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Formel 1

Wenn aus Gewinnern Verlierer werden - Top-5 Abgestürzte Weltmeisterteams

From Hero to Zero in nur einer Saison: Motorsport-Magazin.com begibt sich auf die Suche nach Konstrukteursweltmeistern, die nach dem Titelgewinn abgestürzt sind
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Sieg und Niederlage liegen oft ganz nah beisammen, auch im Motorsport. Aus der Geschichte der Formel 1 hat Motorsport-Magazin.com daher exemplarisch fünf Mannschaften herausgesucht, bei denen nach dem Gewinn eines Konstrukteurstitels im Folgejahr nichts mehr zusammen lief:

Ferrari 1979/1980 - Maranellos schlimmster Absturz

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - so lautet das Motto der Mythosmarke seit jeher. Nie hat das aber besser gepasst als 1979 und 1980. 1979 gewann Ferrari überlegen die Konstrukteurs-WM: Jody Scheckter holte sich den Fahrertitel vor Teamkollege Gilles Villeneuve. Das Reglement blieb weitgehend stabil, Ferrari überarbeitete den 312T ein weiteres Mal. Seit 1975 gingen vier Konstrukteurs- und drei Fahrerweltmeisterschaften auf das Konto des Zwölfzylinder-Monsters. Mit der fünften Auflage funktionierte allerdings nichts mehr. Ferrari stürzte auf den zehnten Konstrukteursrang ab.

Der Ferrari 312T5 war eine Fehlkonstruktion - Foto: Sutton

Kein Podium, lediglich acht Punkte. 1980 war ein Übergangsjahr. Es war die letzte Saison mit dem flachen Zwölfzylinder, 1981 kam der Turbo. Während sich Ferrari schon auf den Turbo konzentrieren musste, entwickelte Cosworth noch konsequent am V8. Ferrari machte auch die Michelin-Reifen, die bereits auf die aufkommenden Turbos zugeschnitten waren und am 312T5 nicht funktionierten, für das schwache Jahr verantwortlich.

Brabham 1967/1968 - Veraltet in einem Jahr

Ein Konzept, das sich 1967 noch mit beiden Titelgewinnen ausgezahlt hatte, sollte schon ein Jahr später komplett floppen. Im Grunde genommen war die Technik des Weltmeisterboliden BT24 schon 1967 veraltet. Während alle anderen Topteams auf Aluminium-Monocoques setzten, vertraute Jack Brabham - Teambesitzer und Fahrer zugleich - auf die bewährte Variante mit Gitterrohrrahmen. Im Heck verrichtete ein älteres Triebwerk aus dem Hause Repco seinen Dienst, das mit den gerade aufkommenden Cosworth-Aggregaten nicht mithalten konnte.

Brabham hielt 1968 nicht mehr an der Spitze mit - Foto: Sutton

Der BT24 war zwar nicht das schnellste Auto, aber er war zuverlässig. Weltmeister Danny Hulme stand kein einziges Mal auf der Pole. Jim Clark, der erste Brabham-Verfolger, stand hingegen sechs Mal auf Pole, fiel aber bei elf Rennen fünf Mal aus. Das Jahr darauf verlief genau umgekehrt: die Technik der Konkurrenz war nun ausgereift und schnell. Brabham vertraute erneut auf das bewährte Konzept, war noch immer nicht besonders schnell und wurde gleichzeitig unzuverlässig. Die Folge: Platz acht bei den Konstrukteuren.

Williams 1987/1988 - Turbo-Loch

Zwei Jahre lang dominierte Williams mit dem FW11 die Formel 1. 1987 holte Williams fast doppelt so viele Punkte wie McLaren. 137 zu 76 gewann Grove gegen Woking. Dass McLaren noch Zweiter bei den Konstrukteuren wurde, zeigt, wie überlegen Williams war. Ein Jahr später sah die Welt schon ganz anders aus: 199 Punkte für McLaren, 20 für Williams. Platz eins für Woking, Platz sieben für Grove. Während Williams 1987 noch mit Honda-Turbomotoren von Sieg zu Sieg fuhr, musste der Traditionsrennstall im Jahr darauf mit den schwachen Saugmotoren von Judd Vorlieb nehmen.

