"Good evening Mr. Mansell", bekam Sebastian Vettel nach seiner 14. Pole Position in dieser Saison beim Qualifying in Abu Dhabi aus dem Boxenfunk zu hören. Was folgte, war der übliche Aufschrei des Weltmeisters in Richtung Team. Dabei geht es beim 18. Rennen der Saison eigentlich nur noch um die Kür, die Pflicht - bestehend aus Fahrer- und Teamtitel - ist absolviert. Doch Vettel bleibt heiß. "Das war der Moment, wo alles rauskommt und alles von einem abfällt", erklärte Vettel grinsend seinen Brunftschrei. "In Q2 dachte ich schon 'Nicht, dass das wieder so wie in Korea wird'…"
Wurde es nicht, denn die McLarens verwies der 24-Jährige diesmal wieder auf die Plätze. Dabei hatte es lange Zeit nach der zweiten chromfarbenen Pole in diesem Jahr ausgesehen, doch Vettel düpierte die Konkurrenz wieder einmal in letzter Sekunde. "Gestern waren wir nicht am Maximum", erinnerte sich Vettel an seine Probleme während der Trainings. "Aber heute hat uns alles in die Karten gespielt. Wenn sich das Auto morgen so anfühlt wie im Qualifying, dann haben wir gute Chancen."
Vettel wusste, an welchen Bereichen er noch arbeiten muss, um seinen zwölften Sieg in diesem Jahr einfahren zu können - es wäre gleichzeitig der Hattrick für ihn in Abu Dhabi. "Der zweite Sektor war unsere Schwachstelle", erklärte der Titelverteidiger. "Auf der Geraden sind wir nicht so stark wie McLaren." Im Training hatte er sich dort nicht ganz wohl gefühlt, gerade die Spitzkehre um Turn 5 bis 7 bereitete Kopfzerbrechen. "Da kann man viel Zeit gewinnen, aber auch liegen lassen", so Vettel. Doch in diesem Bereich habe Red Bull über Nacht bereits eine Verbesserung erzielt. "Ich konnte dort heute früher ans Gas gehen, dann gewinnt man die ganze Gerade herunter."
Die Fahrer werden auf dem Yas Marina Circuit nicht nur mit besonderen Licht- sondern auch Temperatur-Unterschieden herausgefordert. Im Verlaufe des Tages sinken die Temperaturen von 30 auf bis zu 19 Grad herunter, nachdem sich die Sonne vom Himmel verabschiedet hat. "Man wünscht sich, dass man das Auto die ganze Zeit verstellen kann", sagte Vettel zu dieser Problematik. "Das geht aber leider nicht, also muss man mit den Mitteln kämpfen, die einem zur Verfügung stehen."
Neben den abfallenden Temperaturen sorgt die untergehende Sonne auch für Schwierigkeiten in Sachen Sicht. Ein Phänomen, dass jedem Autofahrer bestens bekannt ist - die Sonne blendet stark. Während der Ottonormal-Fahrer allerdings die Sonnenbrille aufsetzt, müssen die F1-Piloten mit den Visieren herumtricksen. "Und man muss die Augen zusammen petzen", so Vettel. "Zum Glück gibt es nicht so viele Kurven, wo man gestört wird. Die Sonne geht relativ schnell unter." An zwei, drei Stellen des Kurses sei es jedoch nicht ganz einfach, wenn die Sonne sehr tief stehe. "Da sieht man eigentlich nichts", erklärte der Pole-Setter. "Man wird geblendet und dann ist es mehr oder weniger Gefühlssache."



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