Die DTM-Fans erlebten auf dem Nürburgring den mit Abstand unterhaltsamten Trainings-Freitag der Saison. Die Protagonisten der Eifel-Show: Timo Glock und Ben Dörr! Die beiden Piloten vom McLaren-Kundenteam Dörr Motorsport schrieben die Schlagzeilen zum Beginn der zweiten Saisonhälfte. Das hatte es noch nie gegeben: Glock sicherte sich im 2. Freien Training am Nachmittag die Bestzeit vor seinem 20-jährigen Teamkollegen Dörr!
Zwar können sich die Fahrer für die Trainings-Ergebnisse nichts kaufen, doch für die Motivation könnte das 1-2 der Dörr-Truppe kaum besser sein. Vor allem angesichts der Vorgänge in den vergangenen Tagen und Wochen. Vor dem Nürburgring-Wochenende hatte der Rennstall aus Frankfurt entschieden, zwischen Glock und Dörr die Autos zu tauschen. Eine höchst ungewöhnliche Maßnahme im Spitzenklassen-Motorsport.
McLaren-Show am Nürburgring: Timo Glock dreht auf
Grund: Während Rennstallbesitzer-Sohn Dörr vor dem Saisonauftakt einen brandneuen McLaren 720 S GT3 erhielt, quälte sich DTM-Rückkehrer Glock mit unterschiedlichen Autos mehr schlecht als recht durch die Saison. Der frühere Formel-1-Fahrer soll ebenfalls einen fabrikneuen McLaren erhalten, doch der kommt wohl frühestens Ende Augst. Salomonisches Urteil von Boss Rainer Dörr: Glock und Sohn Ben tauschen kurzerhand die Autos, auch, um die bisherigen Performance-Probleme besser zu verstehen.
Glock sagte uns kurz vor dem Wochenende zwar, dass er keinen Wert auf seine persönlichen Ergebnisse lege, sondern in erster Linie das Team unterstützen wolle. Dass er im 1. Training am heutigen Vormittag aber abgeschlagen auf dem 20. Platz landete, während Dörr mit dem 'schlechteren' McLaren überraschend den zweiten Platz eroberte, könnte - reine Spekulation - den erfahrenen Glock aber doch etwas gewurmt haben...
Und so war es möglicherweise kein Zufall, dass Glock gleich zu Beginn des 2. Trainings bei sommerlichen Bedingungen angaste und sofort die Spitze der Zeitenliste übernahm. Den Platz an der Sonne behielt er bis 13 Minuten vor dem Sessionende, als der Meisterschaftsführende Lucas Auer (Landgraf-Mercedes, P11 am Ende) zwischenzeitlich in Führung ging.
DTM-Training: Stunde der Dörr-McLaren schlägt
Als zum Abschluss des 45-minütigen Trainings die Teams ihre Qualifying-Simulationen abspulten und die Rundenzeiten in den Keller purzelten, schlug die Stunde der Dörr-McLaren: Zunächst setzte sich Dörr Junior an die Spitze, bevor Glock mit seiner letzten Runde die mit Abstand schnellste Zeit des Tages rausknallte: Er umrundete den 3,629 Kilometer kurzen Sprintkurs in nur 1:26.209 Minuten - 0,044 Sekunden schneller als Dörr. Glock stand nach dem Training unter Beobachtung der Rennleitung wegen eines möglichen Full-Course-Yellow-Verstoßes, blieb aber straffrei.
"Natürlich war es nur das Freie Training, aber so ein Ergebnis tut einfach gut. Für uns als Team ist die Herausforderung DTM ein kontinuierlicher Prozess und es geht in die richtige Richtung. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass Dörr Motorsport erst das zweite Jahr dabei ist. Ich freue mich auf ein mega DTM-Wochenende am Nürburgring", sagte Glock.
Angesichts dieser McLaren-Show geriet der Rest des 24-köpfigen Starterfeldes zu Nebendarstellern - obwohl es extrem eng zuging. Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) wuchtete seinen Ferrari 296 GT3 mit exakt 0,111 Sekunden Rückstand auf den dritten Platz. Dahinter folgte im hauchdünnen Abstand von nur zwei Tausendstelsekunden der Schweizer Ricardo Feller im schwarz folierten Land-Audi R8.
Irre Rundenzeiten: Aitken und Güven exakt gleichauf
Jack Aitken im zweiten Emil-Frey-Ferrari, Spitzenreiter aus dem 1. Freien Training, konnte dieses Tempo nicht mitgehen. Der Brite reihte sich mit drei Zehntelsekunden Rückstand an fünfter Stelle ein, unterstrich aber erneut das Potenzial der schnellen Ferrari. Die Manthey-Porsche-Piloten Ayhancan Güven und Ex-Champion Thomas Preining folgten mit - festhalten - 0,000 (nullkommanullnullnull) und 0,005 Sekunden Abstand zu Aitken auf den Plätzen sechs und sieben.
Der zweifache DTM-Champion Marco Wittmann (Schubert-BMW), Luca Engstler (GRT-Lamborghini) und Gilles Magnus (Comtoyou-Aston-Martin) komplettierten die Top-10 des 2. Trainings. Die beiden Lamborghini Huracan GT3 des strauchelnden Top-Teams Abt Sportsline sortierten sich einmal mehr auf den hinteren Plätzen ein: Nicki Thiim auf P18, der amtierende Champion Mirko Bortolotti nur auf P21.
Abgesehen von den Ergebnissen gab es im Training nur wenige Aufreger. Einzig Audi-Pilot Feller löste eine kurze FCY-Phase aus, weil er mit seinem Land-R8 den Vortrieb verloren hatte und eingangs der Boxengasse ausgerollt war. Ein Drehzahlsensor streikte zwischenzeitlich, wie Teamchef Christian Land mitteilte. Feller konnte die Fahrt im Anschluss fortsetzen, spulte mit 11 Runden die wenigsten aller Piloten ab.
Nach dem spannenden Trainingstag geht es ab Samstag um die Wurst auf dem Nürburgring. Das Qualifying zum Samstagsrennen beginnt um 09:35 Uhr. Der Startschuss für den ersten von zwei Läufen in der Eifel folgt wie gewohnt um 13:30 Uhr (live im Free-TV auf ProSieben).



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