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DTM: Rast boxt sich zum Lausitz-Sieg: Muss halt mehr riskieren

DTM-Spektakel auf dem Lausitzring: Beim Sonntagsrennen schenken sich die Audi-Piloten untereinander nichts. Sieg für Rene Rast und den Sport.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Das Sonntagsrennen der DTM auf dem Lausitzring hatte so ziemlich alles zu bieten, wofür die Tourenwagenserie stehen sollte: harte Zweikämpfe - auch unter Markenkollegen - enge Abstände und packende Schlussspurts.

Für ein Hersteller-Duell auf Augenhöhe reicht es noch nicht, doch mit dem 300. DTM-Podium für BMW sorgte Marco Wittmann beim vierten Audi-Doppelsieg in Folge zumindest für etwas Hoffnung.

Mittendrin im Zweikampf-Spektakel: Rene Rast. Der amtierende Champion musste sich den engsten Sieg in der Geschichte der DTM wortwörtlich hart erkämpfen. Vor allem die anfänglichen Duelle mit Audi-Abt-Pilot Robin Frijns zeigten, dass für Teamorder grundsätzlich kein Platz sein darf in der DTM.

Direkt nach dem Start preschte Rast vom dritten Startplatz vorbei an Nico Müller und nahm Pole-Setter Frijns ins Visier. Beim ersten Duell in Kurve eins behielt der Niederländer die Oberhand, während Rast übers Gras ausweichen musste.

In Runde 7 das gleiche Spiel an gleicher Stelle, diesmal mit dem besseren Ausgang für den DTM-Champion, weil Frijns ihn auf Anweisung der Rennleitung vorbeilassen musste und für seinen Einsatz eine Verwarnung kassierte.

DTM 2020 Lausitzring, Rennen 2: Highlights und Zusammenfassung: (03:58 Min.)

Es war Feuer drin in der Angelegenheit, wie während des Rennens auch aus den jeweiligen Teamfunksprüchen zu entnehmen war. "Manchmal muss ich Druck ablassen, indem ich am Funk zum Team spreche", sagte Rast." Ich meine das nicht böse. Es waren harte Kämpfe, aber am Ende haben wir gutes Racing gezeigt."

Mit fast schon ungewöhnlicher Härte gingen die Audi-Piloten gegeneinander vor, sicherlich in dem Wissen, dank der Überlegenheit gegenüber BMW die großen Punkte abräumen zu können. Dazu zählte auch Rast, der durch seinen nachträglich verlorenen Spa-Sieg weitere Punkte auf Spitzenreiter Müller einbüßte.

Während sich der Schweizer in der letzten Rennrunde ein allzu riskantes Manöver gegen Vordermann Rast sparte, um keinen Ausfall zu riskieren, ging der spätere Sieger im Rennen anders zur Sache. "Nico hatte vor dem Rennen über 40 Punkte mehr als ich, warum sollte er etwas riskieren", stellte Rast später fest. "Ich verstehe es, wenn man da nichts Verrücktes macht. Ich hatte aber Punkte verloren und musste aufholen und deshalb mehr riskieren."

Pole-Mann Frijns zeigte sich überrascht von Rasts robustem Vorgehen nach dem Start: "Ich hatte nicht erwartet, dass er so viel riskiert und es in Kurve 1 auf der Außenseite versucht." Dreimal wechselte die Führung zwischen beiden Audi-Piloten allein innerhalb der ersten neun Runden. "Sie sollten zumindest auf der Strecke bleiben, aber die Show war fantastisch", befand Audi-Motorsportchef Dieter Gass.

Gut für die Show, schlecht für die Reifen: kein Geheimnis, dass die Fahrer üblicherweise nach Möglichkeit versuchen, Duelle zu vermeiden, um die oftmals rennentscheidenden Reifen zu schonen. Dachte offenbar auch Frijns: "Du willst erst mal in einen Rhythmus kommen und fährst nicht Vollgas. Rene fühlte, dass er schneller war und ich habe ihn ziehen lassen."

Der Niederländer, der die Ziellinie nach Reifenproblemen im zweiten Stint als Vierter überquerte, weiter: "Dadurch haben wir einen Vorsprung auf den Rest aufgebaut. Nach ein paar Runden war ich wieder schneller. Ich hatte erwartet, dass ich den Gefallen zurückbekomme - tat ich aber nicht. Ich war überrascht, dass Rene sehr hart verteidigte und mich beinahe in die Boxenmauer gefahren hätte."


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