Formel 1

Viele Fehler, keine Konsequenzen - Blog - Bringt uns die Kiesbetten zurück!

Der Red Bull Ring sieht auf den ersten Blick einfach aus. Auf den zweiten Blick verlangt er den Piloten einiges ab. Auf den dritten Blick wiederum nicht mehr.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Ach was war das für eine Trainingsfreitag in Spielberg: Wechselhaftes Wetter, eine überraschende Bestzeit, einige technische Probleme beim schnellsten Mann des Tages und natürlich gefühlt einhundert kleine Fahrfehler von allen Piloten. Das Problem daran: Die Fehler wurden nicht bestraft.

Auf den ersten Blick sieht der Red Bull Ring recht einfach aus. 4,318 Kilometer ist die Strecke lediglich lang. Acht Kurven klingen auch nicht besonders spektakulär. Aber viele Fahrer mussten feststellen, dass es doch nicht ganz so einfach ist. Wind bringt etwas Unruhe rein, doch das Problem ist nichts Besonderes.

Sieht bedrohlich aus - ist es aber nur zum Teil - Foto: Sutton

Die Bremszonen gehen teilweise den Berg hinauf, teilweise bergab. Das macht es den Fahrern schon schwieriger. Außerdem fahren die meisten wegen der drei längeren Geraden mit relativ wenig Downforce. Das macht die Autos beim Anbremsen und in den Kurven schwieriger zu beherrschen. Es kommt aber noch ein Faktor hinzu. "Kein Mensch ist dort vorsichtig, weil ja nix passiert", sagt Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner richtigerweise.

Und genau das ist das Problem: Die Fahrer loten die Limits weiter aus, weil im Normalfall nichts passiert. Wären die Auslaufzonen in T1 und T8 nicht asphaltiert, würden deutlich weniger Piloten von der Strecke abkommen, weil einfach vorsichtiger gefahren würde. Vorsichtig ist sicherlich das falsche Wort, weil wir von Rennfahrern sprechen. Aber die Fahrer würden es mit einer anderen Einstellung angehen.

Und dann wäre es spannend: Wer lernt aus Fehlern, wer nicht? Wer geht ans Limit, wer darüber hinaus? Die Spreu würde sich wieder mehr vom Weizen trennen. Wer sich verbremst, muss damit rechnen, im Kiesbett stecken zu bleiben, sich das Auto zu beschädigen oder auch im Reifenstapel einzuschlagen. Eine Trainingssitzung kann draufgehen oder auch ein ganzes Rennen.

Die Auslaufzone gehört teilweise zur Ideallinie - Foto: Sutton

Felipe Massa hat mich gefragt, ob ich sehen will, dass sich Fahrer verletzten. Nein, das will ich nicht. Aber Rennfahren muss immer ein gewisses Restrisiko haben, sonst können wir auch 20 Fahrer in den Simulator setzen und gegeneinander antreten lassen. Es gibt aber einen Unterschied zwischen kalkulierbarem Risiko und fahrlässigen Sicherheitsstandards.

Man darf auf keinen Fall die passive Sicherheit der Autos verschlechtern. Hier sollte immer weiter entwickelt werden, schließlich können auch Straßenfahrzeuge davon profitieren. Aber die aktive Sicherheit - definieren wir sie ganz einfach als Umstände, die zu Unfällen führen können - darf nicht übertrieben werden.

Sicherlich braucht man keine Monster bauen, die unberechenbar sind und mitten auf der Geraden wegen einer Bodenwelle ausbreche und in die Betonmauer einschlagen. Aber wir reden von Motorsport. Am Ende lieben wir den Motorsport doch, weil es immer ein gewisses Restrisiko gibt. Niemand schaut sich ein Rennen an, weil er weiß, dass von Runde 1 bis 71 nichts passiert.

Kiesbetten sterben aus - Foto: Sutton

Um das noch einmal klarzustellen: Es geht nicht darum, in jedem Training fünf Unfälle zu sehen. Es geht darum, dass es ein gewisses Restrisiko geben muss. Von den besten Fahrern der Welt erwarte ich, dass sie selbst das Risiko einschätzen können.

Und die meisten Fahrer sehen das selbst auch so. Die Fahrer wollen schließlich, dass sie ihr Talent wieder besser zeigen können. "Wenn ich einen Schmarrn zusammenfahre und es gibt keine Konsequenz, dann ist der Wert des Fahrens gleich null", formuliert es Christian Danner schön. Die Teams haben natürlich weniger Interesse daran. Auch ein gutes Auto kann im Kiesbett landen, denken sich die Großen. Die Kleinen denken sich, dass ein kaputtes Auto Geld kostet.

Der - natürlich nicht ganz ernst gemeinte - Vorschlag von GP2-Teamchef Franz Hilmer gefällt mir deshalb besonders gut. "Bei uns kann es ruhig so bleiben. Wenn wir gefahren sind, sollen sie für die Formel 1 dann Kiesbetten aufschütten."


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