Mit dem Motorenwechsel von Honda zu Judd folgte 1988 der sportliche Absturz des Williams-Teams - Foto: Sutton

Dabei hatte Williams noch einen Vertrag mit Honda für 1988. Weil sich Williams jedoch nach den teaminternen Querelen zwischen Nelson Piquet und Nigel Mansell weigerte, den Briten durch Satoru Nakajima zu ersetzen, lösten die Japaner den Vertrag auf. Stattdessen erhielt McLaren die begehrten Honda-Motoren und fuhr damit zu einer bis dahin unerreichten Dominanz. Williams hingegen holte in 16 Rennen nur zwei Podiumsplatzierungen - dafür aber zehn Motorschäden.

Ferrari 2008/2009 - KERS-Debakel

Ferrari ist schon einige Mal im Sturzflug untergetaucht, auch schon schlimmer als 2009. Ein Blick auf den jüngsten Leistungsabfall: Nachdem die Scuderia mit Felipe Massa die Fahrerwertung 2008 knapp verpasste, bei den Konstrukteuren aber McLaren knapp schlagen konnte, sollte sich das Blatt im Jahr darauf wenden. McLaren schlug Ferrari knapp. Allerdings ging es im Traditions-Duell diesmal nur um Platz drei und vier. Brawn GP und Red Bull waren den beiden Traditionsrennställen weit enteilt.

Kimi Räikkönen holte 2009 erst im vierten Rennen die ersten Punkte für das Ferrari-Team - Foto: Sutton

Während sich die großen Werksteams auf die Entwicklung des neuen Hybrid-Systems konzentrierten, verzichteten Brawn und Red Bull komplett darauf. Ferrari vergaloppierte sich wie McLaren, BMW und Renault völlig. Statt sich auf die geänderten Aerodynamik-Regeln und die zurückgekehrten Slick-Reifen einzustellen, entwickelte Ferrari am KERS. Ständig fuhr der Gewichts- und Packaging-Nachteil der Hybrid-Einheit mit. Während die Konkurrenz mit Doppel-Diffusor von Sieg zu Sieg fuhr, holten die KERS-Teams gemeinsam nur drei Siege - einer davon geht auf das Konto von Ferrari.

Brawn/Mercedes 2009/2010 - Absturz mit Ansage

Eigentlich grenzte es schon an ein Wunder, dass Brawn 2009 in der Startaufstellung stand. Nach dem Ausstieg von Honda übernahm Ross Brawn den Rennstall und führte ihn unter neuem Namen in die Saison. Obwohl das Geld knapp war, gewannen Jenson Button und Ruben Barrichello Rennen um Rennen. Dank des genialen Doppel-Diffusors war der BGP 001 trotz mangelnder Ausbaustufen bis zum Saisonende einigermaßen konkurrenzfähig. Geld für die Entwicklung des nächstjährigen Autos fehlte aber.

Michael Schumacher musste sich beim Comeback oftmals im Mittelfeld abmühen - Foto: Sutton

Und so konnte auch die Übernahme durch Mercedes die folgende Saison nicht retten. Der MGP W01 hatte anfangs weder einen F-Kanal, noch einen angeblasenen Diffusor - so hießen die neuesten Technik-Features der Konkurrenz. Zudem wurde Brawns Trumpf, der Doppeldiffusor, 2010 verboten. Selbst Michael Schumacher, der mit Mercedes sein Formel-1-Comeback gab, konnte das Abrutschen auf Rang vier nicht verhindern. Nach fünfzehn Podiumsplatzierungen und acht Siegen in der Saison 2009, blieben 2010 null Siege und nur drei dritte Plätze.

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