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Formel 1 - Kurzarbeit in der Königsklasse

Aus in Runde 1: Ein kurzes Vergnügen

Ein Ausfall in der ersten Runde eines Rennens ist besonders bitter. Motorsport-Magazin.com verrät, welche Piloten es am häufigsten früh erwischte.
von Philipp Schajer

Motorsport-Magazin.com - "To finish first, you first have to finish." Kaum ein anderer Satz bringt das Wesen des Motorsports so prägnant auf den Punkt, wie diese von Ron Dennis getätigte Aussage. Die im Folgenden vorgestellten Piloten schafften genau dies jedoch nicht, sondern sind jene Fahrer, die am häufigsten noch vor dem Ende der ersten Runde ausschieden.

Jarno Trulli - 14 Ausfälle

Jarno Trulli legte 1998 in Montreal einen Abflug hin und landete auf Jean Alesi - Foto: Sutton

Spitzenreiter dieser wenig schmeichelhaften Wertung ist Jarno Trulli, der Italiener schaffte es unglaubliche 14 Mal, die erste Runde nicht zu beenden. Zum ersten Mal erwischte es Trulli 1998 in Montreal, als er in die Massenkollision nach dem Start verwickelt wurde, die in Alexander Wurz' Überschlag gipfelte. Auch ein Jahr später wurde dem damaligen Prost-Piloten die erste Kurve des Ciruit Gilles Villeneuve zum Verhängnis, diesmal kollidierte Trulli mit Rubens Barrichello.

Dass der Kanada GP nicht zu Trullis Lieblingsrennen zählt, steht spätestens seit dem Jahr 2004 fest, als sein Renault unmittelbar nach dem Erlöschen der Ampeln von Platz drei startend mit einem Getriebeschaden ausrollte. Als legendär in Erinnerung geblieben ist auch Trullis Kollision mit Adrian Sutil in der ersten Runde des Brasilien GP 2009, nach der sich die beiden Piloten ein intensives verbales Duell lieferten und beinahe handgreiflich wurden. Es war Trullis 14. und letzter Ausfall in der Startrunde.

Jahr Grand Prix Startaufstellung Team Ausfallgrund
1998 Kanada 14 Prost Unfall
1999 Kanada 9 Prost Unfall
1999 San Marino 14 Prost Unfall
2000 Italien 6 Jordan Unfall
2000 Österreich 5 Jordan Unfall
2000 Europa 6 Jordan Unfall
2001 Italien 5 Jordan Unfall
2001 Großbritannien 4 Jordan Unfall
2003 Italien 6 Renault Lenkrad
2003 Spanien 4 Renault Unfall
2004 Kanada 3 Renault Getriebe
2006 Australien 9 Toyota Unfall
2009 Brasilien 4 Toyota Unfall
2009 Spanien 7 Toyota Unfall

Rubens Barrichello - 13 Ausfälle

Australien GP 2002: Massencrash am Start: (02:49 Min.)

Ebenfalls ziemlich oft ein Opfer der ersten Runde war Rubens Barrichello. Besonders in Erinnerung geblieben sind dabei zwei heftige Unfälle. 2002 startete Barrichello in Melbourne von der Pole Position, wurde aber noch vor der ersten Kurve von Ralf Schumacher abgeschossen und ins Kiesbett befördert. Während alle Beteiligten mit dem Schrecken davonkamen, endete zwei Jahre zuvor ein Crash mit Barrichello-Beteiligung fatal.

In der ersten Kurve des Italien GP 2000 kollidierten Heinz-Harald Frentzen und Barrichello. Frentzens Jordan wurde nach einer weiteren Berührung mit Jarno Trullis Boliden Richtung Streckenbegrenzung geschleudert. Dabei riss ein Rad ab und traf Streckenposten Paolo Gislimberti mit voller Wucht, der dabei tödliche Kopf- und Brustverletzungen erlitt.

Barrichello war auch an zwei der größten Massenkarambolagen der Formel-1-Geschichte beteiligt. 1994 war der Brasilianer, damals für Jordan startend, einer jener zehn Fahrer, die die erste Runde in Hockenheim nicht überstanden, und auch 1998 in Spa war Barrichello mittendrin in der Startkollision nach La Source.

Jahr Grand Prix Startaufstellung Team Ausfallgrund
1993 Ungarn 16 Jordan Unfall
1993 Italien 19 Jordan Unfall
1994 Deutschland 11 Jordan Unfall
1994 Ungarn 10 Jordan Unfall
1996 Monaco 6 Jordan Unfall
1998 Australien 14 Stewart Getriebe
1998 San Marino 17 Stewart Unfall
1998 Belgien 14 Stewart Unfall
2000 Italien 2 Ferrari Unfall
2002 Australien 1 Ferrari Unfall
2003 Deutschland 3 Ferrari Unfall
2007 USA 15 Honda Unfall
2010 Belgien 7 Williams Unfall

Andrea de Cesaris - 12 Ausfälle

Deutschland GP 1994: Massencrash am Start: (07:44 Min.)

