Es gab zumindest ganz leise Hoffnungen auf eine potenzielle Sensation von Timo Glock (Dörr-McLaren) am Nürburgring. Immerhin hatte der DTM-Rückkehrer in den Trainings am Freitag die schnellste Rundenzeit in den Asphalt gebrannt, wenn auch mit einem zusätzlichen Satz neuer Pirelli-Reifen.
Dass Glock den Platz an der Sonne - die erste offizielle Bestzeit eines McLaren in der DTM-Geschichte - im heutigen Qualifying nicht würde verteidigen können, hatte der 43-Jährige schon kurz vor dem Sessionbeginn geahnt. Und so kam es auch: Während Emil-Frey-Ferrari die Zeitenjagd dominierte und Pole-Setter Jack Aitken knapp am bestehenden GT3-Rekord vorbeischrammte, landete Glock auf dem 13. Startplatz.
Trotz Autotausch: Warum war Dörr schneller als Glock?
Sein 23 Jahre jüngerer Teamkollege Ben Dörr zeigte hingegen erneut im Qualifying auf und eroberte den siebten Platz, wenngleich er nachträglich wegen Blockierens eine 3-Platz-Gridstrafe kassierte. Dörr schenkte Glock während der Zeitenhatz immerhin 0,276 Sekunden ein. Und das, obwohl er auf dem Nürburgring erstmals mit Glocks McLaren 720 S GT3 fährt, der als problembehaftet gilt - zumindest für den früheren Formel-1-Fahrer. Müsste das Glock nach dem Autotausch nicht eigentlich fuchsen? Von wegen: "Grundlegend habe ich mich selten so über einen 13. Platz gefreut wie heute."
Gleichzeitig wundern sich Beobachter von außen verständlicherweise, warum Glock mit dem vermeintlich besseren McLaren von Dörr, einem neuen Fahrzeug, nicht vorne steht. Das erklärte er so am ProSieben-Mikro von Reporter Matthias Killing: "Das Gefühl zum Auto hat sich heute bestätigt. Es passt besser zu meinem Fahrstil. Die Kleinigkeiten, auf die es in der DTM ankommt, konnte ich mit dem anderen Auto nicht so ganz umsetzen. Ben kann das mit seinem Fahrstil etwas kompensieren."

Glock: Einzelergebnisse sind nicht entscheidend
Glock pocht seit geraumer Zeit darauf, dass Einzelergebnisse in dieser Phase nicht entscheidend seien. Stattdessen verwies er mehrfach auf das Gesamtbild: gemeinsam mit dem Team Dörr Motorsport und McLaren zu verstehen, woher die Probleme und Unterschiede zwischen den beiden Autos rühren.
"Wir haben hier die Autos gewechselt, um noch mal klar zu sehen, wie die Unterschiede sind", erklärte er kurz vor dem Beginn des heutigen Qualifyings. "Wir haben zuletzt auf dem Norisring viel über die Autos gelernt, auch, weil jemand von McLaren vor Ort war. Wir haben gestern einen guten Schritt gemacht, das heißt aber nicht, dass wir auch heute vorne stehen werden."
Im Qualifying setzten Glock und Dörr auf eine antizyklische Strategie: Während ein Großteil des 24-köpfigen DTM-Starterfeldes noch in der Box wartete, um die Reifen mittels der Bremsenhitze über die Felgen ins richtige Temperaturfenster zu bringen, begaben sich die beiden Dörr-McLaren etwas früher auf die Strecke. Glock übernahm fünf Minuten vor dem Ende der hektischen 20-Minuten-Session die Führung, konnte aber nicht nachlegen und wurde konsequent durchgereicht.
Glocks theoretische Bestzeit war eine 1:25.522, auf seiner schnellsten Runde ließ er im Mittelsektor rund eine Zehntelsekunde liegen. Teamkollege Dörr bekam hingegen alle drei Sektoren auf seinem besten Umlauf zusammen und hatte etwa zwei Zehntel Vorsprung auf Glocks theoretische Zeit. Im Endklassement fehlten Dörr 0,195 Sekunden zu Pole-Setter Aitken.
"Diese Ergebnisse interessieren mich nullkommanull!"
Glock über die bessere Platzierung von Teamkamerad Dörr: "Das berührt mich überhaupt nicht, weil ich die Hintergründe dazu kenne, die die Außenwelt nicht kennt. Es geht nicht darum, wer der Schnellere ist. Es wäre viel zu kurz gedacht, heute nur das Ergebnis zu sehen. Ich bin ins Team gekommen, damit wir in Zukunft vorne mitfahren können. Diese Ergebnisse interessieren mich nullkommanull!"
Über Stimmen von außen angesichts der Performance - Glocks bisher bestes Ergebnis war ein zehnter Platz am Lausitzring - konnte der nur lachen: "Mir war klar, dass nach dem ersten Rennen darüber gesprochen wird, ob der Glock zu alt ist oder nicht. Wenn man die Faktoren nur von außen sieht, ist das okay. Jeder darf seine Meinung sagen. Wir als Team wissen, warum das so ist."
Glock weiter: "Ich habe nicht das Autofahren verlernt. Ich weiß um meine Fähigkeiten. An solchen Diskussionen beteilige ich mich nicht. Ich schmunzele darüber, weil ich 25 Jahre Motorsport-Erfahrung habe und weiß, wie es mit diesen Gerüchten läuft. Wenn man hart genug arbeitet, wird man irgendwann belohnt. Das Ziel ist, als Team nächstes Jahr konstant in die Top-10 zu fahren, und daran arbeiten wir weiter."



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