Sebastian Vettel hat wieder zugeschlagen und nach drei sieglosen Rennen in Spa das oberste Podest erklommen. "Heute morgen hat keiner gedacht, dass wir als Erster und Zweiter ins Ziel kommen, denn das primäre Ziel war überhaupt die Linie zu überqueren. Insgesamt bin ich sehr stolz hier gewonnen zu haben, denn es ist eine besondere Strecke", freute sich Vettel.
Tatsächlich war es nicht so einfach, wie es im Rennen wirken mochte, denn im Vorfeld wurde sogar darüber diskutiert, ob Red Bull aus der Box startet, da man den Sturz des Wagens verändern wollte. "Wir hatten viele Bedenken vor dem Rennen", gab Vettel ehrlich zu. "Die Reifen hatten in der Qualifikation sehr gelitten und wir waren nicht sicher, wie viel Risiko wir eingehen sollen."
Verschlafener Start
Red Bull entschied sich für maximale Zuversicht und ging von den erkämpften Startplätzen eins und drei ins Rennen. Der Start allerdings lief nicht perfekt und so hieß der Führende nach der ersten Runde Nico Rosberg. "Wir hatten einen bescheidenen Start", zeigte der Deutsche auf. "Ich habe gewartet, dass links einer vorbeigeht, doch auch Lewis hatte anscheinend einen schlechten Start. In der erste Kurve erwischte ich einen guten Ausgang, aber wir haben ja gesehen, welch große Rolle der Windschatten heute gespielt hat. Nico hat die Situation souverän gemeistert und ist an mir vorbeigegangen. Er hat unseren verschlafenen Start gut genutzt, aber wir konnten es ja wieder relativieren."

Nach der Reifen-Problematik entschied sich Red Bull in Runde sechs, Vettel an die Box zu holen. "Wir fühlten uns nicht sicher und kamen beide früh rein", erklärte Vettel, der sogar noch später stoppte als Teamkollege Mark Webber. Tatsächlich ging man nicht mit den Gedanken an Platzierungen oder den Sieg ins Rennen, sondern mit dem Hauptziel, die Reifenentwicklung zu beobachten. "Wir haben uns nicht so viele Gedanken um das Ergebnis gemacht", verriet Vettel im Anschluss.
Boxenstopp gut getroffen
Die Führung war nach dem frühen Stopp allerdings verloren. Dennoch lobte er seinen RB7. "Die Pace war aber gut und ich fühlte mich wohl im Auto", so Vettel, der zugab, dass er sich die gesamte Zeit sehr anstrengen musste, um an den Vorderen dran zu bleiben. Als schließlich Lewis Hamilton ausschied und das Safetycar auf die Strecke ging, reagierte Red Bull blitzschnell und holte Vettel an die Box.
Damit lag er mit einem Stopp mehr auf Platz drei hinter Fernando Alonso und Webber, den er gleich beim Restart kassierte. "Nach der Safetycar-Phase war entscheidend, dass ich an Fernando vorbeikam und Vorsprung herausfuhr", fasste Vettel zusammen, der kurze Zeit später auf der langen Geraden den Doppel-Weltmeister passierte und die Führung wieder übernahm.
Noch kein Wohnzimmer-Gefühl
Insgesamt habe man in diesem Rennen deutlich mehr Management-Qualitäten gebraucht als üblich, resümierte der Sieger. Doch besondere Freude bereitete Vettel die Stärke seines RB7. "Wir waren im Vergleich zu den Jahren davor sehr konkurrenzfähig", zeigte der Heppenheimer auf, der erstmals in Spa triumphierte. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Rennen. Wir sollten heute auch viel über die Reifen gelernt haben", so der glückliche Sieger, der aber noch nicht von seinem Wohnzimmer reden wollte. "Michael hat hier sechs Mal gewonnen, also kann man bei mir jetzt höchstens von einer Abstellkammer sprechen."
Seine Gedanken waren bereits nach der Ziellinie in Monza, wo das nächste Rennen stattfinden wird. Auch in Italien will er wieder angreifen, da er den Titel noch nicht in trockenen Tüchern sieht. "Ich glaube, wir haben noch viele Rennen zu fahren und viel Punkte zu vergeben. Wir haben letztes Jahr gesehen, wie schnell sich die Situation ändern kann und wir müssen es Schritt für Schritt angehen. Aber wir sind auf einem guten Weg", zeigte sich der Deutsche vorsichtig optimistisch.
Horner sehr zufrieden
Red-Bull-Teamchef Christian Horner dürften nach der Zieldurchfahrt und dem Doppelsieg seiner Piloten auch etliche Steine vom Herzen gefallen sein, denn am Start waren die Sorgenfalten deutlich zu erkennen. "Wir waren heute sehr konservativ unterwegs, weil wir gestern viel Blasenbildung hatten", dachte Horner zurück, der gestand, sich am Sonntag Rat bei Pirelli geholt zu haben. "Wir haben entschieden, dass wir vielleicht mit harten Reifen aus der Box starten. Dann sagten wir aber, dass das Risiko nicht zu groß ist", fügte der Teamchef noch hinzu.

Red Bull war primär in das Visier der Reifenbeobachter gekommen, doch Horner relativierte diese Situation. "Ja, man konnte Blasen sehen, aber nicht nur bei uns, sondern auch andere hatten mit diesem Problem zu kämpfen", sprach Horner die McLaren und Alonso an. "Das war anscheinend bei allen schnellen Autos ein Problem." Am Ende stand für Red Bull der Doppelsieg zu Buche und der Teamchef strahlte. "Ein toller Tag für Red Bull und fantastisch für uns."
Ähnlich wie sein Pilot, hat aber auch Horner bereits kurz nach dem Rennen schon wieder den Highspeed-Kurs in Monza im Hinterkopf und blickt skeptisch auf das erste September-Rennen. "Monza wird unsere größte Herausforderung", zeigte der Brite auf, der sich aber nach guten Spa-Zeiten im ersten und dritten Sektor, wo es auf Höchstgeschwindigkeit ankommt, keine allzu großen Sorgen macht.

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