Lewis Hamilton konnte sich nicht mehr so recht daran erinnern, wann er das letzte Mal ein Rennen von der Pole Position begonnen hatte. Es war 2010 in Kanada. Eigentlich erwarteten die meisten Beteiligten Jubelschreie aus Hamiltons Cockpit, nachdem er sich mit einer starken Runde in Q3 uneinholbar an die Spitze gesetzt hatte - doch der McLaren-Pilot blieb ruhig. Kurz nach Ende des Qualifyings war nicht einmal ein Grinsen in seinem Gesicht zu sehen.
"Ich glaube nicht, dass ich das verdiene", sagt Hamilton demütig. "Das war heute nur ein sehr kleiner Schritt in die richtige Richtung. Heute wird nicht gefeiert, denn morgen im Rennen kommt es drauf an. Hier geht es nicht um Emotionen, das ist Business." Ein kühler Hamilton erklärt den umstehenden Journalisten, dass ihm die erste Pole Position seiner Formel-1-Karriere wesentlich mehr bedeutet habe als diese hier in Korea. Dass er es fertig gebracht hat, die Red-Bull-Dominanz im Qualifying zum ersten Mal in dieser Saison durchbrochen zu haben, scheint ihm offenbar auch nicht allzu wichtig.
"Meine Saison war eine Achterbahn", erklärt Hamilton. "Gerade in der zweiten Hälfte des Jahres hatte ich ein paar schwierige Rennen. Deshalb freue ich mich zwar über die Pole, aber ein besonderes Gefühl ist das nicht für mich." Es sei zudem keine Überraschung gewesen, dass er auf dem Korea International Circuit - den er als eine der besten Strecken bezeichnet- so schnell unterwegs gewesen sei. "Wir hatten schon in den vergangenen Qualifyings eine gute Performance und wir wussten, dass wir hier stark sein würden", so Hamilton.
Nachdem Hamilton in den vergangenen Rennen häufig aneckte - gern auch mit Felipe Massa - soll es beim 16. Rennen der Saison und dem 700. Grand Prix für McLaren anders laufen. "Ich versuche, beim Start in Führung zu bleiben und mich dann aus dem Ärger herauszuhalten", hofft der Brite. "Von da an probiere ich, das Rennen zu kontrollieren. Aber es wird schwierig gegen die beiden Jungs hinter mir." Die beiden Jungs - das sind Sebastian Vettel und Jenson Button. Dass McLaren Red Bull vor den verbleibenden Rennen der Saison übertrumpft hat, daran glaubt Hamilton.
"Wir können sie schlagen, wie Jenson bewiesen hat", sagt Hamilton im Hinblick auf den Suzuka-Sieg seines Teamkollegen, nachdem zuvor drei Mal Vettel triumphiert hatte. "Es sieht aus, als ob wir in Sachen Boxenstopps und Strategie zuletzt bessere Arbeit als Red Bull geleistet hätten." Hamilton glaubt, dass die Piloten in Korea drei Mal die Box ansteuern werden. "Zuerst dachte ich, dass die Reifen nicht mal eine Runde unter Qualifying-Bedingungen halten würden - aber sie taten es", sagt er erstaunt. "Wir sind zwar auch offen für vier Stopps, aber ich glaube nicht, dass das der Fall sein wird."



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