Formel 1

Es ist verrückt, völlig verrückt! - Watson: F1 steckt den Kopf in den Sand

John Watson ist fassungslos: Die Formel 1 steckt in der Krise und tut nichts. Die Hälfte des Problems sind seiner Ansicht nach bestimmte Verfahrensweisen.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Ex-Formel-1-Pilot John Watson verfolgte den Formel-1-Auftakt in Melbourne mit Entsetzen. Für ihn sind die Probleme in der Königsklasse offensichtlich, weshalb er nicht nachvollziehen kann, warum noch nichts dagegen unternommen wurde. "Die Formel 1 hat ein großes Problem, aber der Sport steckt seinen Kopf in den Sand. Zwei Drittel des Starterfelds haben zu kämpfen und sind kaum in der Lage, es zu einem Rennen zu schaffen", zeigte er gegenüber The Guardian auf.

"Die Formel 1 muss sich selbst jetzt genau betrachten und entscheiden, was sie erreichen will. Das Produkt braucht einen massiven Anschub." Damit geht es Watson, der das Geschehen als Kommentator verfolgt, nicht anders als den Usern von Motorsport-Magazin.com, die in der Mehrheit ein rasches Handeln gegen die Krise forderten.

"Was geht da vor sich?", fragte Watson. "Bernie Ecclestone hat für CVC phänomenale Arbeit geleistet. Aber es muss jemand einschreiten, denn der mittlere und hintere Teil des Feldes befindet sich in einem schrecklichen Zustand. Man kann kein Rennen nur mit vier großen Teams haben. Und ich bin unzufrieden mit der Verwaltung der FIA."

Watson fühlt nicht nur mit den Teams, sondern auch den Veranstaltern in Australien. Zum einen, weil die Tatsache, dass sie möglicherweise eines der besten Rennen des Jahres organisierten, aufgrund der Querelen zwischen Sauber und Giedo van der Garde unterging. "Sauber hat einen Fehler gemacht und es war ein Hinweis darauf, wie verzweifelt ein paar der Teams in der Formel 1 sind", lautete Watsons Urteil. Und zum anderen, weil gerade einmal 15 Autos am Start standen. "Australien beurteilt, was das Rennen für Melbourne und Victoria bringt. Sie lieben ihren Sport. Aber sie werden ihre eigenen Ansichten über dieses Event mitteilen und es war kein guter Grand Prix", betonte Watson.

Verdammte Prozeduren

Für Watson sind Kostenbeschränkungen allein nicht die Lösung aller Probleme in der Formel 1. Vielmehr verursachen sie weitere, glaubt Watson. "Die Regularien erlauben nicht, dass man dieses Jahr einen vollkommen neuen Motor produziert, daher müssen die Teams aus ihren Entwicklungs-Tokens das Beste herausholen. Aber das bedeutet, dass Mercedes, die alles auf den Punkt gebracht haben, jetzt eine vollkommene Dominanz genießen", zeigte er auf.

Das Problem ist, dass die Teams alle politische Spielchen spielen.
John Watson

"Ein weiteres Problem ist die Reduzierung der Testzeit, auch um Kosten zu sparen. Und in dieser Saison haben die Teams nur vier anstelle von fünf Motoren. Daher will keiner Kilometer abspulen wegen der spärlichen Motorerlaubnisse. Aber diese Hybridmotoren sind so kompliziert, dass jeder die Zeit auf der Strecke braucht", verdeutlichte er die Zusammenhänge. "Die Hälfte des Problems sind verdammte Prozeduren. Es ist verrückt, völlig verrückt!"

Als ein weiteres Problem sieht Watson die Eigeninteressen der Teams. Er glaubt, dass sie die meisten daran hindern, über ihren eigenen Schatten zu springen. "Die Formel 1 muss es aus dem Loch, in dem sie sich befindet, herausschaffen. Aber das Problem ist, dass die Teams alle politische Spielchen spielen", stellte er fest. "Einige Teams haben nicht die Weisheit, zu realisieren, dass sie vielleicht etwas aufgeben müssen, um etwas zu retten, das in den letzten 40 Jahren ein fantastischer Sport war. Es gibt zu viel Eigeninteresse."


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