Formel 1

Kein Zauberer - kein Richter - Red Bull, Pirelli, Schumacher: Jetzt spricht Todt

Jean Todt äußert sich am Rande des Mexiko Grand Prix zu den brennenden Fragen dieser Tage. Der FIA-Präsident über Red Bull, Pirelli und Michael Schumacher.
von Christian Menath & Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Jean Todt ist ein viel beschäftigter Mann. Doch am Rande des Mexiko Grand Prix nahm sich der FIA-Präsident überraschend viel Zeit, um sich mit den anwesenden Pressevertretern über aktuelle Themen in der Formel 1 sowie allgemein im Motorsport zu unterhalten. Mehr als eine Stunde lang stand Todt Rede und Antwort. Motorsport-Magazin.com war dabei und hat die wichtigsten Aussagen des FIA-Bosses zusammengestellt.

Jean Todt über...

... Michael Schumacher: "Es war eine interessante Woche, nachdem Lewis den Titel ein drittes Mal gewonnen hat. Du hast die Parallelen gesehen. Ich war sehr stolz darauf, was Michael da erreicht hatte. Manchmal tendierst du zu sehr dazu, zu vergessen, was er geschafft hat. Michael ist ein enger Freund, seine Familie steht mit sehr nahe und ich bin ihnen sehr nahe. Ich sehe Michael sehr oft und Michael kämpft immer noch - und wir müssen weiter mit der Familie kämpfen."

... die Motoren-Probleme von Red Bull: "Wir als FIA haben getan, was wir können, und machen das auch weiterhin. Es ist sehr frustrierend zu sehen, dass Teams wie Red Bull und Toro Rosso Probleme haben, einen Motor zu bekommen. Aber ich bin ja kein Richter. Es gibt immer Gründe, warum Dinge passieren."

Red Bull ist weiter auf der Suche nach einem neuen Motor - Foto: Sutton

... die Überschneidung von Le Mans und dem F1-Rennen in Baku 2016: "Der Kalender ist ein ziemlich kniffliger Job. Wir haben 21 Rennen in der Formel 1, 10 Rennen in der Formel E und in der WEC, dazu 14 in der WRC. Es ist einfach unmöglich, einen Kalender ohne irgendwelche Konflikte zu schaffen. Vielleicht können ein, zwei Formel-1-Fahrer deshalb nicht an Le Mans teilnehmen. Aber sorry, das können wir nicht verbessern."

... eine weitere Kandidatur als FIA-Präsident nach Ablauf der zweiten Amtsperiode: "Heute wäre ich gewillt, es erneut zu versuchen. Bevor ich das entscheide, müsste ich mich mit meiner Frau besprechen. Ich würde auch gern mehr Zeit mit ihr und meinen Freunden und Bekannten verbringen. Ich will erreichen, dass wir einen global gesunden Motorsport haben. Nicht nur in der Formel 1."

Jean Todt mit seiner Frau Michelle Yeoh - Foto: Sutton

... die Zukunft von Renault in der Formel 1: "Als FIA-Präsident und Motorsport-Enthusiast war ich besorgt. Und ich war dann froh zu sehen, dass sie den nächsten Schritt machen wollen. Renault ist ein seriöse geführtes und gut organisiertes Unternehmen. Ich wäre überrascht, wenn sie nach der Entscheidung, den nächsten Schritt zu gehen, nicht weitermachen würden. Die Entscheidung liegt bei ihnen. Wir sollten alle sehr zufrieden sein, wenn sie den nächsten Schritt machen."

... die Verlängerung mit Pirelli: "Wir hatten zwei Wettbewerber, die sich beworben haben. Das waren Pirelli und Michelin. Laut meinen Informationen und denen des technischen Personals waren beide in der Lage, den Job zu machen. Pirelli hat gezeigt, dass sie es können. Und wir waren guter Hoffnung, dass Pirelli es auch gelingen würde. Dann liegt es am kommerziellen Rechtehalter zu entscheiden, was der beste kommerzielle Deal ist. So wie ich es verstehe, hat er den besten Deal mit Pirelli bekommen. Es gibt keinen Grund, warum die FIA und das WMSC das nicht ratifizieren sollten."

