Jack Aitken (Emil-Frey-Ferrari) hat auf dem Nürburgring eines der spannendsten Rennen der DTM-Saison 2025 gewonnen. Der Brite fuhr zu seinem zweiten Sieg in diesem Jahr und setzte die zuvor erkämpfte Pole Position perfekt um. Von einem lockeren Start-Ziel-Sieg konnte diesmal aber keine Rede sein: Aitken verlor nach den Boxenstopps zwischenzeitlich die Führung an Ricardo Feller (Land-Audi).
Der Schweizer verpasste aber die Sensation des ersten DTM-Sieges für Land-Motorsport und musste in der Schlussphase sowohl Aitken als auch dessen Ferrari-Teamkollegen Ben Green ziehen lassen. Der von P4 gestartete DTM-Neuling Green erzielte seinen ersten Podestplatz in der deutschen Traditionsserie. Es war ein höchst erfolgreicher Samstag für Emil Frey Racing aus der Schweiz: Doppel-Podium und Sieg für Aitken, der damit die Führung in der Meisterschaft übernommen hat.
DTM Punktestand: DTM Gesamtwertung 2025 als Tabelle
Beeindruckend: Aitken feierte bereits seinen sechsten DTM-Sieg seit dem Einstieg 2023 - alle Rennen gewann er von der Pole Position! "Feller hatte eine interessante Strategie und lag zwischenzeitlich vorne, aber wir haben die Führung zurückerkämpft", sagte der 29-Jährige, der 2020 ein Formel-1-Rennen als Williams-Ersatzfahrer bestritt.

Ricardo Feller verpasst DTM-Sensation knapp
Die Geschichte des Rennens schrieb aber Feller, der kurzzeitig an seinem ersten Saisonsieg und dem dritten in der DTM (zuletzt Zandvoort 2023) schnupperte. Der dritte Platz auf dem Podest darf für das Team, das sehr kurzfristig in die DTM eingestiegen war, dennoch als großer Erfolg gewertet werden. Umso mehr, weil Feller das Rennen mit seinem Audi R8 LMS GT3 Evo2 - tatsächlich sein altes Meisterauto aus dem ADAC GT Masters - nur vom elften Startplatz aufgenommen hatte.
Feller belegte beim Re-Start nach einer Rot-Unterbrechung (mehr dazu unten) den neunten Rang, profitierte aber von einem extrem frühen Boxenstopp in der 14. Runde. Während er als Erster aller Fahrer die Boxengasse zum Reifenwechsel ansteuerte, blieb die Spitzengruppe deutlich länger draußen. Die langsameren Rundenzeiten unter abbauenden Reifen sollten sich für einige Fahrer rächen, die auf einen Podestplatz gehofft hatten.
Aitken erkämpft Führung spät zurück
In der 20. Runde absolvierten Ferrari-Pilot Green und Jordan Pepper (GRT-Lamborghini) ihre Pflicht-Boxenstopps und mussten mitansehen, wie sowohl Feller als auch Marco Wittmann (Schubert-BMW, Platz fünf) vorbeiflogen. Zwei Umläufe später war auch Spitzenreiter Aitken nach seinem Reifentausch fällig, doch mit seiner starken Pace konnte er die Führung final zurückerobern. Feller konnte in dieser Phase auch Green nicht halten und musste sich gegen Titelanwärter Pepper verteidigen.
Der Südafrikaner fuhr in der Schlussphase eine erfolgreiche Attacke gegen Wittmann und übernahm die vierte Position, kassierte dafür aber eine Verwarnung. Hinter dem Fünftplatzierten Wittmann folgten Lucas Auer (Landgraf-Mercedes), Rene Rast im zweiten Schubert-BMW und der von P3 gestartete Luca Engstler (GRT-Lamborghini). Nachtrag: Rast kassierte für eine Kollision mit Bortolotti eine 15-Sekunden-Ersatzstrafe und fiel auf P14 zurück.
Auf den Plätzen neun und zehn komplettierten Ben Dörr (Dörr-McLaren) und Thomas Preining von Lokalmatador Manthey-Porsche die Top-10. Timo Glock, von P13 ins Rennen gegangen, sah die Zielflagge als Elfter.
Unfälle und rote Flaggen: Chaos-Start auf dem Nürburgring
Der Rennstart war Chaos pur und endete mit roten Flaggen und knapp 20 Minuten Wartepause. Thierry Vermeulen fiel früh vom zweiten Platz zurück und erhielt wenig später einen Treffer von Maro Engel (3 Penalty Laps).
Zudem gerieten Mirko Bortolotti, Fabio Scherer und Rene Rast aneinander - für den amtierenden DTM-Champion Bortolotti war das Rennen wegen eines gerissenen Kühlerschlauchs vorzeitig gelaufen, während bei Rasts BMW während der Rot-Phase die Felgen samt frischen Reifen gegen einen Trainingssatz getauscht werden mussten. Zu allem Übel rauschte auch noch Morris Schuring in den Manthey-Porsche seines Teamkollegen Ayhancan Güven. Wegen herumliegender Teile auf der Strecke unterbrach die Rennleitung erst einmal das Rennen.
Das Rennen erlebte sechs vorzeitige Ausfälle. Der amtierende DTM-Champion Mirko Bortolotti (Abt-Lamborghini) sah ebenso wenig die Ziellinie wie Ayhancan Güven, Morris Schuring (beide Manthey-Porsche), Arjun Maini (HRT-Ford), Jules Gounon und Titelanwärter Maro Engel (beide Winward-Mercedes).
