Formel 1

Vater-Sohn-Gespanne in der Formel 1: Die Rosbergs machen es wie die Hills

Nach Graham und Damon Hill sind Keke und Nico Rosberg das zweite Vater-Sohn-Duo, das jeweils die WM holte. Doch es gibt auch erfolglosere Gespanne dieser Art.

Motorsport-Magazin.com - 13. Oktober 1996: Damon Hill wird beim Japan GP der Formel 1 im Williams Weltmeister. Damit ist er der erste Sohn eines Champions der Königsklasse, der selbst ebenfalls den Titel holt. Sein 1975 verstorbener Vater Graham hatte 1962 und 1968 die WM für sich entschieden. Bis Ende November 2016 konnten die Hills diesen Status exklusiv für sich beanspruchen. Dann kam Nico Rosberg und tat es seinem Vater Keke gleich, der 1982 triumphierte. Doch natürlich gab und gibt es noch viele weitere Paare dieser Art in der Formel 1. Zwar war keines davon so erfolgreich wie die Hills und die Rosbergs, doch in Erinnerung geblieben sind einige dennoch. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf ein Crash-Kid, eine für Aufsehen sorgende Eintagsfliege, einen 19 Jahre alten Vater und vieles mehr.

Keke und Nico Rosberg:

Keijo Erik alias Keke Rosberg startete von 1978 bis 1986 in der Formel 1 und wurde 1982 mit nur einem Sieg Weltmeister - das gelang zuvor nur Mike Hawthorn im Jahr 1958. Insgesamt feierte er im Laufe seiner Formel-1-Karriere fünf Siege. Nach einer Auszeit ging er ab 1992 in der DTM an den Start, zunächst für Mercedes, dann für Opel und schließlich für sein eigenes Team Rosberg. Zudem war der Senior als Manager tätig und betreute seine Landsleute JJ Lehto und Mika Häkkinen.

Sein Sohn Nico saß mit sechs Jahren erstmals im Kart, über die deutsche Formel BMW - die er 2002 gewann - und die Formel 3 EuroSerie arbeitete er sich in die GP2 vor. Der Meistertitel 2005 brachte ihm den Aufstieg in die Königsklasse, wo er zunächst für Williams an den Start ging. Nach vier Jahren wechselte er zu Mercedes, wo er bis 2012 an der Seite des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher fuhr. 2013 erhielt Nico mit seinem Kumpel aus Kartzeiten, Lewis Hamilton, einen neuen Teamkollegen.

Rosberg junior sorgte mit seinem Sieg in Monaco 2013 - 30 Jahre, nachdem seinem Vater dieses Kunststück gelang - für einen ganz besonderen Eintrag in die Geschichtsbücher. Mittlerweile hat er in puncto Siegen in der ewigen Bestenliste seinen Vater klar überholt. Mit dem Titel 2016 ist er endgültig aus seinem Schatten herausgetreten. Im Anschluss folgte der Rücktritt.

Graham und Damon Hill:

Graham und Damon Hill im Jahr 1962 - Foto: Sutton

Graham Hill startete zwischen 1958 und 1975 bei 176 Formel-1-Grands Prix und wurde zwei Mal Weltmeister. Im Laufe seiner Formel-1-Karriere fuhr er für Lotus, BRM, Rob Walker Racing, Brabham sowie sein eigenes Team Embassy Hill. Graham erhielt die sogenannte 'Triple Crown', einen fiktiven Titel für alle Fahrer, die sowohl den Großen Preis von Monaco, die 24 Stunden von Le Mans als auch die Indy 500 gewonnen haben. Er starb 1975 beim Absturz eines Flugzeugs, das er selbst gesteuert hatte.

Sein Sohn Damon begann seine Karriere auf zwei Rädern, ehe er im Formelsport erfolgreich war. Von 1992 bis 1999 fuhr der Junior in der Formel 1 und stand vor allem durch seine erbitterten Duelle mit Michael Schumacher im Fokus der Öffentlichkeit. 1996 wurde er mit dem Helm-Design seines Vaters Weltmeister.