Pirelli bleibt Reifenlieferant der Formel 1 - Foto: Ferrari

... Änderungen des F1-Wochenendformats: "Das wurde besprochen. Wir haben das diskutiert, aber bis jetzt gab es keinen Antrag, der besser wäre als die jetzige Situation. Wenn es einen Vorschlag gibt, der deutlich zeigt, dass er ein Fortschritt wäre, dann wären wir nicht dagegen."

... einem Formatvergleich zwischen Formel 1 und Formel E: "Wir müssen vorsichtig sein mit der Formel E. Für mich ist es wichtig, dass sie in Städten stattfindet. Wir realisieren oftmals nicht, was für ein Privileg es ist, mitten in den Städten zu fahren. Städte wie Paris kann man nicht lange blockieren. Das erklärt das spezifische Format der Formel E."

... Die eingereichte EU-Beschwerde von Sauber und Force India: "Für mich ist es schwierig vorherzusagen, was die EU-Kommission entscheiden könnte. Ich in meiner Rolle als FIA-Präsident bin da ziemlich entspannt. Was auch immer dabei herauskommen kann, kann nur im Interesse der FIA sein."

... Meetings in der Formel 1: "Mit seinem Humor hat Bernie Recht: Das einzige, worauf man sich da einigt, ist der Zeitpunkt des nächsten Meetings. Das ist schade, weil wir die Dinge ja vorantreiben wollen. Wir haben versucht, neue Ideen und frisches Blut einzubringen. Das haben wir getan. Aber als die Arbeit getan war, hatten wir nichts erreicht."

Übereinkünfte in der Formel 1: Kein einfaches Unterfangen - Foto: Sutton

... Dominanz im Sport mit Bezug auf offenere Regeln in der Formel E: "Man muss denen Anerkennung zollen, die einen besseren Job machen. Manchmal fragen sich die Leute, warum es Dominanz gibt. Aber die gab es schon immer im Motorsport, in jeder Serie. In jeder Sportart gibt es Dominanz, nicht nur im Motorsport. Also müssen die anderen das als Chance betrachten, diese Dominanz zu brechen."

... eine Vereinfachung der Prozesse innerhalb der Formel 1: "Das ist leichter gesagt als getan. In aller Fairness: Es ist eine knifflige Balance zwischen dem kommerziellen Rechtehalter, der FIA und den Teams. Würde man mich fragen, ob ich gern totale Autorität hätte bei Regeln und auf sportlicher sowie technischer Seite: Ja, natürlich. Dann wäre vieles einfacher. Aber so ist es nicht. Also muss ich mit dem arbeiten, was mir zur Verfügung steht und das Beste daraus machen. Aber ich bin kein Zauberer."

In der Formel 1 dominiert Mercedes das Geschehen - Foto: Mercedes-Benz

... die Sicherheit in der Formel 1 und weitere Verbesserungen: "In den vergangenen Dekaden haben wir große Erfolge erzielt. Aber ist das genug? Es ist niemals genug. Wir hatten den schrecklichen Unfall von Jules Bianchi im vergangenen Jahr. Leider bleibt der Motorsport ein gefährlicher Sport. Das gilt nicht nur für die Formel 1. In den FIA-Serien wurde vieles verbessert. Aber in den regionalen Meisterschaften gibt es leider immer noch viele Unfälle. Wie etwa bei dem schrecklichen Unfall bei einer Rallye in Spanien, bei der sieben Menschen getötet wurden.

Wir entwickeln unsere Sicherheitsabteilung massiv weiter. In Sochi hatte Carlos Sainz einen Unfall, konnte aber später im Rennen starten. Das hätte es früher nicht gegeben. Es wird weitere neue Technologien geben. Manche sagen, dass man dann einen Teil der Show verliert. Aber alles hat seinen Preis, wenn man etwas verändert. Bei Regeländerungen wie einer Cockpithaube müssen wir sicherstellen, dass daraus keine schlechten Konsequenzen entstehen."


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