DTM Nürburgring: So lief das Rennen am Samstag
Die Startaufstellung: Doppel-Pole für Ferrari - Jack Aitken vor Emil-Frey-Teamkollege Thierry Vermeulen! Dahinter ging es in Reihe zwei italienisch weiter: Luca Engstler sprengte die Ferrari-Dominanz mit seinem GRT-Lamborghini, direkt dahinter Ben Green im dritten Ferrari des Schweizer Rennstalls. Der Meisterschaftsführende Lucas Auer und die Mercedes-Markenkollegen Jules Gounon sowie Maro Engel folgten auf den Plätzen fünf bis sieben. Ben Dörr verlor P7 wegen einer Blockade-Aktion und fiel auf den zehnten Startplatz zurück. Teamkollege Timo Glock belegte den 13. Startplatz.
Der Start: Chaotische Startphase auf dem Nürburgring! Polesetter Jack Aitken konnte an der Spitze entfliehen, dahinter flog Luca Engstler mit seinem GRT-Lambo heran und kassierte Thierry Vermeulens Ferrari für Platz zwei. Der Niederländer fiel noch weiter zurück, während Ben Green und Lucas Auer auf die Plätze drei und vier aufrückten.
Im hinteren Feld krachte es zwischen Mirko Bortolotti, Fabio Scherer und Rene Rast, weitere Fahrzeuge wurden involviert. Dann erhielt der zurückgefallene Vermeulen auch noch einen Treffer von Maro Engel (3 Penalty Laps), wenig später krachte es zwischen den Manthey-Porsche von Morris Schuring und Ayhancan Güven. Die Rennleitung schickte zunächst das Safety Car auf die Strecke und ließ wenig später rote Flaggen wegen herumliegender Teile auf der Strecke schwenken.
Die Top-10 beim Re-Start hinter dem Safety Car: 1. Aitken, 2. Engstler, 3. Green, 4. Auer, 5. Engel, 6. Pepper, 7. Dörr, 8. Wittmann, 9. Feller, 10. Preining
Die erste Rennhälfte: Nach einer knapp 20-minütigen Pause nahmen alle Fahrer mit Ausnahme von Bortolotti das Rennen wieder hinter dem Safety Car auf. Aitken machte es an der Spitze einmal mehr perfekt und setzte sich schnell um zwei Wagenlängen ab. Dahinter kassierte Ben Green den Lamborghini von Engstler und etablierte eine Doppelführung für Emil-Frey-Ferrari. Engel musste umgehend seine Penalty Laps absolvieren und fiel komplett zurück. Größter Gewinner der turbulenten Startphase war Marco Wittmann, der mit seinem Schubert-BMW schon vor dem Safety Car von P14 bis auf die achte Position gestürmt war.
Nicki Thiim drehte sich in Runde 9 mit seinem Abt-Lamborghini und fiel auf die 14. Position zurück - ein ganz bitterer Start für die Äbte. Weitere Dramen blieben erst einmal aus, überholt wurde aber weiter fleißig: Vor allem Rene Rast, Timo Glock und Thomas Preining lieferten sich im Mittelfeld einen beinharten Dreikampf.
Der weitere Rennverlauf: Zur 14. Runde öffnete sich das Pflicht-Boxenstoppfenster. Ricardo Feller bog als Erster ab, nachdem er sich kurz zuvor ein hartes Duell mit Marco Wittmann um den siebten Platz geliefert hatte. Auch Arjun Maini, Tom Kalender und Thierry Vermeulen ließen neue Reifen aufziehen. In Runde 15 folgten Maro Engel, Jules Gounon, Fabio Scherer und Nicolas Baert. Engel stellte seinen Winward-Mercedes wenig später in der Garage ab.
Marco Wittmann von P7 sowie Nicki Thiim und Morris Schuring wechselten in der 17. Runde die Slick-Reifen. In Runde 18 machte Luca Engstler von P3 aus der Spitzengruppe den Anfang und steuerte die Boxengasse an. Auch Timo Glock und Maximilian Paul absolvierten ihren Pflicht-Reifenwechsel. Ben Dörr bog aus dem vorderen Feld im 19. Umlauf ab. Spannung dann in Runde 20: Ben Green legte seinen Stopp von Platz zwei ein, Jordan Pepper folgte. Nach der Boxenausfahrt zogen Ricardo Feller und Marco Wittmann dank ihrer Undercuts an Pepper und Green vorbei!
In Runde 21 ließen Lucas Auer und Thomas Preining frische Reifen aufziehen, verloren aber einige Positionen auf der Strecke an Fahrer, die früher gestoppt hatten. Spitzenreiter Jack Aitken absolvierte seinen Stopp in Runde 22, von hinten kam Feller angeflogen und schaffte sogar das Überholmanöver! Wenige Sekunden später verbremste sich der Audi-Pilot, musste durchs Gras, kam aber noch einmal an Aitken vorbei. In das Siegduell schaltete sich auch Wittmann ein - was für eine Spannung!
Feller baute sofort einen ordentlichen Vorsprung zu Aitken auf, während Wittmann die Pace nicht mitgehen konnte und von Ben Green für P3 kassiert wurde - Verwarnung wegen Abdrängens inklusive. Arjun Maini stellte seinen HRT-Ford nach der 27. Runde vorzeitig ab. In Runde 30, 14 Minuten vor dem Zieleinlauf, konnte Feller die beiden Ferrari von Aitken sowie Green nicht halten und fiel auf die dritte Position zurück. Die Top-5 von Aitken bis Pepper trennten zu diesem Zeitpunkt nur 2 Sekunden.
In Runde 34 ging es weiterhin eng zu, bis sich Pepper ein Herz fasste und über dem Kerb an Wittmann für P4 vorbeirutschte. Dafür kassierte der Südafrikaner eine Verwarnung. Danach tat sich bis zum Zieleinlauf nach 40 Runden nicht mehr allzu viel.



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