Formel 1

Leute in der Formel 1 haben sehr kurzes Gedächtnis - Perez: Keiner glaubt mehr an Kvyat

Der Kvyat-Verstappen-Tausch von Red Bull hat im Fahrerlager von Barcelona hohe Wellen geschlagen. Einer kennt das Gefühl aus eigener Erfahrung: Sergio Perez.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Sergio Perez überzeugte in der Saison 2012 bei Sauber mit drei Podiumsplätzen (zweimal Zweiter und einmal Dritter). Daraufhin verpflichtete ihn McLaren, um den zum Mercedes-Werksteam abgewanderten Lewis Hamilton zu ersetzen. Doch in den Augen der McLaren-Führung hielt Perez dem Vergleich mit seinem damaligen Teamkollegen Jenson Button nicht stand. Nach nur einer Saison setzte ihn der Traditionsrennstall aus Woking vor die Tür. Der Mexikaner sieht darin einige Parallelen zum Schicksal Daniil Kvyats.

Die Leute hören auf einmal auf, an dich zu glauben.
Sergio Perez

"Es ist wirklich eine große Überraschung. Ich denke, Kvyat hätte den Platz bei Red Bull auch für den Rest der Saison verdient. Aber das ist die Formel 1. Es ist nicht nur Red Bull, es ist überall so in der Formel 1", so Perez. Wie die Meisten im Fahrerlager, fühlt sich auch Perez selbst an seine Entlassung bei McLaren erinnert. "Es ist das Gleiche, wie bei mir, als ich von McLaren fallengelassen wurde. Die Leute hören auf einmal auf, an dich zu glauben", fügte er an.

Grund für solche Entscheidungen ist für Perez die heutige Natur des Sports, in dem Erfolge nur noch Momentaufnahmen sind. "Die Leute in der Formel 1 haben leider ein sehr kurzes Gedächtnis, und sie werden sich nicht mehr an seine Podiumsplätze oder seine Leistungen bei Toro Rosso erinnern, oder daran, weshalb Red Bull ihn überhaupt geholt hat. Sie werden sich nur daran erinnern, dass er nicht geliefert hat und fallengelassen wurde", so der Mexikaner weiter.

Perez und Kvyat beim Grand Prix von Russland - Foto: Sutton

Situation scheint schwieriger, als sie in Wirklichkeit ist

Ich lebe nach dem Grundsatz, dass du immer mit dem zurechtkommen musst, was dir das Leben gerade bietet.
Sergio Perez

Der 26-jährige vertraute in dieser Situation auf seine eigene Philosophie, die ihm half, mit dem Rückschlag umzugehen: "Von außen betrachtet, scheint es immer eine schwierigere Situation zu sein, als sie es letztendlich ist, wenn es dir selbst passiert. Ich lebe nach dem Grundsatz, dass du immer mit dem zurechtkommen musst, was dir das Leben gerade bietet."

Deshalb sah Perez keinen Anlass, der vergebenen Chance bei McLaren lange nachzutrauern. "Was mir passiert ist, war zwar ziemlich schwierig, aber ich kann mich daran erinnern, dass ich mich nach ein paar Stunden damit abgefunden hatte, dass ich nichts anderes tun konnte, außer mich nach neuen Möglichkeiten umzuschauen", so Perez.

Perez glaubt an Kvyat

Perez selbst kam nach dem Aus bei McLaren im Team von Vijay Mallya unter, wo er nun seit 2014 unter Vertrag steht. Seine Geschichte zeigt, dass ein Fahrer sich nach solch einem Rückschlag durchaus rehabilitieren und eine Zukunft in der Formel 1 haben kann. Deshalb glaubt der Teamkollege von Nico Hülkenberg, dass auch Kvyat diese Chance hat.

Es gibt auch noch andere Teams als Red Bull.
Sergio Perez

"Ich denke, Kvyat ist ein sehr starker Fahrer, auch mental. Und er steigt bei Toro Rosso auch in ein gutes Auto. Wenn er Resultate abliefert, wird er auch seinen Ruf wiederherstellen. Und wenn nicht bei Red Bull, wird er vielleicht woanders einen Platz finden. Es gibt auch noch andere Teams als Red Bull", so Perez abschließend.


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