Jos und Max Verstappen:

Jos Verstappen ist der Vater von Shooting-Star Max - Foto: Sutton

Jos Verstappen ist mit 106 Starts der Niederländer mit den meisten Formel-1-Einsätzen. Zudem war er - bis zum Spanien Grand Prix 2016 - mit zwei Podestplätzen der erfolgreichste. Nachdem er in der deutschen Formel 3 Meister geworden und außerdem das Formel 3 Masters gewonnen hatte, stieg Jos direkt in die Formel 1 auf, wo er auf Anhieb zwei dritte Plätze einfuhr. Der Rest der Saison war allerdings von Drehern und Kollisionen geprägt. Außerdem ist er wegen des spektakulären Feuerunfalls 1994 in Hockenheim, den er leicht verletzt überstand, in Erinnerung geblieben. Bis 2003 fuhr Jos in der Formel 1, ehe er sich dem Langstreckensport zuwandte. 2008 wurde er in der LMP2-Klasse der Le Mans Series Weltmeister.

Sohn Max stieg nach einer erfolgreichen Karriere im Kartsport zur Saison 2014 in den Formelsport auf. Die Formel 3 Europameisterschaft beendete er auf Gesamtrang drei. Red Bull nahm den jungen Niederländer in seine Nachwuchsförderung auf und verpflichtete ihn sogleich für die Saison 2015 als Stammfahrer in der Formel 1 bei Toro Rosso. Beim Japan GP 2014 saß Verstappen erstmals im Rahmen eines Formel-1-Wochenendes im Auto.

Beim Australien Grand Prix 2015 gab Max schließlich mit 17 Jahren, fünf Monaten und 13 Tagen sein Formel-1-Debüt. Bereits bei seinem zweiten Rennen fuhr er in die Punkte. Doch das sollten nicht die einzigen Rekorde bleiben. Als Verstappen den Spanien Grand Prix 2016 gewann, trug er sich als mit Abstand jüngster Sieger in die Geschichtsbücher ein. Zudem ist er der erste niederländische Formel-1-Sieger - ein Erfolg, der seinem Vater nicht gelang.

Jonathan und Jolyon Palmer:

Jonathan Palmer 1989 im Tyrrell - Foto: Sutton

Palmer senior bestritt in seiner Karriere 82 Formel-1-Grands Prix, ging dabei unter anderem für Williams und Tyrrell an den Start und war als Testfahrer für McLaren tätig. Anschließend arbeitete er als Fernsehkommentator bei der BBC, wo er James Hunt nach dessen Tod ersetzte. 1998 gründete er eine eigene Rennserie, die Formula Palmer Audi, in der unter anderem Gary Paffett und Andy Priaulx an den Start gingen. Palmer ist außerdem Mitinhaber mehrerer Rennstrecken in Großbritannien.

Seine Söhne Jolyon und William hat es ebenfalls in den Motorsport verschlagen. Jolyon gewann 2014 den Titel in der GP2 und absolvierte anschließend für Force India seinen ersten Test in einem Formel-1-Boliden. 2015 war er offizieller Testfahrer von Lotus in der Königsklasse. Nachdem das Team Ende 2015 von Renault übernommen wurde, erhielt Palmer eines der Stammcockpits.

Gilles und Jacques Villeneuve:

Gilles Villeneuve als Ferrari-Pilot im Jahr 1979 - Foto: Sutton

Vater Gilles Villeneuve bestritt 1977 nur ein Rennen für McLaren in der Formel 1, ehe er zu Ferrari wechselte und dort bis 1982 fuhr. 1979 wurde er Vize-Champion hinter Jody Scheckter. Im Alter von 32 Jahren kam Gilles bei einem Trainingsunfall im belgischen Zolder ums Leben. Sein Sohn Jacques wurde 1995 IndyCar-Champion, ehe er 1996 in die Formel 1 wechselte, in der er zehn Jahre lang fuhr und bereits im zweiten Jahr Weltmeister wurde. Er galt als bunter Hund im Fahrerlager, fiel mit verschiedenen Haarfarben und verrückten Frisuren auf und trug stets einen schlabbrigen Overall. Zudem ist der Kanadier dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Von allen hier aufgelisteten Vater-Sohn-Duos waren die Villeneuves wohl am nächsten dran, ebenfalls in beiden Generationen den Titel zu gewinnen.

