Nach 16 Jahren in der IndyCar-Serie darf der inzwischen in die Jahre gekommene Dallara DW12 am Ende von 2027 endlich in seine wohlverdiente Rente gehen. Die US-amerikanische Einheits-Formelserie präsentierte am Dienstag offiziell das Nachfolgemodell, mit welchem ab der Saison 2028 die Meisterschaft bestritten wird.
Die Leistungsdaten des Dallara IR28 lesen sich vielversprechend und stellen einen klaren Performance-Zuwachs zu den aktuellen Boliden in Aussicht. Denn am neuen Chassis wird kräftig abgespeckt. Das Gewicht lag bislang beim DW12 je nach Strecken-Konfiguration bei 789 bis 810 Kilogramm, für das neue Auto verspricht die Rennserie 45 Kilogramm weniger.
Dazu kommt der bereits vor längerem verkündete 2.4-Liter V6-Turbomotor, der eine Verbrennerleistung von etwa 760 PS generiert. Die Hybrid-Power liefert eine ESS-Batterie, welche 14-mal so viel Energie speichern soll wie das aktuelle Hybrid-System. In Summe rechnet man mit einer Maximalleistung von etwa 900 PS. Dennoch wird auch der Motor verglichen mit dem aktuellen Antrieb um neun Kilogramm leichter.
Alle Daten und Fakten zum aktuellen IndyCar findet ihr hier:
Neues Auto, neuer Motor: Fällt der legendäre Indy-Rekord 2028?
In Kombination aus dem Chassis und der Power Unit erwartet sich die IndyCar davon nichts weniger als Streckenrekorde und allgemein eine deutlich höhere Pace. Das Auto soll sogar in der Lage sein, den legendären Allzeit-Qualifying-Rekord aus dem Indianapolis Motor Speedway zu unterbieten. 1996 umrundete Arie Luyendyk das 2,5-Meilen-Oval auf seinem vierründigen Qualifying-Run mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 381 km/h - ein bis heute unerreichter Wert.

Auf die Strecke ging das Auto noch nicht. Die ersten Testfahrten des Boliden werden aber im Laufe dieser Woche aufgenommen, wie IndyCar-Präsident Doug Boles mitteilte. "Es gibt noch viel Arbeit vor 2028, aber wir befinden uns auf einem guten Weg, eine neue IndyCar-Ära einzuleiten. Zu dieser gehören noch spannendere Rad-an-Rad-Duelle, Streckenrekorde, neue Maßstäbe in Sachen Fahrbarkeit und neue Maßstäbe in Sachen Sicherheit", so der IndyCar-Chef weiter.
Neues IndyCar: Das ist der Dallara IR-28
Optisch erinnert das Chassis an seinen Vorgänger, was nicht nur an dem nach wie vor vorhandenen Aeroscreen (IndyCars Gegenstück zum Halo) liegt. Der Cockpit-Schutz, der beim DW12 erst später hinzukam, ist sowohl leichter als auch windschnittiger designt. Auch eine Reihe an aerodynamischen Elementen nehmen Anleihen am Vorgänger, was sich über die gesamte Linienführung an der Karosserie zieht.
Ein besonderer Augenmerk wurde an dem IndyCar auch auf das Racing gelegt. So ist die Aerodynamik absichtlich mit dem Fokus designt worden, dass der Luftstrom möglichst wenig Turbulenzen verursacht und damit mehr Überholgelegenheiten geschaffen werden - und das in allen Konfigurationen für Ovale, Superspeedways oder Rundstrecken. Der Outwash soll ebenfalls reduziert sein und von der Superspeedway-Konfiguration für das Indianapolis 500 verspricht man sich einen stabileren Frontflügel.

Deutliche Unterschiede sieht man auf den ersten Renderings auch am Road-Course-Frontflügel, der seine etwas klobigen Endplates verliert, gleichzeitig aber auch ein deutlich längeres vorderes Element bekommt. Die Flügelelemente verzichten beim neuen Auto auf die schnurrbartartige Stufe rund um die Nase.
Gleichzeitig sind auch gewisse Parallelen zum aktuellen F2-Auto, das ebenfalls von Dallara kommt, nicht von der Hand zu weisen. Diese zeigen sich vor allem an den äußeren Stützen des Heckflügels, die eine ähnliche Rundung aufweisen wie der F2 2024. Der Heckflügel weist auch eine etwas abgerundetere Form auf, als das rechteckigere Modell des DW12. Zu diesen von außen sichtbaren Änderungen kommt eine Überarbeitung des gesamten Dämpfungs – und Aufhängungssystems. Davon verspricht man sich verbesserten mechanischen Grip.
Zu dem laut eigenem Wortlaut "moderneren" Design passt auch das aufgeräumtere Innenleben des Autos, in dem klassische Schalter und Knöpfe reduziert werden. So können die Fahrer die Stabilisatoren beispielsweise nun elektronisch anpassen. Auf Fahrerkomfort und Sicherheit wurde bei dem Design des neuen Autos ebenfalls Wert gelegt. Das Cockpit fällt etwas größer und besser durchlüftet aus und die seitlichen Crash-Strukturen wurden verstärkt. Außerdem soll das Design es dem Fahrzeug erschweren, bei Unfällen Bodenkontakt zu verlieren.
Hier findet ihr alle Bilder des neuen IndyCars:
Der genaue Testplan für den Boliden ist noch nicht bekannt, soll aber im Laufe der Zeit veröffentlicht werden. Bekannt ist bereits, dass unter anderem auf dem Oval von Indianapolis getestet wird, als auch auf dem dazugehörigen Rundkurs. Außerdem wird es auch Testfahrten in Sebring geben. Die Strecke auf dem ehemaligen Flugplatz in Florida befindet sich zwar nicht im IndyCar-Kalender, wird aber regelmäßig für Testfahrten herangezogen. Die hohen Bodenwellen in Sebring sind prädestiniert dafür, die technische Zuverlässigkeit des neuen Boliden auf Herz und Nieren zu prüfen.
Ob Mick Schumacher 2028 noch in den Genuss kommen wird, den neuen IndyCar-Boliden zu steuern, ist aktuell unklar. Der ehemalige Formel-1-Fahrer zeigte sich nach seinem ersten Top-10-Ergebnis optimistisch, dass er 2027 in der US-Meisterschaft bleiben könne. Seitdem verkaufte aber sein Team Rahal Letterman Lanigan Racing einen Startplatz. Mehr dazu hier:



diese IndyCar Nachricht