Deutschland bekommt wieder eine eigene Formel-Nachwuchsserie! Ab der Saison 2027 soll die Deutsche Formel 4 mit dem offiziellen Segen der FIA an den Start gehen. Geplant sind sieben Rennwochenenden, die größtenteils im Rahmen der DTM-Events ausgetragen werden sollen. Der genaue DTM-Kalender für 2027 ist noch nicht veröffentlicht worden. Damit kehrt erstmals seit dem Ende der ADAC Formel 4 im Jahr 2022 wieder eine Formelserie für Nachwuchstalente zurück nach Deutschland.

Als Veranstalter der Deutschen Formel 4 tritt das im Motorsport bekannte Unternehmen Gedlich Racing auf. Die Frankfurter Firma trägt seit mehreren Jahren unter anderem die GT Summer Series sowie die Winter Series inklusive einer Formelserie aus, blickt demnach also auf Erfahrung in diesem Bereich zurück. Zuvor war der ADAC der sportliche Ausrichter der Formel 4 bzw. der Vorgängerserie Formel Masters.

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Deutschland bekommt wieder eine Formel-Nachwuchsserie

"Eine nationale Formel-4-Serie muss vor allem eines fest im Blick behalten: die Förderung junger Talente", sagt Unternehmensgründer Markus Gedlich."In den Wintermonaten sind wir die führende Plattform für Nachwuchsfahrer, um sich auf ihre Meisterschaftssaisons vorzubereiten. Mit der F4 Germany gehen wir nun einen Schritt weiter: Wir unterstützen besonders talentierte Fahrer mit einem Preisfonds im Wert von einer halben Million Euro."

Geplant sind wie zu früheren Formel-4-Zeiten je drei Rennen sowie zwei Qualifyings pro Wochenende, damit die Nachwuchspiloten ausreichend Streckenzeit erhalten. Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) unterstützt das Projekt. Zum Einsatz kommen Chassis von Tatuus und Motoren von Abarth. Die Reifen liefert Pirelli, das unter anderem auch die Formel 1 und DTM mit seinen Produkten ausstattet.

Gedlich: "Damit bieten wir jungen Fahrern eine echte Chance, den Sprung in höhere Rennklassen zu schaffen, und geben den Teams gleichzeitig mehr Flexibilität bei der Verpflichtung vielversprechender Talente aus dem Kartsport."

Deutschland blickt auf eine erfolgreiche Formel-Vergangenheit zurück, Foto: ADAC Formel 4
Deutschland blickt auf eine erfolgreiche Formel-Vergangenheit zurück, Foto: ADAC Formel 4

Kosten sollen in Deutscher Formel 4 nicht ausufern

Das größte Thema im deutschen Nachwuchs-Motorsport, an dem unter anderem auch die ADAC Formel 4 gescheitert ist, sind natürlich die Kosten. In den vergangenen Jahren sind die Ausgaben bei den europäischen Formel-4-Serien unter dem Banner der FIA immer weiter ausgeartet. In den wichtigsten F4-Serien in Italien oder Spanien sollen die erfolgreichsten Teams mehr als eine Million Euro pro Saison für ein Cockpit aufrufen.

Gedlich Racing will mit der Deutschen Formel 4 gegensteuern und einen festen Test-Kalender vorschreiben - hier kann ansonsten bei entsprechendem Budget richtig viel Geld ausgegeben werden... Über die Saison verteilt seien maximal bis zu 20 Testtage vorgesehen, darunter zwei Vorsaison-Testfahrten. Geplant seien auch gemeinsame Testfahrten auf den im Kalender enthaltenen Strecken, um die Kosten für die einzelnen Teams zu reduzieren.

Pirro: "Zuletzt deutliche Lücke in Motorsport-Deutschland"

"Zwischen der starken deutschen Kartsportszene und der internationalen Karriereleiter im Formelsport hat zuletzt eine deutliche Lücke bestanden", sagt der frühere Le-Mans-Sieger und heutige Chef der FIA-Singleseater-Kommission, Emanuele Pirro. "Die Deutsche F4 schließt genau diese Lücke. Deutschlands Formel-Nachwuchsmeisterschaften hatten in der Vergangenheit stets eine große Bedeutung und haben viele spätere Champions hervorgebracht. Mit der Rückkehr der Formel 4 nach Deutschland wird diese Tradition wiederbelebt und die nächste Generation von Talenten gefördert."

