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DTM: Internet-Probleme! BMW-Chef verpasst Glock-Sensation

Timo Glock gelingt beim DTM-Qualifying in Zolder eine kleine Sensation. Unübliche Reifen-Strategie, Motor-Rätselraten und Home-Office-Probleme beim Chef.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Geschlagene 428 Tage musste BMW auf die nächste Pole Position in der DTM warten, bis schließlich Timo Glock die Münchner im Sonntags-Qualifying im belgischen Zolder erlöste. Ein schon fast historischer Moment in der Tourenwagenserie, nachdem Audi das Geschehen unter dem kurzlebigen Class-1-Reglement mit den Turbo-Autos fast nach Belieben dominiert.

Und ausgerechnet diesen Moment verpasste BMW Motorsport-Direktor Jens Marquardt! Als Glock die Pole Position auch mittels einer unüblichen Reifen-Strategie perfekt machte, streikte beim Sportchef in München das Internet.

Marquardt, der im Gegensatz zu Audi-Motorsportchef Dieter Gass nicht nach Zolder gereist ist, konnte das Qualifying nicht per Livestream verfolgen, sondern musste auf den internen Ergebnis-Dienst warten, um zu sehen, dass Glock und Sheldon van der Linde soeben die erste Startreihe für die eigene Mannschaft herausgefahren hatten.

Marquardt in einer kleinen Medienrunde wenige Minuten nach dem Qualifying, als sein Internet wieder funktionierte: "Mit den BMW-Regeln hätte ich eine Heim-Quarantäne machen und zwei negative Tests vorweisen müssen, um nächste Woche wieder im Büro sein zu können. Das hätte die ganze Woche gekostet. Deshalb habe ich entschieden, dass es besser ist, das Geschehen von München zu verfolgen. Beim Event selbst ist meine Beteiligung ohnehin sehr limitiert und den Input kann ich auch von zuhause geben."

Vom heimischen Kommandostand sah (oder auch nicht) Marquardt, dass Glock wie am Vortag eine spezielle Taktik im Qualifying nutzte. Anstatt während der 20-minütigen Session zur Mitte einen Wechsel auf frische Hankook-Regenreifen einzulegen, absolvierte er das gesamte Qualifying auf einem einzigen Satz. Diese Strategie hatte den früheren Formel-1-Fahrer schon am Samstag zum zweiten Startplatz geführt.

BMW-Markenkollege Sheldon van der Linde tat es Glock gleich und wurde mit dem zweiten Platz belohnt, während etwa der Drittplatzierte Rene Rast nach sechs Runden einen Reifenwechsel samt angepasster Drücke einlegte. Neben Glock und van der Linde entschied sich nur Philipp Eng ebenfalls für eine 'Null-Stopp-Strategie', kam aber nicht über den vorletzten Platz hinaus.

"Meine Ingenieure haben sich nicht beirren lassen von Aussagen, zwei Reifensätze zu nutzen", sagte Glock im Anschluss. "Bei uns war heute alles auf dem Punkt." In Zolder feierte er seine sechste DTM-Pole im 125. Anlauf, zuletzt hatte Glock am 06. Mai 2018 in Hockenheim auf dem ersten Startplatz gestanden - und sich im Anschluss ein episches Duell mit Mercedes-Pilot Gary Paffett geliefert.

In Zolder herrschten unübliche Verhältnisse auf dem neuen Asphaltband. Obwohl es nicht regnete, trocknete die Strecke nur langsam auf. Üblicherweise werden die Rundenzeiten bei solchen Verhältnissen im Verlauf der Session wesentlich schneller. Rene Rast vermutete, dass die starke Sonneneinstrahlung dazu führte, dass die Drücke auf dem zweiten Reifensatz nicht mehr optimal waren.

Marquardt versicherte, dass die BMW-Teams bei ihrer Qualifying-Strategie freie Wahl hatten: "Wir von unserer Seite würden das nicht beeinflussen. Wir arbeiten im Hintergrund. Wir haben alle herausgefunden, dass es mehr Zeit benötigt, um die Reifen ans Laufen zu bekommen und die Achsen auszubalancieren. Das müssen die Teams vor Ort entscheiden und es ist auch nicht bei jedem Fahrer gleich."

Unstimmigkeiten gab es unterdessen über den Zustand von Glocks Motor. Nach Platz vier im Samstagsrennen hatte er davon gesprochen, ein frisches Aggregat in seinem BMW M4 zu haben. "Ein frischer Motor hilft sicherlich generell, das Gefühl war ab der ersten Runde gut."

Marquardt zeigte sich dazu zurückhaltend und erklärte: "Er fühlt, was immer er im Auto fühlt. Wir hatten die Motoren auf dem Dyno. Da war definitiv nichts anders zu dem Motor, der vorher im Auto war. Was er mit der Rückmeldung meinte, bezog sich vielleicht auf die Peripherie mit dem Turbo und dem Wastegate. Vielleicht ist sein jetziges Paket responsiver, aus welchen Gründen auch immer. Auf dem Dyno schaust du nach maximaler Leistung, Drehmomentkurven und so weiter. Aus diesem Blickwinkel ist mit dem Motor alles absolut in Ordnung."


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