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DTM-Boss Gerhard Berger trotzt Krise: Aufgeben ist keine Option

Die DTM in der großen Krise: Aufgeben ist für Gerhard Berger aber keine Option. Der Österreicher glaubt weiterhin fest an eine Zukunft der Tourenwagenserie.
von Robert Seiwert
Zurück zu den Wurzeln: Letzte Rettung für die DTM?: (36:25 Min.)

Seit März 2017 lenkt Gerhard Berger als ITR-Vorsitzender die Geschicke der DTM. Bis heute musste der Österreicher zahlreiche Rückschläge wegstecken, angefangen vom angekündigten Mercedes-Ausstieg im Juli 2017 über den schnellen Rückzug von Aston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport Anfang 2020 bis hin zur Corona-Krise und der Beendigung des Audi-Engagements am Ende dieser Saison.

In seiner kurzen Amtszeit wurden Berger einige große Brocken in den Weg gelegt, doch ans Aufgeben denkt der frühere Formel-1-Fahrer auch jetzt nicht. "Momentan stellt sich diese Frage für mich nicht", teilte Berger der dpa am vergangenen Wochenende mit. In einer Video-Botschaft an die DTM-Fans hatte der 60-Jährige bereits angekündigt, sich voll der Saison 2020 widmen zu wollen.

Und trotz der beiden Marken-Ausstiege in diesem Jahr sowie der Corona-Krise glaubte Berger weiterhin fest an eine Zukunft der DTM. "Die Millionen von Fans, die hinter der Plattform stehen" würden ihn zuversichtlich stimmen, die taumelnde wie traditionsreiche Tourenwagenserie wieder tüchtig zu bekommen. Wie genau, das ließ Berger offen. Vieles hänge davon ab, wie die involvierten Partner auf den Audi-Ausstieg reagieren, merkte er im Zuge der Ankündigung an.

An eine DTM in ihrer bisherigen Form ist über 2020 hinaus nicht zu denken. BMW wird als letzter verbliebener Hersteller keine Rennen gegen sich selbst fahren, wie BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich bereits ankündigte. In welche Richtung die seit 1984 ausgetragene DTM künftig tendiert, ist bislang nicht bekannt. Es werde noch eine Weile vergehen, bis eine Entscheidung getroffen werden kann, sagte Berger zuletzt.

Branchen-Kenner rechnen der DTM unter den aktuellen Umständen nur wenige Chancen aus. Vor allem die durch die Coronavirus-Pandemie ausgelösten wirtschaftlichen Schäden stellen die Serie vor eine absolute Herkulesaufgabe. "Ich würde mir gern wünschen, dass es weitergeht", sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass im Exklusiv-Interview mit Motorsport-Magazin.com. "Ich finde nach wie vor, dass in der DTM erstklassiger Motorsport geboten wird. Aber es wird mit Sicherheit sehr, sehr schwierig."

Experten sehen Berger weiterhin als den bestmöglichen Mann für die schwierige Aufgabe, die DTM in die Zukunft zu führen. Er besitzt wegen seiner Motorsport-Historie nicht nur die nötige Strahlkraft, sondern verfügt zudem über ein exzellentes weltweites Netzwerk. Eines, das sowohl den Einstieg von Aston Martin einleitete als auch die Show-Rennen mit der Super GT in Fuji entscheidend vorantrieb.

Auf die Frage, ob er momentan seine schwerste Zeit in der DTM erlebe, antwortete Berger: "Die Unterscheidung zwischen einer schweren oder leichten Zeit habe ich im Laufe meines Sport- und Geschäftslebens so nie getroffen. Es gibt immer Hürden, das ist das Leben. Und wie groß die momentane Hürde sein wird, werden wir jetzt gemeinsam mit den Partnern klären."

Obwohl Berger in der Öffentlichkeit als das Zugpferd der DTM gilt, steht er nicht alleine da. Die Geschäftsführung der DTM-Dachorganisation ITR hat seit 01. Januar 2020 Marcel Mohaupt inne, der auf Achim Kostron folgte. Mohaupt war ab November 2018 als Senior Media & Streaming Strategy Advisor beim Fußball-Weltverband FIFA tätig. Mehr als acht Jahre war er bei der ProSiebenSat.1 Media SE beschäftigt, die mit Sat.1 seit 2018 die DTM-Rennen im Fernsehen ausstrahlen.

"Ich bin mir sicher, dass Gerhard Berger und die ITR dran sind, nach einer Lösung zu suchen", sagte der amtierende und zweifache DTM-Champion Rene Rast im Interview mit Motorsport-Magazin.com. "Ob und wie es weitergeht, da habe ich keine Ahnung. Mich würde es freuen, wenn es mit der DTM weitergehen würde, in welcher Form auch immer."

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