DTM

DTM-Neuling R-Motorsport: Wie viel Aston Martin steckt drin?

R-Motorsport debütiert 2019 in der DTM und geht mit dem Aston Martin Vantage an den Start. Doch wie genau ist das Projekt eigentlich aufgebaut?
von Robert Seiwert & Arno Wester
DTM 2019: Aston Martin greift an!: (08:39 Min.)

Aston Martin, R-Motorsport, AF Racing, Vynamic und obendrein HWA: Die Welt des DTM-Neueinsteigers war bislang von einem Sammelsurium unterschiedlicher Namen und Unternehmen gekennzeichnet. Selbst Medien taten sich zum Teil schwer, die korrekten Bezeichnungen für das Schweizer Rennteam, dessen DTM-Autos in Affalterbach aufgebaut werden, zu wählen.

Zum besseren Verständnis: Das Team wird unter dem Namen 'R-Motorsport' 2019 in die DTM einsteigen. Zum Einsatz kommen Autos basierend auf der Silhouette des Aston Martin Vantage, die vom Joint-Venture-Unternehmen namens 'Vynamic' aufgebaut werden. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss des erfolgreichen Teams HWA aus Affalterbach mit der AF Racing AG, die R-Motorsport als Rennteam betreibt.

Klar ist inzwischen auch, dass R-Motorsport selbst zwar kein Hersteller wie Audi oder BMW ist, das Team in der DTM aber als Hersteller gilt. Möglich macht dies die von Aston Martin exklusiv ausgestellte Lizenz für R-Motorsport, in der Tourenwagenserie Fahrzeuge mit einer Silhouette des Vantage-Modells einzusetzen.

Wichtig: Kein Privatteam in der DTM

"Mit einer exklusiven Lizenz in der DTM gelten wir als Hersteller", erklärt R-Motorsport Teamchef Dr. Florian Kamelger bei Motorsport-Magazin.com. "Wir sind kein Privatteam, das ist wichtig." Heißt also: R-Motorsport ist nicht vergleichbar mit dem anderen DTM-Neuling, WRT. Der belgische Rennstall um Teamchef Vincent Vosse erwirbt zwei Autos von Audi und gilt somit als Kundenteam.

Das nicht unkomplizierte Gebilde rund um R-Motorsport führt zur Frage: Wie viel Aston Martin steckt eigentlich im DTM-Projekt? Kamelger: "In dem Auto ist 100 Prozent Aston Martin drin. Das DTM-Auto ist aufgebaut aus größtenteils Einheitsbauteilen und einer Silhouette, der dem Aston Martin Vantage zugrunde liegen wird. Aus diesem Grund heißt das Auto auch Aston Martin Vantage DTM."

Aston Martin baut Autos nicht selbst

Was dabei zu einigen Verwirrungen führte: Tatsächlich entwickelt und baut der britische Luxus-Sportwagenbauer das Auto nicht selber bei Aston Martin Racing im 100 Kilometer nordwestlich von London gelegenen Banbury auf. Und auch nicht bei der britischen Holding Prodrive Ltd., dessen Gründer und CEO David Richards und ein von ihm geleitetes Konsortium 2007 die Nobelmarke Aston Martin übernommen hat.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass nach Informationen von Motorsport-Magazin.com ausgerechnet Richards das DTM-Projekt verhindern wollte. Der 66-Jährige ist immerhin Chairman & Chief Executive von Aston Martin Racing.

Spektakel hinter den Kulissen

Dagegen steht R-Motorsport, ein noch junges Unternehmen aus dem 1.300 Seelen-Dorf Niederwil in der Nähe von St. Gallen. Hier entstand vor drei Jahren der einzige exklusive Aston-Martin-Händlerstützpunkt in der Schweiz.

Motorsport-Magazin.com durfte einen Blick hinter die Kulissen einer 'neuen Luxus-Welt' der beiden Mediziner Dr. Andreas Baenziger und Dr. Florian Kamelger werfen. Und die ist in der Tat beeindruckend und spektakulär. So unterhalten die beiden Unternehmer in Niederwil beispielsweise einen Car Safe, der fast 100 Luxus-Sportwagen diebstahlsicheres, automatisiertes Parken in sauerstoffreduzierter und damit auch feuerverhindernder Umgebung ermöglicht!

Eines der ultra-seltenen Prachtexemplare: Einer von weltweit nur zwei gebauten Aston Martin DB10, der im 24. Teil der James-Bond-Reihe 'Spectre' über die Filmleinwand düste - und mit rund zehn Millionen Britischen Pfund gehandelt wird!

Das R-Motorsport Aufgebot für die DTM-Saison 2019 - Foto: Hans-Dieter Seufert

Aston Martin aus Affalterbach

Der dazu perfekt passende Partner ist die Vynamic GmbH, das Joint Venture von AF Racing AG und HWA AG. Das noch junge Unternehmen aus Affalterbach entwickelt und baut die Aston Martin Vantage DTM und setzt die vier Autos für R-Motorsport ein. In der Rennszene wird schon gemunkelt: Hier haben sich zwei gesucht und gefunden.

Vergleichbar hatte es in den vergangenen Jahrzehnten schon Mercedes-Benz mit HWA in der DTM gehalten. Das Unternehmen des heutigen CEO Uli Fritz zeichnete seit jeher für den Aufbau und den Einsatz der Rennwagen von Mercedes verantwortlich. Auch bei dieser Partnerschaft hat niemand daran gezweifelt, dass es sich um DTM-Fahrzeuge des Autobauers aus Stuttgart handelte.

Das gilt auch für den neuen Turbomotor, der ebenfalls unter der Leitung von Vynamic - also effektiv HWA - entwickelt und zusammengeschraubt wird. "Der Motor ist ein für Aston Martin gemachter, für das Joint Venture Vynamic hergestellter, Vierzylinder-Turbomotor", erklärt Kamelger. "Ein Aston-Martin-Motor, der wie in so vielen Fällen von einem Zulieferer gebaut wird."

R-Motorsport? Aston Martin?

Bleibt noch die Frage: Wie genau wird das Team R-Motorsport in der DTM bezeichnet? Die Tourenwagenserie wird schließlich seit vielen Jahren stark durch die involvierten Hersteller bestimmt. Da kamen neben den Fahrern auch die tatsächlichen Einsatzteams gern einmal zu kurz.

Kamelger bringt es auf den Punkt: "Zum Schluss macht der Fan die Musik. Und ich glaube, dass der Fan von Aston Martin sprechen wird. Dementsprechend ist es nicht ausschlaggebend, was wir wollen. Ich glaube, wir werden da (in der DTM; d.Red.) Aston Martin sein - und das ist auch gut so.


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