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24 h von Le Mans

Sophia Flörsch bei 24h Le Mans: Als Team Geschichte geschrieben

Sophia Flörsch sorgt mit ihren Teamkolleginnen Tatiana Calderon und Beitske Visser für eine positive Überraschung beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - "Konstant nach vorne fahren, keinen Unfall haben und dann ankommen." Diese Marschroute hatte Sophia Flörsch noch am Freitagabend in Le Mans im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com ausgegeben. Aufgabenliste mit Bravour abgearbeitet, lässt sich nach der 88. Auflage des berühmten 24-Stunden-Rennens festhalten.

Auf dem 13. Gesamtplatz im Feld der 59 Rennwagen überquerte der LMP2-Bolide von Richard Mille Racing, den sich Flörsch mit ihren Teamkolleginnen Tatiana Calderon und Beitske Visser teilte, die Ziellinie. Im stark besetzten Feld der LMP2-Kategorie mit Fahrern wie Paul Di Resta, Juan Pablo Montoya oder Jean-Eric Vergne sprang mit Platz neun gar ein Top-10-Resultat heraus.

Eine Leistung, die viele Experten überraschte, schließlich gab das Damen-Trio sein Renndebüt bei den 24 Stunden von Le Mans. Flörsch war als eine von drei deutschen Startern in Le Mans mit nur einem Rennen an Prototypen-Erfahrung in der European Le Mans Series zum Klassiker nach Frankreich gereist. Teamkollegin Visser aus den Niederlanden musste kurzfristig die erfahrene Katherine Legge ersetzen, die sich im Vorfeld eine Verletzung zugezogen hatte.

Im Rennen, das zum erst zweiten Mal im September eines Jahres ausgetragen wurde und dadurch einen Großteil an Nachtfahrten erlebte, hielten sich die Le-Mans-Rookies schadlos und arbeiteten sich vom 25. Startplatz konstant nach vorne. Flörsch, Calderon und Visser legten insgesamt 364 Runden respektive 4.959 Rennkilometer auf dem 13,626 Kilometer langen Highspeed-Kurs zurück.

Flörsch: Extrem und auch ein bisschen surreal

"Ich bin sehr zufrieden", sagte Flörsch der Bild-Zeitung. "Die Top-10 in der Klasse waren unser Ziel. Man darf nicht vergessen: Wir sind alle drei Neulinge in Le Mans, Beitske und ich sind zuvor noch nie ein 24-Stunden-Rennen gefahren. Es ist irgendwie extrem und auch ein bisschen surreal: Ich bin jetzt die legendären 24 Stunden von Le Mans gefahren und Neunte geworden! Wir haben damit als reines Frauenteam Geschichte geschrieben. Das kann uns keiner mehr nehmen. Das ist sehr schön und emotional für mich."

Die 27-jährige Calderon, die mit dem Rolex at Daytona zumindest ein 24-Stunden-Rennen vorweisen konnte, übernahm am Samstagmittag den Start für Richard Mille Racing. Nach 1:45 Stunden übergab sie den 600 PS starken Prototypen erstmals an Flörsch, die ihre ersten 30 Runden unter Rennbedingungen in Le Mans zurücklegte und im Anschluss an Visser übergab.

24h Le Mans 2020: Die Highlights des Rennens: (10:02 Min.)

Flörsch: 1.500 Kilometer im Renn-Trim

Flörsch fuhr vier Stints und saß bei 112 der insgesamt 364 Umläufe des Teams am Steuer - das entspricht 1.526,112 Kilometern. "Den Verkehr zu managen war das Schwierigste, besonders wenn man auf ein langsameres GT-Auto aufgelaufen ist", sagte die Münchnerin. "Da musste man die Überrundungsmanöver gut timen. Aber irgendwann hat man den Dreh raus, wie man an welcher Stelle am besten vorbeifährt. Und insgesamt sind wir immer nach dem Motto gefahren: Das Wichtigste ist Durchkommen. Also keine gefährlichen Manöver oder so."

Im Verlauf der Rennwoche fuhr Flörsch die schnellste Rundenzeit innerhalb ihres Teams und erreichte auch den höchsten Topspeed (330,8 km/h). Im Qualifying am Donnerstag gelang ihr eine persönliche Bestzeit von 3:31.020 Minuten. Zum Vergleich: Die schnellste Rundenzeit in dieser Session erzielte Formel-E-Champion Antonio Felix da Costa für Jota in 3:27.728 Minuten.

Das Richard Mille Racing Team belegte Gesamtplatz 13 und P9 in der LMP2-Klasse - Foto: LAT Images

Jean Todt schickt Glückwünsche

Ein besonderer Glückwunsch an die beiden reinen Damen-Teams für ihre vielversprechenden Leistungen", gab es ein Sonderlob von FIA-Präsident für Flörsch/Calderon/Visser sowie Rahel Frey, Manuela Gostner und Michelle Gatting, die mit einem Ferrari 488 den neunten Platz in der GTE-Am-Klasse (P34 im Gesamtklassement) belegten.

Nach dem erfolgreichen Auftritt in Le Mans geht es für Flörsch und Co. weiter in der European Le Mans Series, die mit Rennen in Monza und Portimao ihre Saison 2020 abschließt. Flörsch zu Motorsport-Magazin.com: "Danach entscheidet sich, wie es weitergeht. Hoffentlich kann ich noch mal in Le Mans starten - und dann am liebsten mit Zuschauern!"


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