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Aston Martins DTM-Einstieg 2019: 10 Fragen und Antworten

Was genau steckt hinter dem DTM-Engagement von Aston Martin? Wie ist das Team aufgestellt und welche Fahrer gehen an den Start? 10 Fragen und Antworten.
von Robert Seiwert & Arno Wester

1. - Wann steigt Aston Martin in die DTM ein?

Aston Martin gab den DTM-Einstieg im Rahmen des Saisonfinales 2018 in Hockenheim schon zur Saison 2019 bekannt - und nicht, wie lange Zeit angenommen, erst zum Jahr 2020. Mit Aston Martin hat DTM-Chef Gerhard Berger den erhofften Nachfolger für Mercedes-Benz gefunden. Der schwäbische Autobauer scheidet nach 30 Jahren aus der DTM zugunsten der Formel E (Werkseinstieg zur Saison 2019/20) aus.

Mit der britischen Premiummarke ist auch der Verbleib von Audi und BMW in der DTM gesichert. Die beiden deutschen Hersteller hatten sich auf ein Übergangsjahr 2019 verständigt mit der Voraussetzung, dass ab 2020 ein dritter Hersteller hinzustoßen muss. Sprich: Mit dem Puzzleteil Aston Martin ist die Zukunft der DTM vorerst gesichert.

2. - Steigt Aston Martin als Werksteam in die DTM ein?

Nein. Aston Martin bewältigt das DTM-Engagement nicht mit einem eigenen Werksteam, sondern hat die Lizenz an die AF Racing AG vergeben. Und R-Motorsport mit Sitz in Niederwil in der Schweiz ist die Rennsport-Marke der AF Racing AG, die unter anderem zusammen mit Aston Martin Lagonda Ltd. und Red Bull Technologies in das Hypercar-Projekt namens Aston Martin Valkyrie involviert ist.

Es handelt sich also um ein privates Team, das unter der Lizenz von Aston Martin in der DTM antritt.

AF Racing-Mitbegründer und R-Motorsport Teamchef Florian Kamelger zu Motorsport-Magazin.com: "Es ist nicht schwierig, das Konstrukt zu erklären. Die Aston-Martin-Fahrzeuge werden betreut von einem Team, das R-Motorsport heißt. Wir sind da Vorreiter in eine Richtung, wo das Team wieder mehr in den Fokus rückt."

R-Motorsport hat sich in diesem Jahr in der Blancpain GT Series bereits einen Namen gemacht. In der GT3-Sportwagenserie trat die Mannschaft mit dem Aston Martin Vantage V12 GT3 an und erzielte drei aufeinanderfolgende Pole Positions, unter anderem beim 24h-Rennen in Spa-Francorchamps. Zudem feierte R-Motorsport einen Sieg in Silverstone.

Die Zukunft der DTM: Neuer Name, Aston Martin & Co: (09:36 Min.)

3. - Wieso steigt Aston Martin jetzt ein?

Das Zauberwort lautet: Internationalisierung. Die neue, globale Ausrichtung der DTM war die Voraussetzung für den Einstieg von Aston Martin. Der Zeitpunkt ist ideal, denn ab 2019 kommt in der DTM, die 2020 einen neuen Seriennamen erhält, das Class One-Reglement zum Einsatz. Die V8-Motoren werden durch leistungsstärkere Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotoren ersetzt. Durch die neuen Regeln können Hersteller ihre Rennwagen unter gleichen Bedingungen künftig in Rennserien weltweit einsetzen. Der Kontakt zwischen DTM-Boss Gerhard Berger und R-Motorsport kam übrigens durch Red-Bull-Teamchef Christian Horner und Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko zustande.

4. - Was hat HWA mit dem Projekt zu tun?

Das erfolgreichste Team in der DTM-Geschichte bleibt der Rennserie auch nach dem werksseitigen Ausstieg von Mercedes-Benz erhalten. Die Mannschaft aus Affalterbach unterhält ein Joint Venture mit der AF Racing AG, das unter anderem das DTM-Projekt beinhaltet. So ist die Joint-Venture-Partnerschaft von HWA und AF Racing, in welche beide ihre Expertise einbringen, für die Entwicklung, Aufbau und den Einsatz der DTM-Rennwagen von Aston Martin verantwortlich.

"Hintergrund dieses Joint Venture war nicht die DTM, sondern eine Innovationspartnerschaft", erklärt Kamelger bei Motorsport-Magazin.com. "Die Strategie dahinter ist viel breiter. Dass damit eine perfekte Plattform gesetzt war, um die DTM in Betracht zu ziehen, ist völlig klar. Für uns stand fest, dass wir den Einsatz der Fahrzeuge mittels des Joint Venture durchführen würden."

5. - Wie viel Aston Martin steckt im DTM-Auto drin?

Optisch wird ein Aston Martin Rennwagen im DTM-Silhouette-Design des Typs 'Vantage' an den Start gehen. Unter der Haube steckt dann ein Aston Martin DTM-Motor. Den ab 2019 zum Einsatz kommenden Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotor entwickelt im Rahmen des Joint Ventures der Partner HWA. Die erfolgreiche Mannschaft von Firmengründer Hans Werner Aufrecht, die in ihrer letzten DTM-Saison alle drei Titel holte, hat bis Ende der abgelaufenen Saison die DTM-Autos von Mercedes-Benz aufgebaut und für die Einsätze vorbereitet. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind aufgrund der vielen Einheitsbauteile in der DTM beschränkt.

