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Formel 1

Hockenheim: Hamilton siegt - Klatsche für Rosberg

Lewis Hamilton dominiert den Deutschland GP. Nico Rosberg kassiert eine Strafe und verpasst das Podium. Podest-Party bei Red Bull, Ferrari abgeschlagen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Prestige-Sieg für Lewis Hamilton! Der Weltmeister gewann den Großen Preis von Deutschland in Hockenheim - und fügte seinem Mercedes-Rivalen Nico Rosberg damit eine empfindliche Klatsche bei dessen Heimrennen zu. Hamilton dominierte das Geschehen im Motodrom nach Belieben. Nachdem er sich beim Start gegen Pole-Setter Rosberg durchgesetzt hatte, war sein sechster Saisonsieg - der vierte in Folge - ungefährdet. Damit verabschiedet sich Hamilton als WM-Führender in die Sommerpause.

Rosberg musste sich mit Platz vier zufriedengeben. Ein unglücklicher Ausgang eines zuvor starken Auftrittes in Hockenheim. Nicht nur, dass er die Pace der Spitze nicht mitgehen konnte. Wegen eines Zwischenfalls mit Max Verstappen in der Spitzkehre kassierte er auch noch eine 5-Sekunden-Strafe, die er beim Boxenstopp absitzen musste. Damit verpasste Rosberg zum fünften Mal in dieser Saison einen Platz auf dem Podest.

Ich wollte ihn nicht von der Strecke fahren. Natürlich wollte ich es ihm eng machen, aber ich war am Lenkstopp.
Rosberg über Verstappen

"Das war ein heftiger Tag, besonders beim Start", sagte Rosberg. "Ich weiß nicht, warum die Reifen so durchgedreht haben. Beim Übungsstart war es noch okay gewesen. Das war sehr enttäuschend. Dann haben wir alles gegeben, um die Red Bulls niederzukämpfen. Leider habe ich im Duell mit Verstappen eine 5-Sekunden-Strafe bekommen und das war dann das Ende vom Tag. Ich wollte ihn nicht von der Strecke fahren. Natürlich wollte ich es ihm eng machen, aber ich war am Lenkstopp und konnte nicht weiter lenken."

Große Podest-Party bei Red Bull

Besser lief es bei Red Bull, die zum ersten Mal in dieser Saison beide Autos auf dem Podium platzieren konnten. Daniel Ricciardo schnappte sich Platz zwei vor seinem jungen Teamkollegen Verstappen. Ein schöner Erfolg für den Australier, der sein 100. Rennen in der Formel 1 bestritt. Für Supertalent Verstappen war es der dritte Podiumsplatz in den letzten vier Rennen.

Trauerspiel von Ferrari

Die Punkteränge: Das nächste Trauerspiel von Ferrari. Vettel und Räikkönen überquerten die Ziellinie auf den Plätzen fünf und sechs. Das genügt den hohen Ansprüchen der Scuderia nicht im Geringsten. Mit dem Kampf ums Podium hatten die Roten in Hockenheim nie etwas zu tun. Nico Hülkenberg wurde Siebter - ein weiterer Sieg im teaminternen Duell mit dem Zehntplatzierten Sergio Perez. Jenson Button und Valtteri Bottas komplettierten die Top-10.

Der WM-Stand: Hamilton geht mit einem komfortablen Vorsprung als Führender in die Sommerpause. Der Brite hat nun 217 Punkte auf dem WM-Konto. Rivale Nico Rosberg kommt nach seiner Durststrecke auf 198 Zähler. Daniel Ricciardo belegt Platz drei mit 133 Punkten vor Kimi Räikkönen (122). Sebastian Vettel folgt auf der fünften Position mit 120 Zählern - nur noch 5 Punkte Vorsprung auf Wunderkind Max Verstappen.

Das sagen Hamilton, Ricciardo & Verstappen zum Rennen

Lewis Hamilton: "Ich hatte einen tollen Start und habe heute keine Fehler gemacht. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden. Unsere Ingenieure haben einen super Job gemacht, das Auto war großartig. Auch meine Leistungen sind nicht immer perfekt- gestern waren sie es nicht. Das Team hat hart gearbeitet. Jetzt brauchen alle eine Pause, und die haben wir uns alle verdient."

