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DTM - Kuriose Aston-Martin-Präsentation: Das steckt dahinter

Kunstwerk statt Rennwagen: Die spezielle DTM-Präsentation von R-Motorsport sorgte für Verwirrung. Motorsport-Magazin.com erklärt die Hintergründe.
von Robert Seiwert & Arno Wester
DTM 2019: Aston Martin greift an!: (08:39 Min.)

Da staunten einige Partner, Fans, Pressevertreter und die vor Ort versammelte DTM-Prominenz nicht schlecht, als die R-Motorsport-Begründer Dr. Florian Kamelger und Dr. Andreas Baenziger das Geheimnis unter dem Tuch lüfteten. Statt eines DTM-Rennwagens wurde den Anwesenden ein - laut Pressemitteilung - ausgefallenes, kunstvoll gestaltetes Modell des Aston Martin Vantage DTM vorgestellt.

Dass DTM-Neueinsteiger R-Motosport bei der Teampräsentation in den Hallen von Aston Martin St. Gallen im schweizerischen Niederwil kein fertiges Rennauto zeigen würde, war den meisten klar gewesen. Darauf hatte das Team, das unter der exklusiven Lizenz der britischen Nobelmarke in die Tourenwagenserie einsteigt, im Vorfeld hingewiesen.

Und doch fielen die Reaktionen der Beobachter bezüglich des Kunstmodells gemischt aus. Vor allem in den sozialen Netzwerken äußerten einige Fans ihren Unmut, hatten sie doch zumindest ein klareres Bild des neuen DTM-Fahrzeugs erwartet, das 2019 gegen die Konkurrenz von Audi und BMW antreten wird.

Für die Fantasie

Stattdessen bekamen sie ein Kunstwerk aus Metall und Kunststoff zu sehen, das im Ansatz die Silhouette eines Aston Martin repräsentierte. Immerhin: Der riesengroße Heckflügel, der bei der neuen Turbo-Generation 520 mm breiter als beim V8-Vorgänger ist und der nun eine Gesamtbreite von 1,90 Meter hat, kam dem Original schon recht nahe. Der Rest - inklusive des neuen Turbo-Motors - blieb wortwörtlich der Fantasie überlassen.

"Sorry, Herr Marquardt, hier gibt es noch nicht so viel zu sehen", sagte R-Motorsport Teamchef Dr. Florian Kamelger mit einem verschmitzten Grinsen in Richtung des BMW Motorsport Direktors, der sich genau wie der anwesende Audi-Motorsportchef Dieter Gass möglicherweise ein etwas deutlicheres Bild des Aston Martin Vantage DTM erhofft hatte.

Ein echter Kracher

"Ein cleverer Schritt", fand ITR-Geschäftsführer Achim Kostron, der ebenso wie Hankook Motorsport Direktor Europa, Manfred Sandbichler, und auch der frühere ITR-Boss Hans Werner Aufrecht zur Präsentation ins kleine Niederwil in der Nähe von St. Gallen gereist war. Kostron weiter: "Ich bin gespannt, wie das echte Modell aussieht. Das hier lässt erkennen, was uns erwartet."

Und das ist nach Informationen von Motorsport-Magazin.com aus HWA-Kreisen eine ganze Menge! Der Tuner aus Affalterbach ist für den Aufbau der Aston-Martin-Rennwagen verantwortlich. Einhellige Meinung: Der Vantage wird optisch ein echter Kracher. Wörtlich heißt es: "Ihr werdet euch wundern!" Und die DTM-Fans sich freuen...

Und sie müssen nicht mehr allzu lange warten, denn in knapp zwei Wochen (vom 5. bis 7. März) trifft das Team R-Motorsport im spanischen Jerez bei einem privaten Hersteller-Test mit dem Aston Martin Vantage DTM erstmals auf die Konkurrenz.

Audi-Motorsportchef Dieter Gass und BMW Motorsport Direktor Jens Marquardt bei der Präsentation in Niederwil - Foto: Hans-Dieter Seufert

Enormer Zeitdruck

Während Audi und BMW bereits Testfahrten in Estoril und Jerez mit den neuen Turbo-Autos absolviert haben, wurde beim Aston Martin nach Informationen von Motorsport-Magazin.com am heutigen Donnerstag zum ersten Mal überhaupt der echte Rennmotor ins Chassis eingelassen.

Ein weiterer Beleg für den enormen Zeitdruck des Unterfangens, innerhalb von rund 100 Tagen ein DTM-Auto aus dem Boden zu stampfen. Der Zeitplan des eigentlich erst für 2020 geplanten DTM-Einstiegs ist genauso eng bemessen wie die Lieferung des Kunstmodells zur Teampräsentation: Das Kunstwerk wurde erst am Morgen vor der Präsentation aus England angeliefert. Mitarbeiter schraubten nur wenige Stunden bevor die Hüllen fielen, noch eifrig den Heckflügel an.

Extrameile für Hockenheim

"Der Druck ist da", bestätigt R-Motorsport Teamchef Kamelger bei Motorsport-Magazin.com. "Es ist aber ein sehr gesunder Druck. Alle ziehen an einem Strang. Jeder Einzelne im Team läuft die Extrameile." Das ist auch dringend nötig angesichts des ambitionierten Vorhabens, schon beim Saisonauftakt in Hockenheim Anfang Mai mit allen vier Aston Martin Vantage aufzuschlagen.

Bestätigen will den Start des Fahrer-Quartetts mit Paul Di Resta, Daniel Juncadella, Ferdinand Habsburg und Jake Dennis am Steuer noch niemand, obwohl aktuell alles nach Plan läuft. Tauchen im weiteren Aufbauprozess jedoch Schwierigkeiten auf, etwa durch fehlende Teile von Zulieferern, könnte das den kompletten Zeitplan über den Haufen werfen - und verhindern, dass R-Motorsport in Hockenheim mit vier Autos am Start ist.

"Der Motor ist auf dem Prüfstand", lässt sich Kamelger entlocken, bleibt aber vorsichtig: "Die Tage am Prüfstand haben Gutes gezeigt. Wir sind soweit, dass wir sehr realistisch daran arbeiten, in Jerez mit dem Auto zu fahren."

Bei all der - sicherlich nicht unberechtigten - Zurückhaltung zeigt Kamelger aber auch ganz klar auf, was er sich mit R-Motorsport in der DTM vorstellt: "Wir können mit diesem Setup ambitiös genug sein, dass wir ins vordere Drittel fahren können. Wir können beim einen oder anderen Rennen auch überraschen."

Die erste Überraschung ist dem Team mit der kuriosen Präsentation des 'Autos' immerhin schon einmal gelungen...


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