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DTM

DTM Electric mit 1.200 PS: Elektro-Sound sorgt für Diskussionen

Der 1.200-PS-Prototyp sorgt beim DTM-Finale in Hockenheim für großes Staunen. Wie in der Formel E: Der Elektro-Sound löst emotionale Diskussionen aus.
von Robert Seiwert
DTM Electric: So sieht das 1.200-PS-Rennauto aus: (01:03 Min.)

Da schaute auch Gerhard Berger von der Boxenmauer ganz genau hin, als es beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim plötzlich mächtig qualmte. Eine riesengroße Rauchschwade stieg auf der Start/Ziel-Geraden empor, nachdem Daniel Abt mit dem 1.200 PS starken Elektro-Prototypen soeben einen Kavaliersstart fabriziert hatte.

Der Reifen-Nebel als Sinnbild: Dieses von Schaeffler aufgebaute Demo-Fahrzeug hat mächtig Qualm auf der Kette! Zuvor hatte Abt die DTM-Boliden von Rene Rast, Nico Müller und Co. in die Startaufstellung geführt. Eine Einführungsrunde mit Hintergrund: Ab 2023 könnte eine neue Rennserie mit dem Namen DTM Electric die ITR-Plattform ergänzen.

Dass es Schaeffler gelungen war, diesen Silhouetten-Prototypen rechtzeitig zum Finale auf dem Hockenheimring fertigzustellen, sorgte für große Begeisterung im Fahrerlager. Und die Bilder von Abt, Timo Scheider, Sophia Flörsch oder auch Hans-Joachim Stuck am Steuer des PS-Monsters sorgten für rege Diskussionen in den sozialen Medien.

Auf der einen Seite Respekt vor der brachialen Leistung des Demo-Fahrzeuges, auf der anderen Seite Skepsis bezüglich des Sounds. Mit dem 1.200-PS-Auto ist die Diskussion erneut aufgeflammt, die schon die 2014 gegründete Formel E begleitete: Elektro-Motorsport polarisiert nicht zuletzt wegen seiner ungewohnten Geräuschkulisse.

Scheider wünscht sich Elektro-Sound

"Ich wäre ein Fan davon, dem Auto einen Klang zu verleihen, der einen guten Elektro-Sound auch nach außen transportiert", sagte Timo Scheider zu Motorsport-Magazin.com. Der zweifache DTM-Champion fuhr am Donnerstag die Weltpremiere im E-Rennwagen. "Da ist eine Menge Potenzial und das Thema Sound ist wichtig für die Fans. Wenn es einen coolen Klang gäbe, würde es wahrscheinlich gar keinen Aufschrei geben."

Scheider wunderte sich, warum sich speziell im Motorsport noch keine Kommission mit dem Sound für elektrische Rennserien beschäftigt hat. In der Serienentwicklung ist das inzwischen ein fester Bestandteil der Entwicklung, so engagierte etwa BMW einst den Hollywood-Komponisten Hans Zimmer für die Kreation einer einzigartigen Geräuschkulisse für Elektro-Autos.

"Es sollte eine Perspektive für einen neuen Sound - keine Motorsound-Kopie - geben, der draußen geil klingt. Wenn das noch hinzukommt, ist das die Zukunft zu 100 Prozent", war Scheider sicher. Neben Scheider drehte auch Nachwuchspilotin Sophia Flörsch am Donnerstag erste Runden mit dem Prototypen, der in der kommenden Zeit kontinuierlich weiterentwickelt werden soll.

Die Beschleunigung des Schaeffler-Prototypen ist brachial - Foto: Toni Alex

Flörsch: Eigentlich hört sich das Auto geil an

Schaeffler-Botschafterin Flörsch zu Motorsport-Magazin.com: "Zuerst ist Timo das Auto gefahren. Als er an mir vorbeifuhr, klang es ein bisschen wie ein Düsenjet. Das Auto ist halt elektrisch und du hörst nicht diese Puffs und Paffs, also laute Motorgeräusche. Aber eigentlich hört sich das Auto geil an. Klar, wenn du ein totaler Petrol-Head bist, wird dich der Sound vielleicht stören."

Die Geräusch-Kulisse ist längst auch in den Führungsetagen ein Thema. Einigkeit herrscht darin, dass der Sound von Elektro-Rennwagen keine Kopie des klassischen Verbrenners a la V8 sein darf.

Racing-Fan will nicht nur Speed sehen

"Mit einem E-Sound kann man eine futuristische Herangehensweise zeigen", sagte der scheidende BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. "In Science-Fiction-Filmen haben diese Gleiter ja auch so einen Warp-Sound. Als Racing-Fan will man nicht nur den Speed sehen, da müssen mehrere Rezeptoren aktiviert werden."

Audi-Motorsportchef Dieter Gass: "Wenn du tollen Motorsport bietest - und mit 1.200 PS besteht daran kein Zweifel - ist das ein Spektakel, an dem die Menschen interessiert sein können. Ich bin mit Verbrennern aufgewachsen und das Geräusch ist ein wichtiger Punkt. Wir verbinden den Sound noch mit Emotionen, aber so langsam schwindet das. Junge Menschen wachsen mit anderen Dingen auf und kennen das nicht. In der Formel E sind die Rennen auch ohne den traditionellen Sound, aber es kommen Zuschauer und die Rennen sind meist von guter Qualität."


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