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DTM - Rene Rast: Hat ihm der Formel-E-Ausflug mehr geschadet?

DTM-Meister Rene Rast schlägt in der Lausitz nach hartem Start mit einem Sieg zurück. Hat ihm der Formel-E-Marathon mehr geschadet als Müller und Frijns?
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Zehn Rennen innerhalb von nur 16 Tagen: Rene Rast, Nico Müller und Robin Frijns haben einen echten Motorsport-Marathon hinter sich. Zwei DTM-Rennen in Spa-Francorchamps, gefolgt von sechs Formel-E-Rennen beim Saisonfinale in Berlin und im direkten Anschluss das zweite DTM-Wochenende auf dem Lausitzring - langweilig wurde es dem Audi-Trio nicht bei den Einsätzen in unterschiedlichen Rennserien und bei verschiedenen Teams.

Die Bilanz nach dem Mammutprogramm konnte sich auf dem Lausitzring sehen lassen: Müller gewann am Samstag sein drittes Saisonrennen in Folge, sonntags siegte Rast im knappsten Zieleinlauf seit 24 Jahren vor dem Schweizer und Frijns fuhr in beiden Qualifyings am Wochenende auf die Pole Position.

Müller, Rast und Frijns liegen auch in der Meisterschaft auf den vorderen drei Plätzen. Angesichts der Erfolge könnte man zum Schluss kommen, dass der Wechsel zwischen DTM und Formel E in extrem kurzer Zeit keine Herausforderung für die Audi-Profis darstellte. Ein Schönheitsfehler im Gesamtbild fand sich aber doch.

Rast erlebte einen schwierigen Auftakt auf dem Lausitzring mit wenig beeindruckenden Trainingsleistungen und Platz sieben sowohl im Qualifying als auch im Rennen. Ein schlechteres Ergebnis als einen siebten Platz beim Zieleinlauf hatte der 33-Jährige zuletzt am 18. Mai 2019 beim Safety-Car-Chaos im belgischen Zolder erzielt.

Während Müller und Frijns angaben, keine ergebnisbeeinflussenden Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen DTM- und Formel-E-Auto gehabt zu haben, sah das beim zweifachen Champion anders aus. "Die Vorbereitung, die ich benötige, um auf Speed zu kommen, fehlte am Freitag", sagte Rast angesichts der 17 Stunden Zeitspanne zwischen dem letzten Zieleinlauf in Berlin am Donnerstagabend und dem 1. Freien Training in der Lausitz am Freitagmittag.

Der Motorsport-Tausendsassa weiter: "Ich habe viel Zeit in den letzten Wochen investiert, um das Formel-E-Auto zu verstehen und meinen Fahrstil anzupassen. In Berlin habe ich es am Ende richtig hinbekommen, aber dann bist du in der DTM und alles ist anders. Du musst quasi alles löschen, was du in den zwei Wochen davor gelernt hattest. Ich habe mein Feedback gegeben und vielleicht war das falsch. Das könnte ein Grund gewesen sein, warum wir Probleme am Freitag und Samstag hatten."

Während Rast in Berlin zum ersten Mal eines der aktuellen Gen2-Autos der Formel E fuhr, blickt Frijns auf 45 Rennen beim Audi-Kundenteam Virgin Racing zurück. Müller ist seit Jahren in die Entwicklungsarbeit bei Audi eingespannt und gab Ende 2019 sein Renndebüt für Dragon Racing. "Ich bin zum ersten Mal von einem DTM- in ein Formel-E-Auto gewechselt, Nico und Robin haben das schon ein paar Mal gemacht", so Rast.

Interessant: In der Formel E arbeitete Rast mit Abt Sportsline zusammen, die für Audi auch nach der Werksübernahme die Renneinsätze ausführen. In der DTM ist die Truppe aus Kempten mit dem Fahrer-Duo Müller/Frijns aktuell der größte Gegner, während Rast für das Audi Sport Team Rosberg antritt. Personalüberschneidungen zwischen den Abt-Teams in Formel E und DTM gibt es mit Ausnahme von Thomas Biermaier und Florian Modlinger allerdings nicht.

Das Renn-Sixpack in Berlin bei durchweg hochsommerlichen Temperaturen um die 30 Grad inklusive Rennstrecken-Hotel-Isolation sei nicht ganz leicht wegzustecken gewesen, räumte auch Müller ein, aber: "Wir sind es alle gewohnt, vom einen ins andere Auto zu springen, auch, wenn es diesmal ein bisschen eng war. Aber ich bin zufrieden mit unserer Arbeit und was die anderen machen, ist mir egal."

Ähnlich betrachtete es Müllers Teamkollege Frijns, der in Berlin zweimal auf das Podium fuhr und auf dem Lausitzring einen weiteren Podestplatz folgen ließ: "Wir sitzen alle im selben Boot und haben die gleiche Vorbereitung. Das ist nichts, womit man Probleme haben würde."

Nach dem Mammutprogramm kann das Trio nun drei Tage ausspannend, bevor es beim nächsten Rennwochenende auf dem Lausitzring weitergeht. Müller erwartet in dieser Zeit sogar die Geburt seines Kindes. Und Rast sorgte vor der Abreise: "Ich war am 27. Juli zuletzt zuhause. Es wird das Schönste, meine Kinder und Freundin zu sehen. Ich versuche den Motorsport für ein, zwei Tage auf die Seite zu legen."


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