Alain und Nicolas Prost:

Nicolas und Alain Prost bei ihrer Zusammenarbeit in der Formel E - Foto: Renault

Alain Prost fuhr von 1980 bis 1993 in der Formel 1 und kam auf 199 Starts. Der Weltmeister von 1985, 1986, 1989 und 1993 sorgte auch durch seine Rivalität mit Ayrton Senna für Schlagzeilen. Nach seiner aktiven Karriere fungierte Prost als Chef seines eigenen Rennstalls, bis das ehemalige Ligier-Team 2001 Insolvenz anmelden musste.

Seinen ältesten Sohn Nicolas zog es nach Starts in Formelklassen mehr und mehr auf die Langstrecke. Neunmal ging er bereits bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start. Er fuhr zuletzt in der FIA WEC, der Langstreckenweltmeisterschaft. Zudem war Nicolas Prost Entwicklungsfahrer für Lotus in der Formel 1. In der Formel E haben Vater und Sohn Prost sogar ein gemeinsames Projekt - der Vater ist Teamchef, der Sohn Fahrer.

Wilson und Christian Fittipaldi:

Christian, Wilson und Emerson (rechts) Fittipaldi auf einem Bild - Foto: Sutton

Wilson Fittipaldi startete 1972 und 1973 für Brabham in der Formel 1. 1975 fuhr er dann für das gemeinsam mit seinem Bruder, dem zweimaligen Weltmeister Emerson, gegründete Copersucar/Fittipaldi-Team. Anschließend übernahm Wilson die Leitung des Rennstalls bis 1982. Sein Sohn Christian fuhr von 1992 bis 1994 ebenfalls drei Jahre lang in der Formel 1. Dabei errang er insgesamt 12 Punkte - vier Mal so viele wie sein Vater. Anschließend ging der Junior in der Champ-Car-Serie sowie der V8 Brasil an den Start. Drei Mal nahm er zudem an den legendären 24 Stunden von Le Mans teil.

Mario und Michael Andretti:

Michael und Mario Andretti bei Testfahrten in Jerez - Foto: Sutton

Mario Andretti stand gleich bei seinem ersten Rennen, dem Grand Prix der USA, auf der Pole Position, schied im Rennen jedoch wegen eines Kupplungsschadens aus. 1978 wurde er mit Lotus Weltmeister, sechs Jahre später krönte er sich zum vierten Mal zum Champion der USAC-/Cart-Meisterschaft. 1969 feierte er den Sieg bei den Indy 500. Bis zum Jahr 2000 nahm Andretti an den 24 Stunden von Le Mans teil, drei Mal startete er mit seinem Sohn Michael. Das beste Ergebnis feierte das Vater-Sohn-Gespann 1983 mit Platz drei für Porsche Kremer Racing.

Nachdem er 1991 wie auch sein Vater Champ-Car-Meister wurde, gelang Michael der Sprung in die Königsklasse. Zunächst als Testfahrer bei McLaren engagiert, fuhr er 1993 13 Rennen für das Traditionsteam - neben keinem Geringeren als Ayrton Senna. Nach dem Abstecher in die Formel 1 startete Michael wieder in der Champ-Car-Serie. 2003 erklärte er seine Karriere für beendet, ließ es sich jedoch nicht nehmen, 2006 und 2007 noch einmal bei den Indy 500 zu starten. Dabei wurde er 2006 Dritter hinter seinem Sohn Marco.

Satoru und Kazuki Nakajima:

Zwei Söhne von Satoru Nakajima sind im Motorsport aktiv - Foto: Sutton

Satoru Nakajima fuhr in der Formel 1 an der Seite bekannter Namen wie Ayrton Senna, Nelson Piquet und Jean Alesi. Bei seinen 74 Starts zwischen 1987 und 1991 sammelte er insgesamt 16 Punkte. Sohn Kazuki kam an diesen Wert nicht ganz heran, begann seine erste volle Saison 2008 jedoch gleich mit einer Punktefahrt.

Nach seiner kurzen Formel-1-Karriere wurde Kazuki 2012 Meister der Formel Nippon und startete zudem im Super GT Cup, der FIA WEC und beim Klassiker in Le Mans. 2013 gewann er vor heimischem Publikum das WEC-Rennen in Fuji. Seit 2014 nahm er für Toyota an der WEC teil und sicherte sich einen zweiten Titel in der Formel Nippon.

