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Formel 1 / Interview

Hinter der Geschichte steckt mehr - Christian Danner spricht Klartext

Christian Danner spricht bei Motorsport-Magazin.com Klartext. Der ehemalige Formel-1-Pilot hält das Urteil des FIA-Tribunals für eine weise Entscheidung.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Nach der Anhörung am Donnerstag, war mehr oder weniger klar, dass Mercedes bestraft wird, oder?
Christian Danner: Ich würde sogar sagen, dass es von Anfang an klar war, dass Mercedes schuldig ist. Das war auch das Urteil: Mercedes ist schuldig des Vergehens, illegal getestet zu haben. Das haben wir eigentlich alle vermutet, weil die Sachlage relativ klar war. Die entscheidende Frage war also nicht, ob Mercedes schuldig ist oder nicht, die entscheidende Frage war: Welches Strafmaß ist angemessen? Wie fällt man ein möglichst salomonisches Urteil, bei dem alle Beteiligten, ohne ihr Gesicht zu verlieren aus der Sache herausgehen und dennoch eine klare Strafe ausgesprochen wird.

Die Abhängigkeiten, die zwischen den Beteiligten bestanden, führten letztendlich zu einem vernünftigen Ergebnis.
Christian Danner

Mercedes wurde verwarnt und darf zusätzlich nicht an den Young Driver Tests in Silverstone teilnehmen. Viele halten dieses Strafmaß für zu milde. Wie lautet Ihre Einschätzung?
Christian Danner: Es ist auf den ersten Blick ein ziemlich mildes Urteil. Letztendlich ist es ja eigentlich keine Strafe... Ob Sam Bird im Nieselregen in Silverstone ein paar Runden dreht, das ist nicht essentiell. Aber: Ich habe ja von einem salomonischen Urteil gesprochen. Man hat letztendlich schon das richtige Strafmaß gefunden. Es hätte niemandem geholfen, Mercedes von der Weltmeisterschaft auszuschließen und es hätte auch keinem der Teams etwas gebracht, wenn Mercedes im nächsten Jahr keine Motoren mehr geliefert hätte. Die Abhängigkeiten, die zwischen den Beteiligten bestanden, führten letztendlich zu einem vernünftigen Ergebnis. Die Strafe ist so überschaubar, dass man Mercedes zwar einen Schuss vor den Bug verpasst und gesagt hat 'Das macht ihr sicherlich nicht noch einmal', ohne dabei zu viel Porzellan zu zerstören. Deshalb ist mein Resümee: Strafmaß in Ordnung.

Bei Motorsport-Magazin.com spricht Christian Danner Klartext - Foto: adrivo Sportpresse GmbH

Vor dem Prozess wurden schon die ersten möglichen Bauernopfer genannt. Ross Brawn und Charlie Whiting waren hoch im Kurs, wenn es darum ging, dass jemand seinen Hut nehmen muss. Glauben Sie, das milde Urteil wurde auch deshalb gefällt, um niemanden wegen des ganzen Kompetenzgerangels in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen?
Christian Danner: Es ist schon so, dass hinter der ganzen Geschichte mehr steckt, als 'Da war jemand ganz böse und hat etwas gemacht, was man nicht machen darf'. Da war natürlich auch Personalpolitik im Spiel, speziell bei der FIA. Dadurch, dass die Aussage von Charlie Whiting, der Test wäre so in Ordnung, strafmildernd wirkte, zeigt sich, dass man auch ihn ein wenig in die Schranken gewiesen hat. Eigentlich haben da alle Beteiligten - inklusive Pirelli -, die irgendwann, irgendwo, irgendetwas dazu gesagt haben, einen Schuss vor den Bug bekommen, was auch ein Beweis dafür ist, dass es ein salomonisches Urteil ist.

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Das ist die Formel 1, nicht der Kindergartenclub Pusemuckel.
Christian Danner

Während des Verfahrens haben sich die Unterschiedlichen Parteien gegenseitig den schwarzen Peter zugeschoben. Mercedes hat Ferrari und die FIA mit hineingezogen, Pirelli ist sich ohnehin keiner Schuld bewusst und die FIA ging scharf auf Mercedes los. Hat das Tribunal einen Keil zwischen die Parteien getrieben?
Christian Danner: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Das ist die Formel 1, nicht der Kindergartenclub Pusemuckel [lacht]. Die Beteiligten haben durchaus das Recht, aufeinander einzuschlagen. Das ist bei jeder gerichtlichen Auseinandersetzung so, ganz unabhängig davon, ob Sportsgerichtsbarkeit oder Zivilgerichtsbarkeit. Nach dem Verfahren: Fertig, Schwamm drüber und weiter geht´s.

Sie sagten bereits, dass Sie die Abwesenheit bei den Young Driver Tests für nicht besonders gravierend erachten. Glauben Sie, dass sich der Vorteil, den Mercedes durch den Test in Barcelona hat, dadurch ausgeglichen werden kann?
Christian Danner: Das kann man deshalb nicht miteinander vergleichen, weil der Mercedes-Test ein reiner Reifen-Test war. Das war natürlich ein klarer Vorteil, weil sie natürlich ausprobiert haben, was sie machen können, damit der Reifen hält oder nicht so schnell kaputt geht. Das ganze Thema waren ja die Reifen. Das hat man natürlich in Silverstone bei Nieselregen mit Sam Bird am Steuer nicht. Der Vorteil, den sich Mercedes durch den Test erarbeitet hat, ist durch die Young Driver Tests nicht wett zu machen, deswegen wird Red Bull wahrscheinlich auch seine Meinung dazu haben und sicher kund tun! Nur es ist eben so, dass ein salomonisches Urteil für alle irgendwie funktionieren muss, nicht nur für einen.


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