Formel 1

Nach Rosberg-Rücktritt: Bottas zu Mercedes, Lowe zu Williams?

Formel 1 verrückt: Wechselt Valtteri Bottas von Williams zu Mercedes und geht Paddy Lowe im Gegenzug zu Williams? Alles nur wegen Rosbergs Rücktritt?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für den zurückgetretenen Weltmeister Nico Rosberg wird immer komplexer. Möglicherweise geht es nicht nur um die Fahrer selbst, sondern auch um das Teammanagement. Immer mehr sickert durch, dass Technikchef Paddy Lowe Mercedes verlassen könnte.

Schon länger wird über einen Wechsel von Lowe zu Ferrari spekuliert. Ferrari könnte einen technischen Leader nach dem Abgang von James Allison eigentlich gebrauchen, aber Präsident Sergio Marchionne erteilte beim Ferrari Weltfinale in Daytona vergangene Woche eine Absage. Er habe vollstes Vertrauen in Mattia Binotto, der internen Lösung des Problems Allison.

Tatsächlich soll Lowe aber nun auf dem Sprung zu Williams sein. Interessanter als die Tatsache, dass Lowe seine Karriere in Grove begann ist, dass Mercedes an den Diensten von Valtteri Bottas interessiert ist - der einen gültigen Williams-Vertrag für die nächste Saison hat.

Somit bekommt die Frage nach Rosbergs Nachfolger eine neue Dimension. Mercedes will Bottas, Williams will Lowe. Im Gegensatz zu Bottas gibt es bei Lowe aber keinen Vertrag für 2017, der Brite könnte Mercedes verlassen. Zu einem Kuh-Handel wird es nicht kommen. Zwischen Lowe und Mercedes soll es Differenzen geben, mit James Allison stünde ein Nachfolger schon bereit.

Bottas-Geld für Lowe-Verpflichtung?

Die Fälle Bottas und Lowe hängen nicht direkt miteinander zusammen, sie sind eigentlich voneinander unabhängig, aber sie könnten am Ende doch miteinander zu tun haben. Williams würde für Bottas' Ablöse gut kassieren. Ob in Form von einer direkten Finanzspritze oder in Form eines Motorendiscounts. Damit hätte man Geld für Lowe und für Entwicklung.

Auf der anderen Seite sitzt 2017 mit Lance Stroll ein 18-jähriger Rookie im Williams. Da bräuchte der britische Traditionsrennstall Bottas mehr denn je - vor allem bei einem komplett neuem technischen Reglement. Letztendlich bringt Performance auf der Strecke wieder Geld bei der Ausschüttung des kommerziellen Rechteinhabers.

Die Informationen sind widersprüchlich: Manche sagen, Bottas geht zu Mercedes, andere behaupten, der Finne hat die Freigabe von Williams nicht erhalten. Die Situation ist heikel, weil Mercedes Motorsportchef Toto Wolff am Management von Bottas beteiligt ist, als Teamchef einen Fahrer sucht und Mercedes gleichzeitig Power Units an Williams liefert. Neben Bottas sollte Pascal Wehrlein die mit Abstand besten Chancen auf die Rosberg-Nachfolge haben.

Nasr der lachende Dritte? Oder Wehrlein?

Die Personalie Bottas zieht weitere Fragen mit sich: Wer könnte Bottas bei Williams beerben? Pascal Wehrlein? So könnte der Motoren-Discount noch ein bisschen größer werden. Oder Felipe Nasr? Der Brasilianer war 2014 Ersatzfahrer bei Williams und fuhr einige Tests. Nasr wollte am Wochenende nach Interlagos zum Stock Car Finale und sich dort Journalisten stellen. Der Brasilianer sagte seinen Besuch allerdings kurzfristig ab.

Vielleicht haben sich seine Chancen bei Williams verschlechtert? Beim TV-Sender Globo sagte Nasr: "Wir haben mit Sauber und Manor gesprochen. Meine Priorität liegt bei Sauber." Von Williams keine Spur.

Letztlich könnte Rosbergs Rücktritt eine wahre Kettenreaktion auslösen. Bottas, Lowe, Wehrlein, Nasr und so weiter. Nur wenn mit Felipe Massa oder Jenson Button ein Oldie reaktiviert wird, stoppt die Kettenreaktion. Ähnliches gab es übrigens in der Fußballbundesliga: Weil Trainer Markus Weinzierl in dieser Saison von Augsburg zu Schalke wechselte, hatte plötzlich ein Verein in der Oberliga keinen Trainer mehr.


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