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DTM

Aston Martin verklagt Unternehmen wegen Valkyrie-Zahlungen

Aston Martin geht gerichtlich gegen ein Unternehmen vor, dessen Vorstandsmitglieder 2019 mit einem eigenen Team in der DTM antraten. Es geht um hohe Summen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Aston Martin hat in der Schweiz einen Antrag auf strafrechtliche Verfolgung sowie eine parallele Zivilklage gegen die Vorstandsmitglieder der Nebula Project AG eingereicht. Dabei handelt es sich um Florian Kamelger und Andreas Baenziger, die 2019 mit dem privaten Team R-Motorsport in Zusammenarbeit mit der HWA AG mit Aston-Martin-Autos in der DTM antraten und sich nach nur einem Jahr zurückgezogen hatten.

In dem Gerichtsverfahren solle laut Aston Martin "potenziell kriminelles Verhalten" untersucht werden, nachdem die Nebula Project AG finanzielle Einlagen von Kunden für das Valkyrie-Sportwagen-Projekt nicht an Aston Martin bezahlt habe.

Aston Martin prognostizierte in diesem Zuge einen Verlust von bis zu 21 Millionen US-Dollar in Folge zurückgehaltener Zahlungen seitens der Nebula Project AG für das Geschäftsjahr 2021 und gab eine Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen bekannt.

Gleichzeitig beendete Aston Martin seine Händlervereinbarungen mit der AF Cars AG, einem Unternehmen, das Aston Martin St. Gallen in der Schweiz betreibt und von denselben Vorstandsmitgliedern (Kamelger und Baenziger) wie die Nebula Project AG geführt wird. Laut Aston Martin seien Fahrzeuge unter Verstoß gegen getroffene Vereinbarungen verkauft worden. Kamelger und Baenziger hatten sich im Mai 2020 aus dem operativen Tagesgeschäft des Luxus-Autohauses in Niederwil zurückgezogen.

Nebula Project AG überrascht und enttäuscht

In einem Statement zeigte sich die Nebula Project AG "überrascht und enttäuscht über den aggressiven Ton" seitens Aston Martin. Man halte die "angebliche einseitige Beendigung des Vertragsverhältnisses mit der Nebula Project AG durch Aston Martin" für unrechtmäßig und ungerechtfertigt.

Und weiter: "Die Nebula Project AG ist in gutem Glauben in die Vereinbarung mit Aston Martin bezüglich der Valkyrie und anderer Mittelmotorprogramme eingetreten und hat ihre Verpflichtungen als Mitinitiator des besagten Projekts stets in Übereinstimmung mit den bestehenden Vereinbarungen mit Aston Martin erfüllt." Die Nebula Project AG behalte sich rechtliche Schritte vor.

Nebula sollte Valkyrie-Projekt finanziell unterstützen

Beim Aston Martin Valkyrie handelt es sich um einen Supersportwagen aus der Feder von Formel-1-Designer Adrian Newey, auf dessen Basis ein Hypercar-Engagement bei den 24 Stunden von Le Mans angestrebt war. Aston Martin hatte sich nach dem angekündigten Engagement jedoch vorzeitig zurückgezogen und den Fokus laut eigener Aussage stattdessen auf das Formel-1-Programm gelegt.

2016 schloss der Vorstand von Aston Martin unter dem ehemaligen Vorsitzenden Andy Palmer eine Vereinbarung mit der Nebula Project AG, die Entwicklung des Valkyrie und weiterer Mittelmotor-Autos finanziell zu unterstützen. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten für Aston Martin sollte Nebula im Gegenzug Lizenzzahlungen erhalten. Laut Aston Martin würden im Zuge der Beendigung der Zusammenarbeit nun keine möglichen Lizenzzahlungen mehr ausgezahlt werden.

Das Kundengeschäft mit dem Valkyrie wolle Aston Martin nun selbst in die Hand nehmen, statt es an Dritte abzugeben. Die ersten Fahrzeuge sollen in der zweiten Jahreshälfte an Kunden ausgeliefert werden.

HWA gibt zweistelligen Millionenverlust an

R-Motorsport unter Kamelger und Baenziger hatte seine Motorsportaktivitäten nach dem DTM-Aus in der Folge mit Verweis auf die Corona-Pandemie weitestgehend eingestellt. Das Joint Venture zwischen AF Racing (R-Motorsport) und der HWA AG unter dem Namen Vynamic blieb nicht ohne Folgen.

Der HWA AG sei laut eigenen Angaben im Februar 2020 ein Kostenaufwand entstanden, "der nach aktuellem Stand von den Partnern in der DTM nicht kompensiert wird. Den in der HWA AG entstandenen Verlust des DTM Projektes trägt demnach die HWA AG alleine, was insgesamt einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag ausmacht." Damals verfolgte der HWA-Vorstand die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen.

Diese wies AF Racing/R-Motorsport zurück und teilte gegenüber Motorsport-Magazin.com unter anderem mit: "Die AF Racing AG hat keine Verpflichtungen gegenüber der HWA aus dem DTM-Engagement. Und die Vynamic GmbH, welche in der DTM engagiert war, ist ein Gemeinschaftsunternehmen von HWA und der AF Racing AG, bei dem beide Gesellschafter gleichermaßen in der Verantwortung stehen. Wenn aus dem Vynamic Joint Venture ein Verlust entsteht, trifft das beide Partner gleichermaßen."


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