Formel 1

Im Westen nichts Neues - Belgien GP: Die Tops und Flops

Der Belgien GP war ein gelungener Auftakt nach der Sommerpause. Motorsport-Magazin.com beleuchtet die Tops und die Flops.
von Haris Durakovic

Top: Lewis Hamilton deluxe

So fährt ein amtierender Weltmeister, der auch nach zwei Titeln noch den Ehrgeiz zeigt, dass er mindestens noch eine dritte Trophäe in die Vitrine stellen möchte. Am Freitag hielt sich der Brite noch bedeckt - die Trainingsbestzeiten gingen an seinen Teamkollegen. Doch am Samstag und vor allem am Sonntag ließ Hamilton nichts anbrennen. In Q3 setzte er mit 1:47.197 die überlegene Bestzeit, verwies Rosberg mit einem respektablen Vorsprung von einer knappen halben Sekunde auf Rang zwei. Im Rennen selbst hatte der ehemalige McLaren-Pilot mit dem neuen Startprozedere keine Probleme und konnte die Führung verteidigen, die er bis Rennende nicht mehr aus der Hand gab.

Top: Lotus überrascht

Leider fiel Pastor Maldonado mit einem Motorschaden bereits in der zweiten Runde aus. Der Venezolaner ging von Startplatz sieben ins Rennen und gute Punkte wären mit Sicherheit drin gewesen. Die holte dafür sein Teamkollege Romain Grosjean, der in einem tadellosen Rennen das erste Mal seit dem USA Grand Prix 2013 wieder auf dem Podium stand. Der Franzose war völlig aus dem Häuschen: "Das ist heute etwas Besonderes und fühlt sich an wie ein Rennsieg." Mit Spa hatte Grosjean eh noch ein Hühnchen zu rupfen. 2012 wurde der Lotus-Pilot nach dem heftigen Startunfall, den er verursacht hatte, für das nachfolgende Rennen im Monza gesperrt. "Bei jedem Start hier denke ich an mein Missgeschick von 2012. Doch ich bin froh, dass es gut gegangen ist", sagte der sichtlich erleichterte Franzose.

Belgien GP: Verstappen tadellos - Foto: Sutton

Top: Max Verstappen wie ein alter Hase

Einmal mehr stellte Max Verstappen beim Belgien GP unter Beweis, welch Potenzial in ihm schlummert und wie weit er für seine 17 Jahre schon ist. Der Niederländer ist Vollblut-Rennfahrer mit viel Leidenschaft. Mut bewies er unter anderem bei dem waghalsigen, aber spektakulären Überholvorgang, als er sich außen neben Felipe Nasr setzte und Rad an Rad durch Blanchimont fuhr. Das ist Racing, wie wir es sehen wollen. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass sich Verstappen von Startplatz 18 auf den achten Platz vorkämpfte.

Top: Spannung beim Start

Viel wurde im Vorfeld über das neue Startprozedere diskutiert. Was würde sich ändern und vor allem: würden die Starts wieder spannender werden? Und gleich im ersten Rennen ohne Starthilfen gab es eine Menge Verschiebungen: Nico Rosberg kam nicht so gut vom Fleck während Daniel Ricciardo mit einem Mega-Antritt gleich zwei Positionen gut machte. Das Verbot der Starthilfen verspricht ein Gros an Spannung. Wir freuen uns auf jeden Fall schonmal auf einen ähnlichen spektakulären Start in Monza in gut zwei Wochen.

Top: Renault stärker denn je

Damit hat niemand gerechnet: Die Renault-angetriebenen Teams Red Bull und Toro Rosso waren auf dem Hochgeschwindigkeitskurs absolut bei der Musik, was Motorenleistung anbelangt. Mit der Zuverlässigkeit scheint es aber noch zu hapern, denn die Ausfallquote liegt immer noch bei 50%. Dafür legten aber Max Verstappen und Daniil Kvyat eine beeindruckende Pace an den Tag. Nahezu spielerisch zog beispielsweise der Russe auf der Kemmel-Gerade an Kimi Räikkönen vorbei. Beide hatten DRS aktiviert, daher relativiert sich der Vorteil für den Red Bull Piloten. Ähnlich locker zog Kvyat auch an Felipe Massa im Williams, bekanntlich mit Mercedes-Power im Heck, vorbei. Neue oder alte Reifen hin oder her - die Renault-Power-Units haben ihren Teil zu spannenden Überholmanövern beigetragen.

Ferrari: Monza könnte noch schwieriger werden - Foto: Sutton

Flop: Ferrari auf dem absteigenden Ast

Die Enttäuschung war bereits am Samstag groß: Sebastian Vettel hatte im letzten Qualifyingabschnitt einen Rückstand von 1,628 Sekunden auf den Polesetter Lewis Hamilton. Kimi Räikkönen fiel in Q2 wegen eines technischen Problems aus. Vettel war bereits am Samstag entmutigt, sein Teamkollege setzte die Hoffnung auf eine starke Rennpace. Die Ernüchterung dann am Sonntag: Der Deutsche war dank einer Ein-Stopp-Strategie bis zur vorletzten Runde auf Podiumskurs. Doch das Risiko wurde nicht belohnt: in der vorletzten Runde platzte der rechte Hinterreifen und Vettel konnte sich mit Ach und Krach an die Box retten. Räikkönen fuhr ein unauffälliges Rennen. Umso erschreckender seine Aussage: "Das war das Maximum heute." In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die schnellste Rennrunde des Iceman war um 2,101 Sekunden langsamer als der schnellste Umlauf von Hamilton. Und Vettel fehlten fast drei Sekunden. Eine große Enttäuschung für alle Ferraristi.

Unfreiwillig komisch: Bottas Boxenstopp - Foto: Sutton

Flop: Valtteri Bottas' Boxencrew

Bitter für den Finnen: Beim ersten Boxenstopp montierte ihm das Team zwei unterschiedliche Reifenmischungen. Die Folge: Durchfahrtsstrafe für Valtteri Bottas und unfreiwillige Komik. Platz neun für den Finnen war daher nichts anderes als Schadensbegrenzung. Aber auch sonst blieb das Team hinter den Erwartungen zurück. Damit bleibt Williams den Fans eine Wiedergutmachung schuldig: In Monza sollte das Team aus Grove aber wieder besser aufgestellt sein, schließlich ist dort Downforce bei weitem nicht so wichtig wie ein starker Motor im Heck. Und die Boxencrew von Valtteri Bottas sollte vielleicht auf klares statt getöntes Visier bei ihrem Sichtschutz setzen.

Flop: Petrus versagt - kein Regen

Auch wenn die Wettervorhersagen ein überraschend niederschlagsfreies Wochenende ankündigten, glaubte so richtig niemand daran, dass es nicht mal regnen würde. Und wenn auch nur ein kurzer Schauer, wie Max Verstappen für 15 Uhr Ortszeit prognostizierte. Stattdessen blieb es tatsächlich trocken. Schade, denn einsetzender Regen wirbelt ja gerne einmal das Klassement durcheinander und sorgt daher für zusätzliche Spannung. Nächstes Jahr dann wieder, okay, Petrus?


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