DTM

Zanardis DTM-Gaststart: Das Geheimnis hinter der Startnummer 12

Alex Zanardi verrät die besondere Geschichte hinter seiner Startnummer beim DTM-Debüt in Misano. Und: Deshalb hat er BMW ordentlich Druck gemacht.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Alex Zanardi ist doch immer für eine Geschichte gut. So auch vor seinem Gaststart beim DTM-Rennen in Misano vom 24. bis 26. August 2018. Bei seinem Heimrennen tritt der Italiener in einem siebten BMW einmalig an. Zum DTM-Debüt hat sich Zanardi für die Startnummer #12 auf seinem M4 DTM-Rennwagen entschieden. Nicht einfach nur eine Ziffer - dahinter steckt tatsächlich eine besondere Story.

Diese verriet Zanardi nun auf seiner Twitter-Seite. "Warum die Nummer 12", schrieb der 51-Jährige. "Ich war kürzlich in Las Vegas und hatte eine tolle Zeit mit Jimmy Vasser und einigen guten Freunden. Ich erhob mein Glas und versprach, dass ich bald einen Weg finden würde, um unsere Freundschaft zu ehren. Und da ist er: 12 war seine (Vassers;d.Red.) Nummer während seiner gesamten Karriere."

Zanardi und Vasser kennen sich seit vielen Jahren. Bekanntschaft machten sie Mitte der 90er Jahre in der ChampCar-Serie. Dort waren sie drei Jahre lang Titelrivalen. 1996 gewann Vasser die Meisterschaft, Zanardi wurde Gesamtdritter. Ein Jahr später revanchierte sich Zanardi mit dem Titelgewinn, während Vasser seinerseits die Saison als Dritter beendete. 1998 hieß der Meister Alex Zanardi, Vasser wurde Vize-Meister.

V12-Weinberge

Die Nummer 12 begleitet den 52-jährigen Vasser sogar noch heute. Der US-Amerikaner besitzt unter anderem einige Weinberge, auf denen er eigene Weinsorte anbaut. Der Name des Projekts: V12 Vineyards (zu Deutsch: Weinberge). Der Name bezieht sich sowohl auf Vassers Startnummer im Jahr des ChampCar-Titelgewinns als auch die die V12-Rennmotoren, die Vasser als ultimativ bezeichnet.

Vasser und Zanardi waren prägende Figuren der damaligen Champ Cars. Vasser ging dort bei insgesamt 235 Rennen an den Start, von denen er 10 gewinnen konnte. Zanardi kam bei seinen 66 ChampCar-Rennen auf 15 Siege und die Titelgewinne in den Jahren 1997 und 1998.

Nach dem schweren Unfall

2001 kehrte Zanardi nach einem Jahr in der Formel 1 zurück in die ChampCar-Serie. Beim 16. Rennen der Saison auf dem Lausitzring verunfallte der Italiener schwer und verlor beide Beine. Trotz seiner Verletzung blieb er dem Motorsport stets treu. Nach zwei Jahren Auszeit gibt er nun sein Comeback bei den Nachtrennen der DTM in Misano.

Zanardi ist als Gaststarter nicht zu Punkten berechtigt. Er tritt mit einem speziell auf seine Bedürfnisse umgebauten BMW M4 an und verzichtet zum ersten Mal überhaupt auf seine Beinprothesen. Stattdessen wurde das Auto so umgebaut, dass Zanardi mit der Hand sowohl beschleunigen als auch bremsen kann.

Zanardi macht BMW Druck

Alles andere als letzte Plätze in Misano kämen einer Sensation gleich. Ohnehin geht es bei Zanardi nicht unbedingt um absolute Konkurrenzfähigkeit, sondern eine großartige Geste für seine Fans in aller Welt. Dass Zanardi dem Feld aber nicht einfach so hinterherfahren will, steht außer Frage.

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com soll er intern bei BMW sogar mächtig Druck ausgeübt haben, um einen Test vor dem DTM-Rennwochenende zu bekommen. Mit einem reinen Rollout zum Austesten der Funktionalität soll er sich nicht zufriedengegeben haben. Das würde zu Zanardi passen, für den in seiner gesamten Karriere - vor und nach dem Lausitzring-Unfall - immer den Erfolg im Fokus stand.

Regeländerung für Zanardi

So wurde dem Publikumsliebling vergangene Woche ein zweitägiger Test dank einer Änderung im Reglement ermöglicht. Am Dienstag und Mittwoch drehte Zanardi schnelle Runden im italienischen Vallelunga. Gemeinsam mit Rallye-Star Sebastien Ogier, der auf dem Red Bull Ring als Gaststarter für Mercedes antreten wird, wie Motorsport-Magazin.com im Vorfeld exklusiv berichtet hatte.

Wie ernst es Zanardi ist, zeigte sein Pensum bei den zweitägigen Testfahrten. Er legte insgesamt 294 Runden im umgebauten BMW zurück.

"Das wird ein Riesenevent für mich - und wahrscheinlich eine der schwierigsten Aufgaben, denen ich mich in meiner Rennsport-Karriere gestellt habe", sagte er anschließend. "Die DTM ist meiner Meinung nach momentan die am härtesten umkämpfte und am besten besetzte Rennserie der Welt - noch vor der Formel 1. Ich werde versuchen, zumindest ein Auto hinter mir zu lassen. Mal sehen, ob ich das schaffe. Das wird hart, aber sehr interessant."


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