McLaren-Festspiele auf dem Nürburgring - zumindest in den Freien Trainings am Freitag. Timo Glock bescherte dem McLaren-Kundenteam Dörr Motorsport die erste Bestzeit in einer offiziellen Session der DTM. Der frühere Formel-1-Fahrer bretterte im 2. Training am Nachmittag in letzter Sekunde an die Spitze und verwies seinen jungen Teamkollegen Ben Dörr auf den zweiten Rang.
Glock schnappte sich mit einer 1:26.209 die bis dato schnellste Zeit des Wochenendes auf seiner letzten Runde. Dazu muss man wissen: Der 43-Jährige hat auf dem Nürburgring erstmals den McLaren 720 S GT3 seines Teamkollegen übernommen - ein nagelneues Auto, das McLaren kurz vor dem Saisonbeginn ausgeliefert hatte. Glock hingegen schlug sich zunächst mit einem Vorjahreswagen und später mit dem NLS-McLaren von Dörr Motorsport herum.
Ben Dörr: "Für ganz vorne wird es noch nicht reichen"
Der teaminterne, im Motorsport höchst ungewöhnliche Autotausch erfolgte auch, damit die Dörr-Mannschaft gemeinsam mit McLaren die vermuteten Probleme besser verstehen kann. Dass Youngster Ben Dörr mit Glocks 'altem' Fahrzeug aber beide Trainings auf dem zweiten Platz beendete, könnte neue Fragezeichen aufwerfen.
"Die Strecke hatte wenig Grip, aber das Auto fühlt sich gut an - auch auf der Bremse", sagte der 20-Jährige am Abend zu Motorsport-Magazin.com. "Für ganz vorne wird es noch nicht reichen, aber die gewünschten Fortschritte sind erkennbar. Das, was wir heute gezeigt haben, muss unser Ziel sein."

Dörr klang deutlich zufriedener mit der Performance des Autos als Glock an den vorangegangenen Rennwochenenden, bei denen ein zehnter Platz das Höchste der Gefühle war. "Natürlich war es nur das Freie Training, aber so ein Ergebnis tut einfach gut", atmete auch Glock auf. "Für uns als Team ist die Herausforderung DTM ein kontinuierlicher Prozess und es geht in die richtige Richtung."
Glock soll noch in der laufenden Saison ebenfalls einen fabrikneuen GT3-McLaren erhalten, doch die Auslieferung zieht sich länger hin als gewünscht. Nach letzten Angaben von Dörr Motorsport steht das Auto erst zum Rennwochenende auf dem Red Bull Ring in Spielberg (12.-14.09.) zur Verfügung, dazwischen liegt noch ein Gastspiel auf dem Sachsenring (22.-24.08.).
So gelang Timo Glock die Nürburgring-Bestzeit
Wie es Glock gelingen konnte, nach Platz 20 im morgendlichen 1. Training den Spieß komplett rumzudrehen und am Nachmittag plötzlich die Bestzeit zu ergattern? Dörr-Motorsport-Technikchef Robin Dörr, Bens älterer Bruder, gab auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com einen wichtigen Hinweis: "Er hatte heute im zweiten Freien Training zwei neue Reifensätze, einen davon aus Zandvoort."
Dennoch: Mit den Trainingsleistungen zählt Dörr-McLaren erst einmal - und erstmals überhaupt - zum Dunstkreis der Favoriten auf dem Nürburgring, wo die DTM ihre zweite Saisonhälfte eingeläutet hat. Oder doch nicht? Technikmann Dörr: "Wir glauben, dass der Rest des Teilnehmerfeldes morgen nachlegt, was normal wäre. Wichtig ist, dass wir auf uns schauen und keine Fehler machen."
Technikchef Dörr: "Wir sind ziemlich am Limit"
Es ist anzunehmen, dass einige Konkurrenten ihre Karten erst im Qualifying am Samstag (um 09:35 Uhr im Livestream auf Motorsport-Magazin.com auf den Tisch legen. Den Quali-Rekord für GT3-Autos hält der amtierende DTM-Champion Mirko Bortolotti, aufgestellt 2023 in 1:25.118 Minuten - also über eine Sekunde schneller als Glocks Trainingsmarke.
Kann die Dörr-Truppe dann noch mitpokern, wenn es um die Vergabe der vorderen Startplätze geht? Robin Dörr ordnete ein: "Wir sind mit dem, was wir heute gezeigt haben, ziemlich am Limit. Aber es freut mich für das gesamte Team, denn wir wissen, dass die Fallhöhe enorm ist. Heute hatten wir ein kleines Erfolgserlebnis, aber wichtig ist, dass wir auch weiterhin Schritt für Schritt an der Performance arbeiten."

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