Es mag den einen oder anderen überraschen, dass Andrea de Cesaris, der in seiner langen Karriere 148 Ausfälle zu verzeichnen hatte, was eine unglaubliche Quote von 71% ergibt, in dieser Rangliste nicht ganz oben steht. Allerdings gilt zu beachten, dass der Italiener mehrfach aus technischen Gründen gar nicht erst starten konnte, was die Statistik ein wenig relativiert.

Zum zwölften und letzten Mal schied de Crasheris, wie sein Spitzname lautete, beim Deutschland GP 1994 in der ersten Runde aus. Der Italiener kollidierte in Hockenheim unmittelbar nach dem Start am Ende des Feldes mit seinem Landsmann Alex Zanardi, was zur Folge hatte, dass mit Michele Alboreto und Pierluigi Martini noch zwei weitere Italiener vor der ersten Kurve aus dem Rennen gerissen wurden. Weil es auch noch an anderen Stellen im Feld krachte, schieden insgesamt zehn Piloten in der ersten Runde aus.

Jahr Grand Prix Startaufstellung Team Ausfallgrund
1981 USA West 22 McLaren Unfall
1981 Monaco 11 McLaren Unfall
1982 Österreich 11 Alfa Romeo Unfall
1984 Monaco 7 Ligier Aufhängung
1985 Deutschland 14 Ligier Unfall
1988 San Marino 16 Rial Aufhängung
1989 Ungarn 18 Dallara Kupplung
1990 Brasilien 9 Dallara Unfall
1990 Portugal 18 Dallara Motor
1993 Südafrika 23 Tyrrell Getriebe
1993 Japan 18 Tyrrell Unfall
1994 Deutschland 18 Sauber Unfall

Patrick Tambay - 10 Ausfälle

Patrick Tambay stieß 1979 in Long Beach mit Niki Lauda zusammen - Foto: Sutton

Neun der zehn Ausfälle, die Patrick Tambay in der ersten Runde erlitt, waren Unfälle. So kollidierte der Franzose etwa beim Großen Preis der USA 1979 in Long Beach mit Niki Lauda, was für beide das sofortige Aus bedeutete. Besonders schlecht lief es für Tambay 1986, als er zwei Mal in Folge keine volle Runde fuhr. Zunächst schied er in Belgien nach einem Zusammenstoß mit Teo Fabi aus, und drei Wochen später konnte er in Montreal wegen eines heftigen Unfalls im Warm-Up gar nicht erst an den Start gehen.

Jahr Grand Prix Startaufstellung Team Ausfallgrund
1979 Argentinien 9 McLaren Unfall
1979 USA West 19 McLaren Unfall
1981 Niederlande 11 Ligier Unfall
1983 USA Ost 3 Ferrari Getriebe
1984 San Marino 14 Renault Unfall
1984 Monaco 6 Renault Unfall
1985 Monaco 17 Renault Unfall
1985 Großbritannien 13 Renault Unfall
1986 Belgien 10 Lola Unfall
1986 Mexiko 8 Lola Unfall

Jean-Pierre Jarier - 9 Ausfälle

Jean-Pierre Jarier war kein Rennsieg vergönnt - Foto: Sutton

Während Tambay mit Vorliebe crashte, war sein Landsmann Jean-Pierre Jarier in erster Linie ein Opfer der Technik. Obwohl der Franzose während seiner Laufbahn für die unterschiedlichsten Teams fuhr, hatte er zumeist einen Ford-Motor im Heck, der nicht selten schon früh im Rennen den Geist aufgab. 1983 schied Jarier gleich zwei Mal in der ersten Runde mit einem Getriebedefekt aus - sowohl beim Europa GP als auch beim Kanada GP. Der Technikteufel war auch daran schuld, dass der Franzose Zeit seiner Karriere ohne Grand-Prix-Sieg blieb, obwohl er mehrfach auf Pole Position stand und das Feld anführte.

