Formel 1

Formel-1-Piloten reden vor der Kamera nicht offen - Bianchi-Vater: Fahrer haben Angst vor der FIA

Philippe Bianchi ist davon überzeugt, dass die Fahrer Angst vor Bernie Ecclestone und der FIA haben und sich deshalb gegenüber den Medien nicht äußern.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Nachdem die Bianchi-Familie in der Woche des Grand Prix von Monaco Klage gegen die Organisatoren der Formel 1 einreichte, äußerte sich Philippe Bianchi nun erneut gegenüber Sky. Der Vater des in Folge eines Unfalls beim Grand Prix von Japan 2014 verstorbenen Formel-1-Piloten Jules Bianchi, vermisst anscheinend die öffentliche Unterstützung anderer Piloten. Für ihn gibt es dafür jedoch einen plausiblen Grund.

Ich denke, dass die Leute Angst davor haben, etwas zu sagen.
Philippe Bianchi

"Wenn ein Fahrer bei mir ist und eine Kamera dabei ist, wird er nichts sagen. Ich denke, dass die Leute Angst davor haben, etwas zu sagen", so der Franzose. Unter vier Augen würden sich die Menschen ganz anders verhalten: "Sobald die Kamera aus ist, kommen alle Leute zu mir und sagen: Das ist alles nicht korrekt. Jules hat keinen Fehler gemacht, die haben einen Fehler gemacht. "

Organisatoren tragen Mitschuld

Philippe Bianchi ist der Ansicht, dass die Organisatoren für den Tod seines Sohnes verantwortlich sind, und nicht dessen Fahrfehler selbst: "Es wurden Fehler bei der Planung, dem Timing, der Organisation und der Durchführung des Rennens gemacht, dass bei gefährlichen Bedingungen mitten in der Typhoon-Saison Japans stattgefunden hat."

Laut Philippe Bianchi hätte das Rennen vorher abgebrochen werden müssen - Foto: Sutton

Jules Bianchi war 2014 in Suzuka in der 41. Runde des Rennens bei starkem Regen von der Strecke abgekommen und mit einem Bergungsfahrzeug kollidiert. Er zog sich dabei schwerste Kopfverletzungen zu, denen er etwa neun Monate später erlag. Der offizielle Untersuchungsbericht kam zu dem Schluss, dass eine Kombination mehrerer Faktoren Auslöser für den Unfall war. Dazu zählte auch die Geschwindigkeit, mit der Bianchi die Kurve durchfuhr.

Untersuchungs-Kommission war nicht unbefangen

All diese Leute standen der FIA sehr nahe, und das kann ich nicht gutheißen.
Philippe Bianchi

"Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die die Unfall-Kommission gestellt haben. Aber all diese Leute standen der FIA sehr nahe, und das kann ich nicht gutheißen", so Philippe Bianchi weiter. Aus diesem Grund entschied sich die Familie zu dem Schritt, rechtlich gegen die Organisatoren der Formel 1 vorzugehen.

Bei dem Rechtsfall soll vor allem geklärt werden, ob das Rennen angesichts der widrigen Bedingungen nicht schon früher hätte abgebrochen werden sollen. "Die Bedingungen waren in Japan für alle Fahrer schrecklich. Es war kein gutes Licht und es hat so stark geregnet. Da können sie nicht einfach sagen, dass Jules einen Fehler gemacht hat. Das ist nicht möglich", fügte der Franzose an.

Experten bleiben kritisch

Obwohl es im Fahrerlager der Formel 1 viel Verständnis für die Entscheidung von Jules Bianchis Familie gibt, sehen nicht alle gute Chancen auf einen erfolgreichen Ausgang der Klage. "Ich denke, es wird sehr schwierig sein, den Fall gegen die Organisatoren der Formel 1 oder die Rennstrecke durchzusetzen. Er [Jules Bianchi] hätte einfach langsamer fahren sollen", so der dreifache Weltmeister und ehemalige Teambesitzer Jackie Stewart.


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