Thomas Preining hat sich mit einem annähernd perfekten Auftritt in Oschersleben urplötzlich zurückgemeldet im Kampf um die DTM-Meisterschaft 2026. Betrug sein Rückstand in der Tabelle vor dem Wochenende noch 47 Punkte, verkürzte der Manthey-Porsche-Pilot den Abstand zum neuen Gesamtführenden Maro Engel auf 28 Zähler.

Preining kann sich nun sogar Chancen auf den zweiten Titelgewinn nach 2023 ausrechnen, nachdem er sich zuletzt am Norisring noch bitterlich über mangelnde Performance beklagt hatte. Ganz anders sieht die Situation auf der anderen Seite der Garage aus: Teamkollege Ricardo Feller ist in seiner ersten Saison mit Manthey-Porsche noch überhaupt nicht in Fahrt gekommen.

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Manthey-Porsche: Preining hat Feller fest im Griff

Dem Schweizer fehlen inzwischen 53 Punkte zu Preining - nur Platz 14 in der DTM-Tabelle für Feller, der im Winter von Land-Audi zum Rennstall aus Meuspath gewechselt war. Während Preining in Oschersleben zeigte, was mit dem Porsche 911 GT3 R möglich war - zwei Pole Positions, Sieg am Samstag und Platz drei am Sonntag - lief bei Feller wenig nach Plan. Die Plätze elf und neun in den Qualifyings führten zu den Positionen zehn und acht in den beiden Rennen.

Feller, der den grünen Meister-Porsche von Ayhancan Güven übernommen hat, fehlten im Samstags-Qualifying mehr als vier Zehntelsekunden auf Preining, am Sonntag waren es immer noch deren drei. "Mit meiner Performance im Qualifying bin ich nur bedingt zufrieden, mit der Rennleistung dafür aber sehr", sagte er. Die Bilanz in der laufenden Saison ist mehr als eindeutig: 10:0! Preining setzte sich in allen bisherigen Qualifyings gegen seinen Teamkollegen durch.

Thomas Preining und Ricardo Feller im DTM-Vergleich

FahrerThomas PreiningRicardo Feller
DTM-Rennen73 seit 202274 seit 2022
Siege103
Podestplätze2311
Pole Positions73
Schnellste Runden75
Punkte819521
Titelgewinne1 (2023)-

Arkenau: "Vergleich von Ricardo mit Thomas ist nicht fair"

"Ein Vergleich von Ricardo mit Thomas ist nicht fair, vor allem nicht hier in Oschersleben, wo Thomas immer sehr stark ist", sagte Manthey-Rennleiter Patrick Arkenau zu Motorsport-Magazin.com. "Das hauptsächliche Problem von Ricardo liegt im Qualifying, wo man alles zusammenbringen muss, um sich in eine gute Ausgangsposition für die Rennen zu versetzen."

Dabei gilt Feller seit seinem DTM-Debüt 2022 mit Abt-Audi grundsätzlich als ordentlicher Qualifying-Fahrer und wusste in der vergangenen Saison mehrfach im Audi R8 von Land-Motorsport zu überzeugen. Wir haben nachgerechnet: In bislang 74 DTM-Qualifyings startete er 29 Mal aus den Top-8 der Startaufstellung, was einer Quote von 39,2 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Preining kommt bei 73 Anläufen auf 40 Starts innerhalb der Top-8 (Quote: 56,2 Prozent).

Thomas Preining: "Das ist ein relativ unfairer Vergleich"

Vorteil Preining: Der Österreicher fährt seit 2022 ausschließlich Porsche in der DTM, während Feller sein erstes Jahr im Neunelfer bestreitet. Und gerade in den extrem eng geführten Qualifyings kommt es auf die kleinen Details an, das ist bekannt. Außerdem kennt Preining die Manthey-Mannschaft inzwischen in- und auswendig, während sich Feller noch an die Abläufe gewöhnen muss.

"Ich bin jetzt schon so lange im Team", sagte Preining zu Motorsport-Magazin.com. "Ich weiß genau, was ich brauche und wie ich es kommunizieren muss, damit ich das kriege, was ich haben will. Das ist ein viel einfacheres Spiel als bei Ricardo, der sich erst mal eingrooven und mit neuen Ingenieuren arbeiten muss. Das ist eine komplett andere Kultur im Team und da muss er erst einmal richtig Fuß fassen. Deshalb ist das, glaube ich, ein relativ unfairer Vergleich."

Ricardo Feller in der DTM mit Manthey-Porsche
Ricardo Feller bestreitet seine erste DTM-Saison im Manthey-Porsche, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

DTM-Teamkollege: Feller ist absolute Weltklasse

Dass Feller auch im Porsche 911 GT3 R pfeilschnell sein kann, hat er dieses Jahr bereits außerhalb der DTM unter Beweis gestellt: Der 26-Jährige gewann mit Lionspeed GP die 24 Stunden von Spa-Francorchamps und feierte einen IMSA-Klassensieg beim 12-Stunden-Rennen in Sebring mit Manthey. Teamkollege in beiden Fällen: Thomas Preining. "Wir haben beides gemeinsam erreicht", stellte er fest. "Wenn Ricardo nicht absolute Weltklasse wäre, hätte er die Erfolge nicht gehabt."

Dass Feller eine gewisse Eingewöhnungszeit bei Manthey brauchen und gegen den starken Preining erst einmal den Kürzeren ziehen würde, hatten DTM-Experten schon vor der Saison erwartet. "Ähnlich war es auch bei Ayhancan, bis sich auch bei ihm alles eingespielt hat", blickte Manthey-Rennleiter Arkenau zurück. "Das war dann 2025 der Fall und endete bekanntlich mit dem Titelgewinn."

Ricardo Feller und Thomas Preining in der DTM mit Manthey-Porsche
Grello und Greeno: Das Manthey-Porsche-Duo in der DTM, Foto: IMAGO/Eibner

Druck auf Manthey-Neuzugang Feller wächst

Trotz aller Rückendeckung wächst der Druck auf Feller mit jedem Rennwochenende, an dem er Preining unterlegen ist. Ein weiteres Top-Ergebnis wie am Lausitzring, wo er - auch mit etwas Glück - aufs Podest fuhr, würde sicherlich einiges an Last von seinen Schultern nehmen. Da könnte das nächste DTM-Event auf dem Nürburgring gerade recht kommen, wo Feller mit Audi-Rennwagen eine Pole Position und zwei Podien errang. Platzt der Knoten in der Eifel?

"Wir sehen bei Ricardo Fortschritte und daran gilt es in den restlichen Rennen anzuknüpfen, vor allem beim nächsten Event auf dem Nürburgring, wo wir uns zuletzt mit dem Joker-Test vorbereitet haben", sagte Arkenau, gab aber zu bedenken: "Allerdings ist ausgerechnet unser Heimspiel offensichtlich kein Vorteil, denn hier haben wir noch nie ein DTM-Rennen gewonnen - als einzige Strecke im Kalender!"

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