Nelson und Nelson Angelo Piquet:

Nelson Piquet Junior hat in der Formel 1 einen zweifelhaften Ruf - Foto: Sutton

Nelson Piquet, der von 1978 bis 1991 in der Formel 1 an den Start ging, wurde drei Mal Weltmeister. Ihm eilte der Ruf voraus, nicht nur verbal, sondern auch mal mit den Fäusten auszuteilen. Auch sein Sohn Nelson Angelo genießt in der Königsklasse keinen allzu guten Ruf, ist er doch vielen Fans vor allem durch den absichtlich herbeigeführten Crash von Singapur in Erinnerung geblieben. Der Unfall verhalf 2008 Teamkollege Fernando Alonso durch eine Safety-Car-Phase zum Sieg. Nelson Piquet junior fuhr nach seiner Formel-1-Zeit NASCAR, 2013 wechselte von den Trucks in die Nationwide Serie. 2014 versuchte er sich in der Blancpain Sprint-Serie und den brasilianischen Stock Cars. Mit dem Titel in der Premierensaison der Formel E gelang ihm ein Achtungserfolg.

Manfred und Markus Winkelhock:

Manfred Winkelhock im Jahr 1985 - Foto: Sutton

1980 sollte es für Manfred Winkelhock mit dem ersten Formel-1-Rennen noch nicht klappen - er scheiterte an der Qualifikation zum Italien Grand Prix - , doch von 1982 bis 1984 ging er für ATS an den Start. Nach Differenzen mit Teamchef Günter Schmid absolvierte der Pilot 1984 zudem ein Rennen für Brabham. Des Weiteren startete er für Brun Motorsport in der DTM. 1985 trat er parallel zu seinem Formel-1-Engagement mit RAM in der Sportwagen-Weltmeisterschaft an. Dort verunglückte er bei einem Rennen in Toronto schwer und erlag seinen Verletzungen.

Sein Sohn Markus war sowohl in der DTM als auch in der Formel 1 aktiv. Jedoch kam der Junior nach seinem Testfahrer-Engagement nur zu einem einzigen Renneinsatz in der Königsklasse für Spyker. Dort sorgte er jedoch für Aufsehen, da Winkelhock bei einsetzendem Regen zwischenzeitlich die Führung übernahm. Als einziger Pilot im Feld hatte er zvor auf Regenreifen gesetzt. 2012 wurde Winkelhock Meister der FIA GT1-Serie und feierte bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring den Sieg.

Jan und Kevin Magnussen:

Bei Renault saßen 2016 zwei Söhne ehemaliger Formel-1-Piloten in den Cockpits - Foto: Sutton

Als Kevin Magnussen drei Jahre alt war, absolvierte Papa Jan 1995 sein Formel-1-Debüt in einem McLaren. 1997 und 1998 bestritt Magnussen Senior dann zwei Saisons für Stewart Ford. Zwischenzeitlich versuchte sich der Däne erfolgreich in der DTM - 1995 gewann er in Estoril, 1996 in Hockenheim. Nach seiner Zeit in der Formel 1 und DTM konzentrierte sich Magnussen auf die Langstrecke und wurde 2008 ALMS-Champion. Der Senior war noch 2015 auf der Langstrecke aktiv.

Der nur 19 Jahre jüngere Sohn Kevin arbeitete sich über das ADAC Formel Masters, die Formel Renault 2.0 und verschiedene Formel-3-Klassen in die Formel Renault 3.5 vor. Dort wurde er in seiner zweiten Saison mit 60 Punkten Vorsprung auf seinen ärgsten Verfolger Meister. Magnussen junior ist Teil des Nachwuchsprogramms von McLaren und wurde zur Saison 2014 ins Formel-1-Cockpit befördert. Er ersetzte Sergio Perez und fuhr an der Seite von Jenson Button.

Bereits bei seinem Formel-1-Debüt fuhr er aufs Podium, beendete die Saison als Gesamtelfter, musste aber schließlich für Fernando Alonso weichen. Nach einem Jahr auf der Ersatzbank erfolgte die Trennung von McLaren. 2016 ging Magnussen als Stammfahrer für Renault an den Start, 2017 wird er im Haas sitzen.


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