Jahr Grand Prix Startaufstellung Team Ausfallgrund
1974 Argentinien 16 Shadow Unfall
1975 Monaco 3 Shadow Unfall
1980 Monaco 9 Tyrrell Unfall
1981 Las Vegas 21 Osella Getriebe
1982 Südafrika 26 Osella Unfall
1982 Kanada 18 Osella Zurückgezogen
1982 Frankreich 17 Osella Getriebe
1983 Kanada 16 Ligier Getriebe
1983 Europa 22 Ligier Kupplung

Giancarlo Fisichella - 9 Ausfälle

Auch Giancarlo Fisichella erwischte es 2002 in Australien - Foto: Sutton

Fiel Giancarlo Fisichella in der ersten Runde aus, dann in der Regel aufgrund von Unfällen und Kollisionen. So auch 2002 in Australien, als es neben dem bereits erwähnten Startcrash zwischen Rubens Barrichello und Ralf Schumacher auch Fisichella in der ersten Kurve erwischte. Insgesamt schieden acht Autos, mehr als ein Drittel des Starterfeldes, bereits nach wenigen hundert Metern aus. Seinen ersten Ausfall in der absoluten Anfangsphase musste Fisichella, der damals als Rookie für Minardi fuhr, beim Monaco GP 1996 hinnehmen. Das Rennen ging mit den wenigsten Zielankünften in die Geschichte der Formel 1 ein. Lediglich drei Piloten wurden abgewinkt.

Jahr Grand Prix Startaufstellung Team Ausfallgrund
1996 Monaco 18 Minardi Unfall
1997 Luxemburg 4 Jordan Unfall
2000 Österreich 8 Benetton Unfall
2000 Deutschland 3 Benetton Unfall
2001 Kanada 18 Benetton Unfall
2002 Australien 8 Jordan Unfall
2003 Malaysia 14 Jordan Kupplung
2008 Australien 16 Force India Unfall
2008 Türkei 20 Force India Unfall

David Coulthard - 9 Ausfälle

David Coulthards letzter Grand Prix endete mit einem Unfall in der ersten Runde - Foto: Sutton

Immer, wenn David Coulthard in der ersten Runde ausschied, kam es zum Kontakt mit zumindest einem seiner Mitstreiter. Den dramatischsten Zwischenfall erlebte der Schotte beim Italien GP 2000 in Monza. In der Variante della Roggia kam es zu einem Massencrash mit vier anderen Piloten, zu denen auch Jarno Trulli zählte. Zwar blieben alle Fahrer unverletzt, doch ein Rad, das sich gelöst hatte, traf den am Streckenrand stehenden Feuerwehrmann Paolo Gislimberti. Der Italiener erlag den schweren Verletzungen und war das erste Todesopfer in der Formel 1 seit Ayrton Senna 1994.

Gleich drei Mal kam für Coulthard im Jahr 2008 das frühe Aus. Unter anderem bei seinem Heimrennen in Silverstone, wo der damalige Red-Bull-Pilot ausgerechnet mit Sebastian Vettel im Toro Rosso zusammenstieß. Vor dem Rennen hatte Coulthard bekanntgeben, seine Karriere mit Saisonende zu beenden. Seinen allerletzten Grand Prix bestritt der Schotte in Brasilien, wegen einer Kollision mit Nelson Piquet Jr. in Runde eins handelte sich dabei allerdings nur um ein äußerst kurzes Vergnügen.

Jahr Grand Prix Startaufstellung Team Ausfallgrund
1996 Spain 14 McLaren Unfall
1997 Argentina 10 McLaren Unfall
2000 Italy 5 McLaren Unfall
2005 Hungary 13 Red Bull Unfall
2005 Brazil 14 Red Bull Unfall
2007 USA 11 Red Bull Unfall
2008 Britain 11 Red Bull Unfall
2008 Japan 11 Red Bull Unfall
2008 Brazil 14 Red Bull Unfall

Kimi Räikkönen - 9 Ausfälle

Kimi Räikkönens letzter Erstrunden-Crash stammt vom Österreich GP 2015 - Foto: Sutton

Seit dem Großen Preis von Österreich 2015 hält Kimi Räikkönen ebenfalls bei neun Erstrunden-Outs. Als besonders spektakulär in Erinnerung geblieben ist unter anderem der Spanien GP 2003, als der Finne nach dem Erlöschen der Ampeln auf Jaguar-Pilot Antonio Pizzonia auffuhr, der wegen eines technischen Problems in der Startaufstellung stehengeblieben war.

Noch turbulenter ging es 2006 in Indianapolis zu. Räikkönen wurde von seinem McLaren-Teamkollegen Juan Pablo Montoya in einen Dreher gezwungen, und in weiterer Folge räumte der Kolumbianer auch Jenson Button ab, der wiederum Nick Heidfeld traf, was zu einem Überschlag des Deutschen im BMW-Sauber führte.

Jahr Grand Prix Startaufstellung Team Ausfallgrund
2001 Malaysia 14 Sauber Getriebe
2001 Belgien 12 Sauber Getriebe
2003 Spanien 20 McLaren Unfall
2003 Deutschland 5 McLaren Unfall
2006 Malaysia 6 McLaren Unfall
2006 USA 9 McLaren Unfall
2013 Abu Dhabi 22 Lotus Unfall
2014 Großbritannien 18 Ferrari Unfall
2015 Österreich 14 Ferrari Unfall

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