste Team in der Formel-1-Geschichte. Was natürlich auch damit zusammenhängt, dass die Scuderia seit 1950 als einziges Team ununterbrochen in der Königsklasse des Motorsports unterwegs ist. Bei 929 Grands Prix gewann Ferrari 224 Mal. 16 Konstrukteurstitel gingen in der langen Historie nach Maranello.

Der letzte Titel liegt allerdings schon etwas zurück: 2008 gewann Ferrari zuletzt die Hersteller-Wertung, 2007 zum bisher letzten Mal den Fahrer-Titel. Erfolgreichster Fahrer der Team-Geschichte ist natürlich Michael Schumacher. Fünf Fahrer-Titel und 72 Siege gehen allein auf das Konto des Rekordweltmeisters.


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