DTM

DTM, Alex Zanardi: So lief sein 1. BMW-Test ohne Beinprothese

Alex Zanardi hat in Vallelunga ein großes Programm als Vorbereitung für seinen DTM-Gaststart in Misano abgespult. So fuhr sich das Auto ohne Beinprothese.

Motorsport-Magazin.com - Mit einem zweitägigen Test in Vallelunga hat Alessandro Zanardi am Dienstag und Mittwoch einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu seinem DTM-Gaststart in Misano absolviert. Zanardi drehte an den beiden Tagen im speziell für seine Bedürfnisse umgebauten BMW M4 DTM 294 Runden.

Hauptziel der Testfahrten war, sich so gut wie möglich auf das Fahrverhalten des BMW M4 DTM und die Funktionsweise der zahlreichen Modifikationen im Cockpit einzustellen. Zanardi äußert sich nach den ersten Runden sehr positiv zu seinen Eindrücken.

"Der Test war super, es ist alles bestens gelaufen, und wir sind auf einem guten Weg. Es ist vieles neu, aber ich komme von Runde zu Runde besser damit zurecht. Danke an BMW - Misano kann kommen", lautete einer der ersten Kommentare, die Zanardi im Anschluss an seine ersten Testrunden im BMW M4 DTM abgab.

In der Tat betritt der 51-Jährige mit seinem Gaststart am DTM-Rennwochenende in Misano am 25./26. August gleich unter mehreren Gesichtspunkten Neuland. Nicht nur die Rennserie und das Fahrzeug sind neu. Auch die Umbauten im Cockpit, die Zanardi dazu befähigen, ohne Beine Rennsport auf höchstem Niveau zu betreiben, haben sich im Vergleich zu den BMW Rennfahrzeugen, die er in der Vergangenheit gefahren hat, stark verändert.

Die wesentlichste Neuerung ist das Bremssystem. Zum ersten Mal bremst Zanardi mit der Hand und nicht mehr wie bisher mit einer am Bremspedal im Fußraum fixierten Beinprothese. Aus der Sicht des Italieners ein Meilenstein in der Entwicklung. "Der Fortschritt vom bisherigen zum aktuellen System ist massiv", sagt Zanardi und erklärt: "Ein Rennauto wie den BMW M4 DTM zu fahren, ist physisch sehr anspruchsvoll. Für mich wäre es noch einmal deutlich anstrengender, wie bisher mit meiner Prothese zu bremsen."

Zanardi beim Gaststarter-Test in Vallelunga - Foto: BMW Motorsport

Seine erste Skepsis bezüglich der Modifikation hat Zanardi schnell abgelegt. "Ich gebe zu, dass es sich beim ersten Losfahren aus der Box sehr ungewohnt angefühlt hat, einen komplett leeren Fußraum ohne Pedalbox vor mir zu haben", sagt Zanardi. "Ich dachte: 'Das ist wirklich komisch!' Aber ich muss sagen, dass das ganze System für mich sehr intuitiv funktioniert. Ich komme hervorragend damit zurecht."

Zanardis Problem mit dem alten System war vor allem, dass er unter der Beinprothese sehr stark geschwitzt hat. Das führte nicht nur zu schnellerer Erschöpfung, sondern auch dazu, dass sein Gefühl für den richtigen Bremsdruck ein wenig verloren ging. Um dieses Problem zu lösen, haben er und die BMW Motorsport Ingenieure intensiv an einem effizienteren System gearbeitet, das ihm vor allem seinen Langstreckeneinsatz in Daytona 2019 erleichtern soll.

"Es ist vollkommen anders als das, was ich bisher gewohnt war", bestätigt Zanardi nach dem Test. "Es macht mich zwar nicht schneller, aber ich hätte das umfangreiche Programm, das ich an den beiden Tagen hier in Misano absolviert habe, mit dem alten System nie geschafft. Ich habe so viele Runden abgespult, in einem Auto, das ich bisher noch nicht gefahren bin - dem BMW M4 DTM - und das, nachdem ich seit fast zwei Jahren kein Rennen mehr bestritten habe. Das wäre mit dem vorherigen System schlichtweg unmöglich gewesen. Es ist, als ob ich vom körperlichen Aspekt her ein anderer Fahrer bin."

Der DTM-Gaststart ist auf Zanardis "Road to Daytona" nun ein sehr willkommener Testlauf für das neue System, das fast 1:1 in den BMW M4 DTM integriert werden konnte. Aber sein Heimspiel in Misano ist natürlich noch deutlich mehr als eine Testfahrt unter Wettbewerbsbedingungen.

"Das wird ein Riesenevent für mich - und wahrscheinlich eine der schwierigsten Aufgaben, denen ich mich in meiner Rennsport-Karriere gestellt habe", sagt Zanardi. "Die DTM ist meiner Meinung nach momentan die am härtesten umkämpfte und am besten besetzte Rennserie der Welt - noch vor der Formel 1. Ich werde versuchen, zumindest ein Auto hinter mir zu lassen. Mal sehen, ob ich das schaffe. Das wird hart, aber sehr interessant."


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