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Formel 1

Lachender Kimi liegt unterm Auto - Lachen & Reden: Räikkönen blüht auf

Maurizio Arrivabene erklärt, was sich bei Ferrari verändert hat und warum besonders Kimi Räikkönen kaum wiederzuerkennen ist.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Nach dem bisherigen Verlauf der Testfahrten ist bei Ferrari ein Stück Aufbruchsstimmung eingekehrt. Teamchef Maurizio Arrivabene erklärte nun, welche Veränderungen seit seinem Amtsantritt vollzogen worden sind. "Es war alles Schritt für Schritt. Die Veränderungen, die wir durchgeführt haben, machten sehr viel Sinn. Sie ermöglichten den Leuten, sich auszudrücken, ihre Fähigkeiten einzubringen, befreiter zu agieren und ihre Leidenschaft für das Team zu leben. Das war die Hauptveränderung", sagt Arrivabene.

Neben den Änderungen im Arbeitsablauf stand für den Italiener aber auch etwas ganz anderes im Vordergrund: das Teamwork. "Die zweite Änderung, die wir vollzogen haben, war nicht wirklich eine Änderung. Aber für mich war es sehr wichtig: das Team zusammen halten. Ohne gemeinsame Aktivitäten, ohne Partys wissen die Leute nicht, wer links, rechts, oben und unten von einem steht. Jetzt schauen die Leute in alle Richtungen", beschreibt Arrivabene das neue Wir-Gefühl in Maranello. Die Folge: "Wenn man jetzt in die Box geht, sieht man, dass die Atmosphäre eine andere ist."

Räikkönen hat sein Lachen wiedergefunden

Besonders bei einem seiner Fahrer hat Arrivabene diesen Stimmungsumschwung festgestellt. "Ich habe Kimi [Räikkönen] lachen sehen! Das ist doch schon mal ein großer Schritt", lachte der Teamchef. "Er hat geredet. Da dachte ich mir: 'Das ist doch nicht Kimi!' Ich bin zu ihm gegangen und fragte ihn: 'Bist du ok?' Und er antwortete: 'Ja, ja, ja! ich bin ok!'"

Arrivabene berichtet von einer Situation, die symptomatisch für das neue Gesicht bei Ferrari stehen soll. "Ich sah Kimi einmal unter dem Auto liegen und an irgendetwas herum schrauben. Da fragte ich ihn: 'Was machst du da?' Er antwortete mir: 'Ich war mal Mechaniker'. Da sagte ich darauf: 'Ok, aber rühr dieses Auto nicht an und mach den Job, der für dich vorgesehen ist!' Die Jungs waren völlig überrascht, dass er geredet und geredet hat. Aber genau das ist diese neue Atmosphäre im Team."

Kimi Räikkönen blüht momentan regelrecht auf - Foto: Sutton

Nach dem schwierigen letzten Jahr wirkte Räikkönen oft desinteressiert und abwesend. Arrivabene zweifelt aber mit keiner Silbe an den Fähigkeiten des 'Iceman'. "Ich denke, wir sollten nie vergessen, dass Kimi nach Schumacher Weltmeister im Ferrari geworden ist", erinnert der Italiener an die Saison 2007. Damals holte sich Räikkönen den Titel im letzten Rennen gegen die Konkurrenten Fernando Alonso und Lewis Hamilton. "Letztes Jahr gab es ein Problem mit dem Auto, weil es nicht zu seinem Fahrstil passte und es sich auch nicht anpassen ließ. Es ist nicht so, dass Kimi ein gelangweilter Schatten seiner selbst wäre", erklärt Arrivabene den Gemütszustand des Finnen.

Beide Fahrer standen unter enormem Druck

Die Saison 2014 stand auch unter den Vorzeichen eines übermächtigen Fernando Alonso im Team. Der Spanier präsentierte sich nicht immer als der beste Teamplayer. Für Räikkönen machte es die Situation nicht einfacher. Arrivabene möchte jedoch kein schlechtes Wort über den Spanier verlieren. "Ich kenne Fernando sehr gut und es wäre nicht in Ordnung, mit dem Finger auf ihn zu zeigen. Die Gesamtsituation hat beide unter Druck gesetzt. Und wenn Leute unter Druck stehen, versuchen sie, ihre - ihr wisst schon - zu verteidigen."

Die Gesamtsituation war schlicht ein großes Durcheinander.
Maurizio Arrivabene

"Es ist nicht meine Absicht, Fernando anzuklagen. Ich kenne ihn schon sehr lange und wir hatten eine gute Zeit zusammen. Kimis Problem war einzig, dass sich das Auto nicht richtig angefühlt hat. Es war nicht das richtige Auto für ihn, übrigens auch nicht für Fernando", erläutert Arrivabene die Problematik des letzten Jahres. "Kimi hat etwas mehr gelitten als Fernando, aber jetzt fühlt er das Auto besser. Er sagt, dass Auto sei eine klare Verbesserung. Er ist sehr motiviert und kommt sehr, sehr gut zurecht. Die Gesamtsituation war schlicht ein großes Durcheinander", resümiert der neue Ferrari-Teamchef.


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