DTM

Für DTM-Einstieg? HWA und AF Racing planen Partnerschaft

HWA könnte auch nach dem Mercedes-Ausstieg in der DTM bleiben. Partnerschaft mit AF Racing als Grundstein für gemeinsames DTM-Projekt mit Aston Martin?
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Das riecht nach dem erwarteten Einstieg von Aston Martin und dem Verbleib von HWA in der DTM: Am heutigen Donnerstag gaben die HWA AG und die AF Racing AG die geplante Gründung eines Joint Venture, also eines gemeinsames Unternehmens, offiziell bekannt.

AF Racing ist eine Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz und unter anderem mit dem Rennteam R-Motosport in der Blancpain GT Series aktiv - dem Team, das 2020 zusammen mit Aston Martin, Red Bull und HWA in die DTM einsteigen könnte.

Mit der HWA-Partnerschaft scheint nun der Grundstein gelegt worden zu sein, auch, wenn von 'DTM' in der Adhoc-Meldung nichts zu lesen ist. Ziel sei die Entwicklung einer strategischen Innovationspartnerschaft für Entwicklungsprojekte im Automobil-Rennsport sowie im Automotivbereich allgemein. Die Stärken der AF Racing AG und der HWA AG sollen in einem neu zu gründenden Unternehmen gebündelt werden, heißt es.

HWA als Chassis-Partner für DTM?

Vergangene Woche gab es Berichte, wonach HWA den Aufbau des Chassis für ein Aston-Martin-Projekt in der DTM übernehmen könnte. Zudem stünde der langjährige Mercedes-Partner nach dem DTM-Ausstieg der Stuttgarter zum Jahresende mit seinem umfassenden Knowhow zur Verfügung.

Mercedes-DTM-Teamchef Uli Fritz, gleichzeitig im Vorstand der HWA AG neben Hans Werner Aufrecht, hatte ein weiterführendes Engagement in der DTM nicht ausgeschlossen. Kommt es tatsächlich zum gemeinsamen DTM-Projekt mit R-Motorsport beziehungsweise AF Racing, würde Fritz auf ein bekanntes Gesicht treffen: Wolfgang Schattling, 25 Jahre lang Leiter der Motorsport-Kommunikation von Mercedes unter Norbert Haug, ist inzwischen Pressesprecher von R-Motorsport.

Fritz: Kombination bietet großes Potenzial

"Das Marktumfeld der HWA AG und der internationale Motorsport im Speziellen entwickeln sich aktuell rasant", wurde Uli Fritz in der Pressemitteilung an diesem Donnerstag zitiert. "AF Racing ist ein junges und gleichermaßen hochdynamisches Unternehmen welches nach neuen Wegen strebt. Die Kombination mit der jahrzehntelangen Erfahrung der HWA AG im internationalen Motorsport bietet großes Potenzial, welches wir durch Gründung unseres gemeinsamen Joint Venture Unternehmens erschließen wollen."

AF Racing beziehungsweise R-Motorsport startet aktuell in der Blancpain GT Series, dieses Wochenende bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps, mit Rennwagen von Aston Martin. Nachdem DTM-Chef Gerhard Berger zuletzt Gespräche mit potenziellen Neueinsteigern, darunter Aston Martin, Maserati und Lexus, bestätigt hatte, liegt ein gemeinsames DTM-Projekt von R-Motorsport und HWA nahe.

Berger wünscht sich für die Zukunft ein Einsatz von werksunterstützten Privat-Teams in der DTM, auch Audi und BMW führen bereits Gespräche mit möglichen Partner-Teams.

Aston Martin x Red Bull x HWA x R-Motorsport x Honda?

Aston Martin könnte, wie bereits berichtet, in Zusammenarbeit mit Red Bull in der DTM ab 2020 an den Start gehen. R-Motorsport wäre das Einsatzteam der Wahl. Beide Parteien arbeiten schon in der Blancpain-Serie zusammen. Es gibt sogar Gerüchte, wonach die Briten schon 2019 einen Gaststart in der Tourenwagenserie absolvieren könnten.

Die Chassis für den neuen DTM-Rennwagen würde der neue AF-Racing-Partner HWA bauen. Dr. Andreas Baenziger, Mitinhaber der AF Racing AG sagte: "Die HWA AG ist in der DTM und im GT-Sport seit Jahrzehnten äußerst erfolgreich. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Bau von Rennfahrzeugen und auch in der Entwicklung von Sondermodellen im Segment High Performance Straßenfahrzeuge. Das ist für unser neues Joint Venture die ideale Grundlage, sich zu einer erfolgreichen Technologie-Firma zu entwickeln."

Die ab 2019 in der DTM eingesetzten 2-Liter-Turbomotoren könnten von Honda kommen. Die Japaner fahren in der japanischen Super GT bereits mit dem Class-One-Motor und liefern ab 2019 auch Motoren an das Formel-1-Team von Red Bull - dessen Titelsponsor Aston Martin ist. Aston Martin selbst setzt im Motorsport eher auf Aggregate mit großem Hubraum, da würde der Griff zu Honda-Turbos durchaus Sinn ergeben.

Dr. Florian Kamelger, Mitinhaber der AF Racing AG und Teamchef von R-Motorsport: "Die Gründung des Joint Ventures mit der HWA AG eröffnet ganz neue Möglichkeiten der strategischen Weiterentwicklung unseres Unternehmens, sowohl im Rennsport wie auch im übrigen Automobilbereich. Unser wichtigstes Ziel ist, uns im internationalen Automobilsport fest zu etablieren und durch Erfolge die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit auf den Ebenen Entwicklung und Produktion für unsere unterschiedlichen Partner unter Beweis zu stellen."

Eine konkrete Zusammenarbeit der Parteien Aston Martin, AF Racing und Red Bull gibt es schon jetzt: AF Racing ist gemeinsam mit Aston Martin und Red Bull Technologies strategischer Partner des Hyper-Sportwagenprojekts Aston Martin Valkyrie aus der Feder von Design-Genie Adrian Newey, der in der Formel 1 für Red Bull jahrelang Chassis konstruierte.

Das Prestige-Projekt: Aston Martin Valkyrie - Foto: Aston Martin

Erfolgstruppe aus Affalterbach

Die 1998 gegründete HWA AG besitzt eine lange Tradition im Motorsport. Das Unternehmen betreut im Auftrag der Motorsportabteilung der Daimler AG als Full-Service-Anbieter das DTM-Engagement der Marke mit dem Stern. So zeichnet HWA auch in der 30-jährigen DTM-Jubiläumssaison von Mercedes-AMG Motorsport im Jahr 2018 für die komplette Entwicklung und den Aufbau der DTM-Fahrzeuge mitsamt Motoren, sowie alle weiteren Aufgaben im Zusammenhang mit dem Betrieb des Rennteams verantwortlich.

Ein Blick in die Statistikbücher zeigt: HWA ist das erfolgreichste Team der DTM-Geschichte. Seit dem werksseitigen Einstieg in die DTM sammelte das Mercedes-AMG Motorsport DTM Team zehn Fahrer-, 13 Team- und sechs Marken-Titel. Im gleichen Zeitraum gewannen Mercedes-AMG Motorsport DTM-Fahrer 182 Rennen, darunter 105 Doppelsiege.


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