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Formel 1

Es ist unfair - Mosley warnt vor Zusammenbruch der Formel 1

Max Mosley fordert, alle Teams an einen Tisch zu bringen und eine Budgetobergrenze einzuführen, um wieder faire Verhältnisse zu schaffen.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Max Mosley warnt vor den Konsequenzen der Finanzkrise in der Formel 1 und bringt einmal mehr 'sein' Projekt, die Kostengrenze, ins Spiel. "Wenn es so weitergeht, dann bricht die Formel 1 zusammen", lauteten seine deutlichen Worte. "Man muss alle Teams an einen Tisch bringen und ihnen erklären, dass die Formel 1 ein massives Problem hat, weil einige genug Geld haben, die meisten aber nicht."

Daher forderte Mosley, dass das Preisgeld unter den Teams gleichmäßig verteilt wird und die Teams 'nicht spürbar mehr als das ausgeben dürfen'. Seiner Ansicht nach wirkt sich das finanzielle Ungleichgewicht massiv auf das Kräfteverhältnis aus. "Wenn ein Team fünfmal so viel Geld hat, ist der Effekt der gleiche, als wenn sie einen größeren Motor hätten. Das ist unfair", sagte er laut dpa.

Wenn ein Team fünfmal so viel Geld hat, ist der Effekt der gleiche, als wenn sie einen größeren Motor hätten.
Max Mosley

"Die Situation im Moment ist, dass die reichen Teams mehr Geld von Bernie bekommen und mehr Sponsoren haben. Also sind sie in einer starken Position und die andere Hälfte der Teams kann nicht mithalten, weil sie nicht genug Geld haben. Das ist doch falsch." Entscheidend für einen Wandel sei, dass alle mitwirken. "Verträge können nur geändert werden, wenn alle zustimmen", betonte der ehemalige FIA-Präsident. Wenn man es den Leuten 'glasklar' mache, sei eine Einführung der Budgetgrenze möglich.

Es braucht eine Balance zwischen Geld und Sport.
Max Mosley

Mosley prangerte auch die seit seiner Zeit als Mitbegründer des Teams March schier explodierte Professionalität an. "In unserer ersten Saison hatten wir ein Budget von 113.000 Pfund [etwa 155.000 Euro], auf heute umgerechnet vielleicht ein bis zwei Millionen. Inzwischen brauchst du das Hundertfache", rechnete er vor. "Damals hatte ein Team wie Tyrrell vielleicht 20 Angestellte und hat die WM gewonnen. Jetzt reden wir von 700 bis 1.000. Das steht doch in keinem Verhältnis."

In keinem Verhältnis steht für ihn auch das Machtgefüge in der Formel 1. "Es braucht eine Balance zwischen Geld und Sport. Während meiner Zeit hatten wir sie. Wenn es ein Problem gab, dann konnte ich Ecclestone auch einmal widersprechen", betonte er. "Ich habe keinen Einblick in die genauen Verträge, aber mir erscheint es fast so, als könnte Ecclestone die FIA und die Teams auflösen, wenn er es will."

Fehlende Weisheit

Nach dem Saisonauftakt in Australien hatte bereits Ex-Pilot John Watson auf den Tisch gehauen und gefordert, dass die Formel 1 nicht länger den Kopf in den Sand steckt, sondern sich selbst betrachtet und entscheidet, was sie erreichen will. "Es muss jemand einschreiten, denn der mittlere und hintere Teil des Feldes befindet sich in einem schrecklichen Zustand. Man kann kein Rennen nur mit vier großen Teams haben", warnte er und machte die FIA für die Misere mitverantwortlich.

Für ihn liegt das Problem jedoch weniger in den Kosten als in 'verdammten Prozeduren' wie Testbeschränkungen und limitierte Motorenanzahl. Doch auch er forderte wie Mosley, dass die Teams endlich an einem Strang ziehen. "Einige Teams haben nicht die Weisheit, zu realisieren, dass sie vielleicht etwas aufgeben müssen, um etwas zu retten, das in den letzten 40 Jahren ein fantastischer Sport war", sagte er gegenüber The Guardian.