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DTM

Mensch und Rennfahrer Mattias Ekström: So tickt der Audi-Star

Mattias Ekström hat ganz eigene Ansichten zur DTM, dem Rallycross, dem steigenden Alter, Privatleben und echten Typen im Motorsport...
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Am kommenden Montag ist es soweit: Mattias Ekström gibt öffentlich bekannt, wie seine Zukunft im Motorsport aussehen wird. Beendet der Schwede seine DTM-Karriere nach 193 Rennen und zwei Meisterschaften? Steigt er stattdessen aus der Rallycross-Weltmeisterschaft aus oder macht er doch in beiden Serien weiter? Es bleibt zunächst ein gut behütetes Geheimnis.

Um herauszufinden, was Ekström von der aktuellen Situation im Motorsport hält, zeigen wir heute ein paar Auszüge aus einer denkwürdigen, 30-minütigen Medienrunde. Aufgezeichnet am Freitag vor dem DTM-Saisonfinale 2017 in Hockenheim, wo der Audi-Star wenig später die Meisterschaft an Rene Rast verlieren sollte. Die Aussagen sind ein paar Monate alt, geben aber einen wunderbaren Eindruck darüber, wie der Mensch Mattias Ekström tickt und was ihn beschäftigt.

Mattias Ekström über...

...das steigende Alter als Rennfahrer: "Kennt man ja, mit dem Alter geht alles leichter... Wenn ich heute eine Massage bekomme, fühlt man sich wie ein altes, zähes Stück Rindfleisch. Früher war man Kalbfleisch."

...ein Leben abseits des Motorsports: "Die Chance ist relativ gering, dass ich anfange, etwas anderes zu tun. Wahrscheinlich würde ich dann eine kleine Pause machen und mehr Tennis spielen. Das habe ich in letzter Zeit viel zu wenig gemacht. Aber ich kann ja nix anderes, wenn man mal ehrlich ist. Und ich weiß relativ gut, wie der Motorsport funktioniert."

...was ihm am meisten am Motorsport fehlen würde: "Wenn ich keinen Motorsport mehr machen würde, würde ich den Puls beim Start am meisten vermissen."

...was ihm am wenigsten fehlen würde: "Sprachregelungen würde ich nicht so doll vermissen. Aber dafür interessiere ich mich ja sowieso nicht allzu sehr. Und die Meeting-Kultur, die in den letzten Jahren aufgekommen ist. Das Über-Analysieren von Motorsport würde ich nicht vermissen. Ewige Stunden auf den Laptop zu schauen, dass wir nicht mehr nach Gefühl arbeiten, sondern nach Zahlen, Fakten, Nummern und Graphen."

...ob es heute oder früher mehr 'Typen' in der DTM gab: "Heute gibt es auf jeden Fall weniger Typen. Das ist auch der größte Verlust für die Meisterschaft. Als ich angefangen habe, waren da fast nur Typen. Da war ich der Langweilige. Damals haben Alzen, Bartels, Abt oder Reuter irre Unterschiede geboten. Jetzt sehen fast alle gleich aus und sagen fast alle dasselbe. Es ist nicht mehr so wie es einmal war."

...die Konkurrenz in der DTM-Saison 2017: "Es gibt keine Pappnasen und Pappenheimer mehr. Es gibt jetzt 18 Fahrer, die ich alle respektiere. Alle haben gesagt, wie schlecht es sei, dass es weniger Autos gibt. Ich war wahrscheinlich der Einzige, der sich darüber gefreut hat. Da sind Sechs weg, gegen die ich eh nicht fahren wollte. Ein engeres Konkurrenzfeld hatte ich noch nie. Das gibt ein noch besseres Gefühl, wenn man da vorne mitfahren kann."

...sein Privatleben 2017 mit DTM und WRX: "Wenn du zu viel arbeitest, sinkt die Qualität bei manchen Sachen. Seit Juli war ich zwei Tage zuhause. Ewig würde ich das sowieso nicht machen, das ist ja klar."

...den Spaß-Faktor bei DTM vs. WRX: "Mehr Spaß zu fahren macht mir WRX. Ein Rallycross-Auto stellst du beim Test mit 200 Litern Sprit und unendlich Reifen hin und kannst unendlich lange fahren. Das DTM-Auto fährt im Vergleich nur so rum. Das WRX-Auto ist der Burner mit Quattro-Antrieb und der Leistung. Das DTM-Auto hat zu wenig Leistung, zu viel Abtrieb und die Reifen sind zu langweilig. Der Wettkampf ist spannend. Aber allein mit den Autos auf der Strecke rumzufahren ist nicht so meins."

...die Hoffnung auf ein neues DTM-Auto: "Ich hoffe ja immer noch, dass ein richtiges DTM-Auto kommt. Wenn man jetzt sagen würde, dass man das aktuelle Auto für die nächsten zehn Jahre einfriert, dann würde ich sagen: Braucht ihr noch einen Safety-Car-Fahrer? Das ist nicht mehr so prickelnd, wenn ich ehrlich bin. Ich sage nicht, dass die DTM leicht ist. Zu gewinnen ist schwierig, aber das Fahren alleine muss mehr Spaß machen - so, dass man nach einem Rennen aussteigt und sagt, dass man am liebsten noch fünf Runden mehr fahren würde. Ich gehe da optimistisch ran, aber ich bin ja auch ein bisschen dumm."

...seine Wünsche für ein neues DTM-Auto: "Entweder man schmeißt die Aero weg oder packt 300 PS drauf - oder beides. Wenn man mit einem RS6 auf die Strecke kommt und das Gefühl hat, dass das Auto besser beschleunigt, dann hat man das Gefühl, dass die Leute nicht mit der Zeit gegangen sind. Wenn man über Fahrspaß spricht, muss man auch die Fahrer anhören. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass ein geiles DTM-Auto kommt, bevor ich aufhöre."

...die Wahl zwischen DTM- oder Rallyesport-Karriere: "Meine Reise bis jetzt war schon cool. Ich würde nur einfach gern wissen, was im Dezember 2000 passiert wäre, wenn ich rechts statt links abgebogen wäre. Da stand ich an der Kreuzung zwischen DTM- und Rallye-Karriere. Da wäre ich neugierig gewesen, was hätte passieren können."

...seine Meinung zu GT3-Rennautos: "GT hat mich bislang noch nicht umgehauen. Dann schmeißt du noch ESP und Traktionskontrolle drauf und hast meiner Meinung nach alles kaputt gemacht. Die Autos sehen ja cool aus, aber mit all den Hilfen ist das nichts für mich."


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