Tatsächlich blickt Deutschland auf eine überaus erfolgreiche Formelsport-Vergangenheit zurück, die nach dem Ende der ADAC Formel 4 sowie der F3 Euro Series bzw. Formel-3-Europameisterschaft aber völlig in ihre Einzelteile zerbrach. In der Vergangenheit begannen Formel-1-Fahrer wie Sebastian Vettel, Nico Hülkenberg, Ralf Schumacher oder Nico Rosberg sowie DTM-Stars wie Martin Tomczyk, Pascal Wehrlein oder Timo Glock ihre Karrieren in den ADAC Nachwuchs-Formelserien.

Die ADAC Formel 4 wurde nach 2022 eingestellt, Foto: ADAC Formel 4
Die ADAC Formel 4 wurde nach 2022 eingestellt, Foto: ADAC Formel 4

Formel-Nachwuchssport in Deutschland: Niedergang in Raten

Im Jahr 2015 war die ADAC Formel 4 aus dem ADAC Formel Masters hervorgegangen - und feierte in den ersten Jahren große Erfolge. Starterfelder von zweitweise mehr als 40 Autos sorgten dafür, dass nicht einmal alle Einschreibungen angenommen werden konnten. Fahrer wie Mick Schumacher, Lando Norris oder Robert Shwartzman lernten hier ihr Rüstzeug für den weiteren Weg im Formelsport.

Es folgte ein Niedergang in Raten: 2015 gingen noch 35 Fahrer, darunter 20 Deutsche, in der ADAC Formel 4 an den Start. 2022 holte der heutige Formel-1-Fahrer Kimi Antonelli den letzten Titel im Feld der nur noch elf Autos, bevor die Serie eingestellt wurde.

Kimi Antonelli 2022
Letzter Champion der Deutschen Formel 4: Ein gewisser Kimi Antonelli, Foto: ADAC Motorsport

Kommen bald wieder mehr Formel-Fahrer aus Deutschland?

Zuletzt war der Formelrennsport vorrangig aus Kostengründen das große Sorgenkind in Motorsport-Deutschland. Nachwuchstalente wechselten lieber direkt in den deutlich günstigeren GT-Sport, mit der Hoffnung, einen Platz als Werksfahrer bei einem der Hersteller zu ergattern.

Der Deutsch-Däne Oliver Goethe aus dem Motorsport Team Germany ist 2026 der einzige heimische Fahrer in der FIA Formel 2. Mit Tim Tramnitz hat zuletzt ein ehemaliger Formel-3-Fahrer seinen Formel-1-Traum auf Eis gelegt und stattdessen im Werkskader von BMW den sicheren Hafen angesteuert. Nur die jungen Formel-4-Piloten Elia Weiss aus München und der Winterberger Arjen Kräling repräsentieren neben Goethe den kargen Singleseater-Bereich im Motorsport Team Germany.

"Mit der von der FIA zertifizierten F4 Germany stärken wir den Formelsport in Deutschland", sagt Robin Strycek, DMSB-Vorstand Sport. "Die Formel 4 stellt einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung junger Fahrer auf ihrem Weg in die höchsten Klassen des Motorsports dar. Wir freuen uns, diesen Prozess gemeinsam mit Gedlich Racing, der FIA und allen weiteren Partnern zu unterstützen, und blicken mit großer Vorfreude auf die Debütsaison dieser neuen Nachwuchsmeisterschaft."

Alle Meister des ADAC Formel Masters (2008-2014) und der ADAC Formel 4 (2015-2022)

JahrMeister
2008Armando Parente
2009Daniel Abt
2010Richie Stanaway
2011Pascal Wehrlein
2012Marvin Kirchhöfer
2013Alessio Picariello
2014Mikkel Jensen
2015Marvin Dienst
2016Joey Mawson
2017Jüri Vips
2018Lirim Zendeli
2019Theo Pourchaire
2020Johnny Edgar
2021Oliver Bearman
2022Andrea Kimi Antonelli

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