Bei der bis heute letzten großen Fahrerentscheidung des Rennstalls Ende 2014 hatte sich McLaren gefühlt unendlich lang Zeit gelassen. 2016 geht nun alles sehr viel schneller als erwartet und angekündigt. Eigentlich sollte die Fahrerpaarung für die kommende Saison erst nach einer Sitzung des McLaren-Boards später im September folgen. Jetzt hat McLaren beim Italien GP in Monza überraschend doch schon Nägel mit Köpfen gemacht.

Stoffel Vandoorne heißt der neue Teamkollege von Fernando Alonso in der Formel-1-Saison 2017. Das belgische Mega-Talent ersetzt Routinier und Sympathieträger Jenson Button. Der hat allerdings nicht komplett unter Ron Dennis ausgedient, sondern bekommt im Zuge einer "innovativen Drei-Fahrer-Strategie" einen speziellen Zwei-Jahres-Vertrag: Button könnte Alonso ersetzen, sollte der Spanier nach Ende seiner Vertragslaufzeit, also zur Saison 2018, keine Lust mehr auf die Königsklasse haben.

Mit diesem zunächst illustren Konstrukt reagiert McLaren offensichtlich auf ein großes Problem. Einerseits will man einen erfahrenen Top-Mann wie Button nicht aufgeben - oder noch schlimmer an die Konkurrenz abgeben -, anderseits ein mehr als vielversprechendes Nachwuchstalent und Eigengewächs nicht vertrösten und so womöglich ebenfalls durch Abwerbeversuche verlieren.

Immerhin ist der Fahrermarkt der Formel 1 ein Haifischbecken. So wurde Button zuletzt immer wieder mit einer Rückkehr zu Williams in Verbindung gebracht. Mehr denn je nachdem dort Felipe Massa vor zwei Tagen sein Karriereende zum Saisonende angekündigt hatte. Doch auch der Name Vandoorne wurde bereits für Williams gehandelt. Genauso schien Renault an dem amtierenden GP2-Champion interessiert. Und auch Vandoorne selbst ließ zuletzt immer wieder verlauten, Plan A für 2017 heiße McLaren - aber auch Renncockpit, nicht Abstellgleis.

McLaren schiebt alldem nun geschickt einen Riegel vor, bindet gleich beide Piloten als Fixsterne im Team. Die übrigen Rennställe müssen entsprechend schauen, wo sie bleiben, sich nach Alternativen umsehen. Doch wen betrifft das wie? Zuvorderst die bereits genannten Williams und Renault, aber auch weitere Teams ...

Das Fahrerfeld für die Formel-1-Saison 2017

Team Fahrer 1 Fahrer 2
MercedesLewis HamiltonNico Rosberg
FerrariSebastian VettelKimi Räikkönen
Williams
Red BullDaniel RicciardoMax Verstappen
Force IndiaNico HülkenbergSergio Perez
Renault
Toro RossoCarlos Sainz
Sauber
McLarenFernando AlonsoStoffel Vandoorne (Button Ersatz)
Manor
Haas

Williams steht aktuell noch ganz ohne Fahrer für 2017 da. Eine Vertragsverlängerung mit Bottas gilt jedoch als Formsache. Und das zweite Cockpit? Durch den Massa-Abschied und die nun nicht länger verfügbaren Button und steigen somit die Aussichten des hauseigenen Juniors Lance Stroll erheblich. Zumal Stroll dank seines steinreichen Vaters auch noch eine ordentliche Mitgift mitbringen würde.

Letzteres gilt jedoch auch für Sergio Perez. Der Mexikaner hat final noch nicht bei Force India unterschrieben - auch wenn das Team nicht müde wird zu beteuern, es handele sich nur um eine Formsache, dass 'Checo' 2017 weiter an der Seite Nico Hülkenbergs fahren wird. Neben Williams wird er auch mit Renault in Verbindung gebracht. Zuletzt gilt auch Felipe Nasr als gute Partie für Williams, würde auch der aktuelle Sauber-Pilot einige Millionen mitbringen, ist bei Sauber noch nicht für 2017 vergeben und hat obendrein nicht gerade das beste Verhältnis zum aktuellen Teamkollegen. Marcus Ericsson selbst ist die deutlich unwahrscheinlichere Williams-Variante, haben sich dessen Gönner augenscheinlich doch gerade erst noch intensiver für eine Zukunft mit den Schweizern stark gemacht.

Renault unterdessen hat ebenfalls noch mit keinem Fahrer für 2017 Tatsachen geschaffen. Die aktuellen Piloten Kevin Magnussen und Jolyon Palmer gelten beide nicht als überragende Könner am Volant, wenngleich das Team stets deren Potential beteuert. Einen Vandoorne hätten die Franzosen da sicherlich nur zu gerne genommen. Diese Option besteht nun nicht länger, die großen Gewinner sind die bestehenden Piloten: eine, und zwar die wohl größte, Cockpitgefahr weniger.

Vandoornes Verpflichtung ist für Magnussen und Palmer ein Grund weniger, zu zittern. -
Vandoornes Verpflichtung ist für Magnussen und Palmer ein Grund weniger, zu zittern. -Foto: Sutton

Denn inzwischen gehen die Alternativen aus. Wer ist jetzt noch besser und verfügbar als der Däne und der Brite? Über Ferrari, Mercedes und Red Bull ist gar nicht erst zu reden. Hier haben alle Vertrag und würden sich bei einem Wechsel zu Renault nur ins Risiko begeben. Auch Carlos Sainz bei Toro Rosso ist schon fix. Daniil Kvyat wird allenfalls durch Pierre Gasly ersetzt, dürfte angesichts des somit zweiten Rückschlags binnen eines Jahres womöglich völlig zermürbt und somit für keinen Rennstall als sichere Bank erscheinen. Entsprechend ist jetzt Esteban Ocon die noch größte Konkurrenz für K-Mag und Palmer. Immerhin ist der aktuelle Manor-Mann nicht nur Mercedes-, sondern auch Renault-gefördert. Pascal Wehrlein hingegen dürfte relativ sicher bleiben.

Bleibt zuletzt noch Haas. Romain Grosjean und Esteban Gutierrez haben auch noch keine Klarheit für 2017. Aber ein großes Interesse daran, im Team zu bleiben. Immerhin sehen beide hier das große Sprungbrett Richtung Ferrari, sollte Kimi Räikkönen sich 2018 doch noch ganz auf seine Vaterpflichten konzentrieren wollen.