6. - Mit wie vielen Autos ist der DTM-Einsatz geplant?

Mittelfristig ist der Einsatz von bis zu vier Vantage geplant. Vor allem, weil der Einstieg ja eigentlich erst für 2020 geplant gewesen war.

Kamelger: "Anfangs hatten wir uns nur mit 2020 beschäftigt. Unter dem Aspekt des perfekten Partners im Joint Venture haben wir das überdacht und die Vor- und Nachteile abgewogen. Und gesehen: 2019 macht Sinn und ist in diesem Kontext realistisch. Auch in dem Gesamtkontext, wettbewerbsfähig zu sein. Wir machen unsere Hausaufgaben."

Laut Informationen von Motorsport-Magazin.com plant R-Motorsport möglicherweise schon beim Saisonauftakt 2019 in Hockenheim (3.-5. Mai) mit zwei Aston Martin Vantage an den Start zu gehen. Die beiden weiteren Autos sollen in der zweiten Jahreshälfte zum Einsatz kommen. Es wird spekuliert, dass ein perfekter DTM-Event für den ersten Auftritt eines möglichen Aston-Martin-Quartetts das Saisonhighlight auf dem Nürnberger Norisring wäre (5. bis 7. Juli). Aber das wird seitens R-Motorsport nicht bestätigt.

R-Motorsport sorgte schon in der Blancpain GT Series für Aufsehen - Foto: Nick Dungan

7. - Welche Fahrer gehen für Aston Martin an den Start?

Das ist offiziell noch nicht bekannt. Der von einigen Medien spekulierte Lucas Auer wird seitens R-Motorsport nicht bestätigt. Vielmehr liebäugelt der Österreicher stattdessen nach Informationen von Motorsport-Magazin.com mit einem Renn-Engagement in Japan. Gute Chancen werden dagegen dem früheren DTM-Champion und Mercedes-Werksfahrer Paul Di Resta sowie dem ehemaligen BMW-DTM-Pilot Maxime Martin eingeräumt. Jedoch gehört der Belgier zum Werkskader von Aston Martin und geht in der WEC an den Start.

Weitere spannende Namen kursieren rund um das DTM-Projekt von R-Motorport: Für die Schweizer Mannschaft sind 2018 unter anderem Marvin Kirchhöfer (2015 DTM-Test mit Mercedes), der Österreicher Dominik Baumann (Blancpain-Meister 2016 als AMG-Fahrer) und Aston-Martin-Werksfahrer Nicki Thiim im Einsatz gewesen. Aber Motorsport-Magazin.com hat erfahren, dass die im Aston-Martin-Werkskader unter Vertrag stehenden Fahrer nur dann in Betracht kämen, wenn für sie seitens Aston Martin für 2019 kein Werkseinsatz vorgesehen wäre.

Aston Martin in der DTM 2019: Das sagen Gerhard Berger und Co.: (02:05 Min.)

8. - Wer ist Teamchef beim DTM-Projekt?

Teamchef von R-Motorsport ist Dr. Florian Kamelger. So war es auch bei seinen Einsätzen in der Blancpain GT Series. Der 42-Jährige verfügt zwar über keine langjährige Erfahrung als Teamchef, aber er wird sich auf das sehr erfahrende Team des Joint Ventures verlassen können.

Was seine eigene Erfahrung in Teamleitungsfragen anbelangt, so kann er aber auf einige Renneinsätze bei den 24h Nürburgring und in Spa zurückblicken. Außerdem ist Kamelger sporadisch selber als Rennfahrer aktiv. Am 16./17. November tritt er beispielsweise mit seinem Geschäftspartner Dr. Andreas Baenziger und Marvin Kirchhöfer beim Saisonfinale der Creventic-Series in Austin, Texas an und bestreitet auf dem Circuit of the Americas das dortige 24h-Rennen.

Kamelger zu Motorsport-Magazin.com: "Es gibt im internationalen Spitzen-Motorsport viele Beispiele bei Führungsstrukturen von Teams, die ähnlich aufgestellt sind. Es ist wichtig, Führungs- und unternehmerische Erfahrung zu haben. Und es ist wichtig, die nötige Empathie mitzubringen. Außerdem holen wir auf allen Feldern, die wir beackern, die perfekten Partner ins Boot."

R-Motorsport Teamchef Florian Kamelger mit DTM-Boss Gerhard Berger - Foto: DTM

9. - Wie wird das Team heißen?

Das ist offiziell noch nicht bekannt. Laut Informationen von Motorsport-Magazin.com wird das Team R-Motorsport heißen und eingesetzt durch das Joint Venture zwischen der AF Racing AG und HWA. Der Name des Joint Venture-Unternehmens soll noch vor Jahresende bekanntgegeben werden.

10. - Wo befindet sich der Sitz des DTM-Teams?

Wie Motorsport-Magazin.com erfahren hat, wird das für das DTM-Projekt verantwortliche Rennteam am Sitz des Joint-Ventures in Deutschland untergebracht sein. AF Racing ist übrigens der Motorsport-Arm von Aston Martin St. Gallen in Niederwil - dem einzigen exklusiven Aston Martin Händlerstützpunkt in der Schweiz.


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