Wir hatten zwei verschiedene Strategien. Ich musste Daniel vorbeilassen.
Max Verstappen

Daniel Ricciardo: "Zwei Wochen in Folge auf dem Podium – das ist sehr erfrischend. Ich glaube, das war unser erstes Doppelpodium für Red Bull diese Saison. Ein toller Abschluss vor der Sommerpause. Mein Papa war auch da und ich sehe hier ein paar australische Flaggen bei meinem 100. Rennen."

Max Verstappen: "Wir hatten einen guten Start und die Pace stimmte von Beginn an. Wir hatten zwei verschiedene Strategien. Ich musste Daniel vorbeilassen. Dann haben wir mit dem Doppelpodium das Maximum für das Team herausgeholt und Ferrari hinter uns gelassen."

Das Wetter: 50 Prozent Regenwahrscheinlichkeit waren für den Rennsonntag vorausgesagt. Glück für die 57.000 Fans an der Strecke: Zum Rennstart alles trocken in Hockenheim, bei angenehmen 24 Grad Lufttemperatur. An den Bedingungen änderte sich auch im weiteren Verlauf des Rennens nichts. Volle Tribünen - und bestes Rennwetter bei der Rückkehr der Formel 1 nach Deutschland. Ein paar wenige Regentropfen in der Schlussphase hatten keine Auswirkungen auf das Rennen oder die Stimmung.

Der Start: Horror-Start von Nico Rosberg, der von der Pole bis auf den vierten Platz durchgereicht wurde. Wahnsinns-Auftakt hingegen von Max Verstappen, der sowohl Daniel Ricciardo als auch Rosberg auf den ersten Metern schnappen konnte. Der Niederländer reihte sich hinter Lewis Hamilton, der den Start souverän für sich entschied. Sebastian Vettel überholte Teamkollege Kimi Räikkönen und verbesserte sich auf Platz fünf. Größter Verlierer der Startphase war Sergio Perez, der vom neunten auf den 15. Platz zurückfiel.

Lewis Hamilton machte den Sieg schon beim Start klar - Foto: Sutton

Die Zwischenfälle:Bitter für Rosberg: Er fing sich nach einem Duell mit Verstappen eine 5-Sekunden-Strafe ein, nachdem er in der Spitzkehre kaum eingelenkt und Verstappen von der Strecke gedrängt hatte. Rosberg kurz vor dem Urteil am Funk: "Erklärt ihnen, dass ich voll eingelenkt habe. Er hat beim Bremsen die Richtung gewechselt, das war das Problem." Es kam noch schlimmer: Als Rosberg die Strafe an der Box absaß, funktionierte die Stoppuhr nicht! So stand er rund 3 Sekunden länger als nötig.

Man kann es kaum glauben, aber auch in einem F1-Team kann eine Stoppuhr nicht funktionieren.
Toto Wolff

"Man kann es kaum glauben, aber auch in einem F1-Team kann eine Stoppuhr nicht funktionieren", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Die braucht man da nicht so oft. Das war eine händische Stoppuhr, so wie früher. Und die ist einfach nicht losgegangen. Das klingt verrückt für ein so hochtechnologisches Team. Aber das kann mal passieren."

Der Aufreger des Rennens: Rosberg gegen Verstappen - Foto: Sutton

Die Strategien: Mercedes und Red Bull reagierten auf die Umstände und teilten ihre Reifen-Strategien auf. Anders Ferrari, das Vettel und Räikkönen zunächst auf die gleiche Strategie setzte. Rosberg konnte die Pace der Red Bulls auf keiner der beiden Reifenmischungen halten. Ricciardo profitierte während des Rennens von der Strategie und durfte auf besseren Reifen vorbei an Teamkollege Verstappen. Bei Hamilton wechselte Mercedes für den letzten Stint auf Soft-Reifen, weil der Vorsprung auf den Rest des Feldes mehr als ausreichend war.

