In der schnelllebigen Zeit des Motorsports geraten Anstand und Menschlichkeit gerne mal etwas in den Hintergrund. Nicht so bei Jack Aitken, der sich mit ungemein emotionalen Worten von seinem langjährigen Team Emil Frey Racing verabschiedet hat. Der Brite wird 2026 wie berichtet nicht mit dem Schweizer Rennstall in die DTM zurückkehren, weil er mit Cadillac ein Prototypen-Programm in der IMSA und - neu - auch in der WEC bestreitet.
Trotz der höchst attraktiven Jobgelegenheit bei einem großen Autobauer nahm sich Aitken die Zeit, um auch öffentlich auf seine fünf Jahren mit Emil Frey zurückzublicken - mit äußerst warmen Worten, die zeigen, wie eng die Bindung zwischen ihm und der Mannschaft um Chef Lorenz Frey-Hilti sowie Technikchef Jürg Flach wirklich war.
Jack Aitken: Emotionaler Abschied von Emil Frey Racing
"Es heißt fürs Erste Abschied nehmen von dem Team, bei dem meine Karriere im Sportwagen- und Langstreckensport, nach dem Ende meiner F1-Träume - wie auch immer man es nennen will - begonnen hat", schrieb Aitken, der im Jahr 2020 ein einziges Formel-1-Rennen mit Williams in Bahrain anstelle von George Russell fuhr, bevor seine Formel-Karriere mehr oder weniger endete.
Aitken weiter: "Emil Frey Racing war in den vergangenen fünf Jahren ein riesiger Teil meines Lebens. Als professionelles Rennteam haben sie mir ermöglicht, ein professioneller (bezahlter) Rennfahrer zu werden. Wir haben zusammen gearbeitet, gelernt, gestritten, geschrien, gelacht und uns eingespielt - nur um das Ganze immer wieder von vorn zu beginnen. Es gab Saisons mit Kontinuität, in denen wir uns bis ins Detail weiterentwickelt und verfeinert haben. Und es gab Jahre, in denen sich alles geändert hat und wir improvisieren mussten, um es irgendwie zum Laufen zu bringen."
Aitken: Überragende Bilanz in drei Jahren DTM
Aitken unternahm in der Saison 2021 seine ersten Sportwagen-Schritte mit Emil Frey Racing in der GT World Challenge, bevor er mit dem vierten Platz im ADAC GT Masters 2022 erstmals im GT-Sport auf sich aufmerksam machte. In der Saison 2023 stieg er mit den Schweizern in die DTM ein, während er parallel für Cadillac die ersten Prototypen-Rennen bestritt. Auf dem Lausitzring feierte Aitken damals seinen ersten DTM-Sieg im Ferrari 296 GT3, nachdem er bereits beim Saisonauftakt mit einem Podium aufgezeigt hatte.
Aitken zählte in seinen drei Jahren in der DTM zu den herausragenden Fahrern, allein mit der Konstanz im Team wollte es nie so recht klappen. In der abgelaufenen Saison kämpfte der 30-Jährige bis zum letzten Rennen in Hockenheim um die Meisterschaft und belegte am Ende den achten Gesamtrang. Dennoch hinterlässt er eine überragende Bilanz: Aitken erzielte in seinen 46 DTM-Rennen sechs Siege, neun Podestplätze und acht Pole Positions. Er war die glasklare Nummer 1 bei Emil Frey Racing, das sich nun möglicherweise nach einem Ersatzmann umschauen muss.

Aitken: Positive Erinnerungen an Horror-Unfall in Spa
"Ich fuhr italienische Autos in einem Schweizer Team mit Menschen aus so ziemlich allen Teilen der Welt. Es war verdammt großartig - ich habe hier magische Momente erlebt, aber auch tragische", schrieb Aitken weiter auf Instagram und hob seinen dramatischen Unfall bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps 2021 hervor, als er sich Brüche am Schlüsselbein und einem Wirbel sowie eine Lungenquetschung zuzog und mehrere Wochen pausieren musste.
Aitken erinnerte sich an die Zeit im Krankenhaus unmittelbar nach dem Horror-Crash: "Stark unter Medikamenten stehend schlief ich, während das Rennen weiterlief. Als ich aufwachte, stand Lorenz Frey-Hilti, der Chef meines Chefs, in der Ecke meines Krankenzimmers. Er blieb bei mir - trotz meines Drängens, er solle zurück zu diesem verdammten Rennen gehen - und wich in den 24 Stunden im Krankenhaus kaum von meiner Seite, bis meine heutige Frau kam."
Jack Aitkens DTM-Statistik (2023-2025)
| Statistik | Bilanz |
|---|---|
| Rennen | 46 |
| Siege | 6 |
| Podestplätze | 9 |
| Pole Positions | 8 |
| Schnellste Rennrunden | 4 |
| Punkte | 372 |
| Bestes Gesamt-Ergebnis | P8 (2024, 2025) |
Und weiter: "Was noch mehr bedeutet: Jahre später, wenn Teammitglieder über diesen Unfall sprechen und von den Emotionen erzählen, die sie damals empfanden, als sie mich sahen, ohne jegliche Informationen über meinen Zustand, steigen mir jedes Mal die Tränen in die Augen. Weil es ihnen verdammt noch mal nicht egal ist. Weil sie sich kümmern - um mich, um diesen verrückten Sport. Und genau dafür liebe ich sie. Für immer."
Emil-Frey-Ferrari blickt 2025 auf seine bisher beste Saison in der DTM zurück und belegte den vierten Gesamtplatz hinter Team-Champion Manthey-Porsche. Aitken steuerte mit zwei Siegen, vier Podiumsplatzierungen und drei Pole Positions den Löwenanteil am Erfolg bei. Sein Teamkollege Thierry Vermeulen stand dreimal auf dem Podest, während DTM-Debütant Ben Green im dritten Ferrari zwei weitere Podien einfuhr.



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