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DTM

Reporter-Legende Rainer Braun: Die DTM muss nicht sterben...

Wie kann es nach dem Audi-Ausstieg weitergehen? Der langjährige DTM-Kommentator und Buchautor Rainer Braun bringt im Gastkommentar eine neue Idee ins Spiel.
von Gastautor Rainer Braun

Motorsport-Magazin.com - Nach dem Audi-Ausstieg zum Jahresende 2020 rückt das zweite schmerzhafte Ende der DTM näher. Was bleibt, ist ein Gemisch aus Hoffnung, Enttäuschung und Trauer. Eine DTM in ihrer bisherigen Form mit Werksbeteiligung wird es angesichts des neuen E-Mobil-Zeitalters wohl nie mehr geben.

Zum zweiten Mal nach 1996 steht die DTM am Abgrund. Eine Rettung ist, wenn überhaupt, nur in anderer Form denkbar. Vielleicht gelingt dem unermüdlich nach Lösungen forschenden ITR-Chef Gerhard Berger noch in einer Last Minute-Aktion die Rettung - eine Möglichkeit wäre der Umstieg auf eine andere Fahrzeug-Kategorie. Aber das wäre nicht mehr die DTM, die von den Fans so geliebt wurde.

Noch sind aber nicht alle Chancen vertan, um vielleicht eine andere, preiswertere und publikumsnahe DTM ab 2021 zu präsentieren. Eine DTM beispielsweise mit jenen Autos, Piloten und der Fan-Kultur, wie es sie schon einmal gegeben hat. Dann aber ohne Werke, nur mit privaten Teams und Piloten, die die DTM-Geschichte der letzten 30 Jahre geschrieben haben.

Rainer Braun mit den Tourenwagen-Ikonen Bernd Schneider und Klaus Ludwig - Foto: Ludwig Haupt

Mit Ex-Werksfahrern, die ihr Geld längst verdient haben und nur noch aus Spaß an der Sache mitmachen. Da würden viele dann in ihren eigenen Autos von einst sitzen und zur Freude tausender Fans in einer Art "DTM Classic" um Ehre und Titel fahren.

Zurück zur Basis, zurück zu jenen DTM-Autos und Piloten, die über Jahrzehnte für Begeisterung und Faszination auf den Tribünen der deutschen und grenznahen Rennstrecken gesorgt haben. Immer wieder höre und lese ich diese Forderungen.

BMW, Volvo, Rover, Ford, Audi, Opel, Alfa, oder Mercedes - alle sind noch da und fahrbereit. Sie befinden sich in Privathand, Classic-Abteilungen der Werke oder im Bestand begüterter Sammler. Allein die aktuelle Rennserie "Tourenwagen Classics" kommt locker auf 30 oder mehr echte DTM-Autos der Jahre 1984 bis 1996 sowie 2000 bis 2008. Und wenn alle für 2020 eingeschriebenen Teams mit ihren DRM-, DTM- und STW-Autos auf einmal antreten würden, stünden 50 und mehr Autos am Start.

Die Tourenwagen Classics im Rahmenprogramm der DTM - Foto: ITR

Die Faszination der DTM ist schon immer von ihren Piloten in bestimmten Autos ausgegangen. So könnten populäre Altstars und Publikumslieblinge wie Roland Asch, Manuel Reuter, Kurt Thiim, Harald Grohs, Bernd Schneider, Jockel Winkelhock, Ellen Lohr, Volker Strycek, Altfrid Heger oder auch Johnny Cecotto, Roberto Ravaglia, Steve Soper, Jockel Winkelhock, Klaus Niedzwiedz & Co. dann in ihren vertrauten Cockpits sitzen und sich mit spätgeborenen Jungtalenten messen.

Ein nettes Beispiel aus der Tourenwagen Classics-Saison 2019: Der 64-jährige Armin Hahne hat sich am Steuer seines ehemaligen Würth-Ford Sierra RS 500 von 1988 den TWC-Titel erkämpft. Und der 40 Jahre jüngere Thomas Schmidt im privaten BMW hatte als Vizemeister nur ein paar Punkte Rückstand. Welch wunderbare Zeitreise - als Hahne in der DTM 1988 seine erfolgreichste Saison hatte, war sein letztjähriger Titel-Kontrahent Schmidt noch längst nicht geboren...

Also, man sollte zumindest mal drüber nachdenken, gegebenenfalls einfache und faire Regeln schaffen und mit klassischen Rennstrecken in Deutschland und dem grenznahen Ausland planen.

Die Boliden der Tourenwagen Classics lassen noch heute Motorsport-Herzen höher schlagen - Foto: ITR

Sicher haben die DTM-Autos zwischen 1984 und 2019 unterschiedliche Leistungs-Potenziale, deshalb sollte man der Chancengleichheit zuliebe vielleicht über zwei oder drei Kategorien und ein Punktsystem nachdenken, mit denen alle gut leben können. Die stärkeren Turbos des jüngeren DTM-Generation könnte man sogar mit ehemaligen DRM-Autos der späten 70er- und frühen 80er-Jahre (auch davon gibt es noch genug Porsche 935 Turbo, Capri Turbo, BMW 320 Turbo) in einer DRM-Turbo-Sonderklasse zusammenfassen. Über Einzelheiten müssten sich die Experten jener Gesellschaft beraten, die als Ausrichter in Frage käme.

Ich finde, es ist den Versuch wert, mit Autos und Akteuren aus den besten DTM-Jahren die alte Faszination und Fan-Begeisterung wiederherzustellen. Wenn ich die exorbitant hohen Klickzahlen für Ausschnitte oder ganze DTM-Rennen der Jahre 1988 bis 1996 in den sozialen Medien sehe, wird mir immer mehr klar, wie groß die Sehnsüchte nach diesen Autos und ihren Akteuren tatsächlich sind.

Und die glänzenden Augen der Zuschauer bei den Tourenwagen-Classic-Rennen der letzten Jahre verfestigen diesen Eindruck noch. Egal ob auf der Tribüne oder im Fahrerlager - die Leute sind einfach nur glücklich mit dem, was sie da zu sehen bekommen.

Einen Versuch wäre das doch allemal wert, bevor am Ende vielleicht gar nichts mehr bleibt.

Über Rainer Braun

Rainer Braun gehört seit vielen Jahrzehnten zum Kreis der qualifiziertesten Motorsport-Fachleute in Deutschland. Der 79-Jährige blickt selbst auf eine Karriere als Rennfahrer zurück, war in den 90er-Jahren die Stimme der DTM und begleitete den Motorsport bei über 1.000 Rennen als Streckensprecher, Autor und Fernseh-Kommentator. Brauns Buchserie mit dem Titel 'Hallo Fahrerlager' zählt schon heute zu den Klassikern der deutschen Motorsport-Literatur.

Zurück zu den Wurzeln: Letzte Rettung für die DTM?: (36:25 Min.)


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