Die Boxenstopps: In Runde 11 bogen Verstappen und Rosberg gleichzeitig zum Reifenwechsel ab und blieben bei Supersoft-Mischungen. Ricciardo schickte Red Bud Bull eine Runde später auf Soft-Reifen raus, um die Strategien zu splitten. Vettel holte sich in der 13. Runde frische Soft-Reifen ab, Räikkönen eine Runde später ebenfalls. Hamilton kam im gleichen Umlauf rein und wechselte von Supersoft auf Soft.

Rosberg kam in Runde 27 als Erster aus der Spitzengruppe zum zweiten Mal an die Box. Erstmals fuhr er auf den Soft-Reifen wieder raus auf die Strecke. Red Bull reagierte in der folgenden Runde und beorderte Verstappen zum Reifenwechsel, ebenfalls auf Soft. Er kam vor Rosberg auf die Strecke, doch der Mercedes-Pilot setzte sich im direkten Duell grenzwertig durch und erhielt dafür eine 5-Sekunden-Zeitstrafe.

Vettel und Räikkönen wechselten in den Runden 31 beziehungsweise 32 zum zweiten Mal die Reifen. Beide Ferraris entschieden sich erneut für die Supersofts. Spitzenreiter Hamilton holte sich in Runde 34 einen neuen Satz Supersoft-Reifen ab.

Rosberg kam in Runde 44 zum dritten Mal an die Mercedes-Box, um seine Strafe abzusitzen und auf Soft-Reifen zu wechseln. Verstappen holte sich im darauffolgenden Umlauf neue Supersofts ab. Ricciardo (auf Supersoft) und Vettel (auf Soft) fuhren in Runde 46 gleichzeitig an die Box. Hamilton folgte in Runde 47 und wechselte auf Soft. Sein Vorsprung betrug zu diesem Zeitpunkt mehr als 15 Sekunden.

Für Ferrari gab es in Hockenheim nichts zu holen - Foto: Sutton

Die Ausfälle: Pechvogel Felipe Massa! Für den Brasilianer war in der 37. Runde Feierabend. Nach einer frühen Startkollision mit Jolyon Palmer war sein Williams offenbar zu stark beschädigt, um das Rennen akzeptabel beenden zu können. Massa fehlte im gesamten Rennen die Pace, vor dem Ausfall hatte er die Box schon zweimal angesteuert. Felipe Nasr sah die Zielflagge ebenfalls nicht und dankte nach insgesamt vier Besuchen an der Sauber-Box vorzeitig ab.

Die Analyse: Die große Frage beim Deutschland GP: Was lief bei Rosberg schief? Während Hamilton das Rennen komplett dominierte und auch die starken Red Bulls in Schach hielt, lief beim Lokalmatador nicht viel zusammen. Spätestens seit dem Rennen in Hockenheim dürfte auch feststehen: Red Bull ist die zweite Macht in der Formel 1. Ferrari muss sich mit Platz drei zufriedengeben. Für die Roten lief das gesamte Rennwochenende mehr als durchwachsen. Ob in der Sommerpause noch mehr Köpfe in Maranello rollen, nachdem sich zuletzt James Allison verabschiedet hatte? In diesem Zustand ist Ferrari jedenfalls meilenweit entfernt vom ersten Saisonsieg.

Die Top-Facts des Rennens

  • 4. Sieg in Folg für Hamilton
  • Hamilton nach 6. Saisonsieg weiter WM-Führender
  • Hamilton feiert 49. Sieg in der Formel 1
  • 5. Saisonrennen für Rosberg ohne Podest
  • Bei Rosberg-Strafe: Mercedes-Stoppuhr funktionierte nicht!
  • Erstmals beide Red Bulls auf dem Podium
  • 13. Podestplatz für Ricciardo im 100. F1-Rennen
  • 3. Podest für Verstappen aus letzten 4 Rennen
  • Ferrari abgeschlagen auf P5 und P6

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