Die Silly Season in der WEC hat mächtig an Fahrt aufgenommen. Rund um das drittletzte Rennwochenende der Saison 2025 in Austin (05.-07. September) jagt ein Gerücht das nächste. Im Mittelpunkt der internationalen Spekulationen: Mick Schumacher. Seit Wochenbeginn machten zahlreiche Medienberichte die Runde, ausgehend von einer einzigen Quelle und ohne, dass der 26-Jährige bisher selbst zu Wort gekommen wäre.

Den Stein des Anstoßes bildete das Online-Fachmagazin The Race, das am Dienstag berichtete: Schumacher habe einen angeblichen Wechsel zu Cadillacs WEC-Team abgesagt und führe stattdessen Gespräche mit McLaren. Der britische Autobauer steigt allerdings erst 2027 in die Langstrecken-WM ein. Laut The Race habe Schumacher angeblich selbst das Cadillac-Angebot ausgeschlagen, das für 2026 ein Stammcockpit in der WEC sowie einen Job als Ersatzfahrer in der Formel 1 beinhaltet habe.

Kein F1-Cockpit! Wie geht’s mit Mick Schumacher weiter? (09:53 Min.)

Mick Schumachers Zukunft: Trotz aller Gerüchte noch nichts entschieden

Gründe dafür nannte das Online-Magazin nicht, vermutete aber, dass er bei den US-Amerikanern "weniger Freiheiten" genossen hätte als bei seinem derzeitigen Arbeitgeber Alpine. So erhalte Schumacher in den Freien Trainings stets mehr frische Reifen als seine Teamkollegen und dürfe seit dem Saisonbeginn alle Qualifyings bestreiten. Bei Cadillac hingegen herrsche komplette Gleichheit unter den Fahrern und selbst der frühere Formel-1-Weltmeister Jenson Button genieße keine Privilegien.

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com ist allerdings noch gar nichts rund um Schumacher entschieden. Und an den angeblichen Gründen wegfallender Privilegien gibt es berechtigte Zweifel. Laut der Bild-Zeitung soll Cadillac sogar bestreiten, Schumacher überhaupt einen Vertrag angeboten zu haben.

Fakt ist: Schumacher fährt tatsächlich seit dem Saisonstart alle Qualifyings im #36 Alpine A424. Ob er mehr frische Trainings-Reifen erhält - was angesichts seiner Rolle als Quali-Pilot und Schlussfahrer in den Rennen absolut Sinn ergeben würde - können wir nicht verifizieren. Fakt ist aber auch: Im Schwester-Alpine mit der Startnummer #35 absolviert der Franzose Charles Milesi seit diesem Jahr ebenfalls sämtliche Qualifyings.

Bei so ziemlich allen Hypercar-Herstellern haben sich bestimmte Fahrer herauskristallisiert, die stets die Zeitenjagd übernehmen. Ob Kevin Estre im Weltmeister-Porsche, Dries Vanthoor bei BMW oder Alex Lynn - im Cadillac. Bei Cadillac herrscht ohnehin eine spezielle Fahrer-Konstellation, denn: Button, der sich zum Saisonende aus der WEC zurückziehen wird und eher selten überzeugen konnte, Norman Nato und Will Stevens zählen zum Fahrerkader des neuen Einsatzteams Jota, während Earl Bamber, Sebastien Bourdais und Alex Lynn offizielle Cadillac-Werksfahrer sind.

Mick Schumacher: Kein Platz in Cadillacs Formel-1-Team

Die jüngsten Gerüchte rund um Schumachers Motorsport-Zukunft hatten ihren Ursprung in der Formel 1: F1-Neueinsteiger Cadillac entschied sich bei der Fahrerwahl für die erfahrenen Rückkehrer Sergio Perez und Valtteri Bottas. Es ist bestätigt, dass sich auch Schumacher einen Platz bei den Amerikanern erhofft hatte. Zu einem möglichen Job als Ersatzfahrer - unbekannt, ob Schumacher das überhaupt wollte - wird es ebenso wenig kommen, weil Cadillac jüngst US-Landsmann Colton Herta verpflichtet hat.

Dass Schumacher das Alpine-Werksteam nach zwei Jahren verlassen wird, können wir aktuell nicht bestätigen. Mehrere Sportmedien, die sich ansonsten wenig bis gar nicht mit der WEC beschäftigen, behaupteten, dass er mit Alpine bisher "nicht viel gerissen" hätte. Die Wahrheit ist: Drei Podestplätze (Fuji 2024 und Imola, Spa 2025) in bisher 13 Rennen können sich durchaus sehen lassen mit einer Marke, die erst ihr zweites Jahr bestreitet. Um die Branchen-Primusse Ferrari, Porsche oder Toyota konstant anzugreifen, reicht es allerdings noch nicht.

WEC 2026: Alpine kündigt Fahrerwechsel an

Alle Beteiligten hüllen sich öffentlich in Schweigen, was die konkrete Zukunft betrifft. Alpine-Sportdirektor Nicolas Lapierre ließ jetzt immerhin durchblicken, dass es zu Fahrerwechseln für die WEC-Saison 2026 kommen könnte. "Wahrscheinlich gibt es Änderungen beim Fahrer-Lineup", sagte Schumachers Ex-Teamkollege in Austin zu Sportscar365. "Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Wir hoffen, so schnell wie möglich eine Entscheidung zu treffen."

Lapierre weiter: "Auf dem Fahrermarkt herrscht viel Bewegung. Wegen der neuen Hersteller tut sich einiges." Zur Erinnerung: 2026 steigt Hyundais Edelmarke Genesis Magma Racing ein, 2027 folgen mit McLaren und Ford zwei weitere Schwergewichte der Automobilbranche.

Laut Sportscar365 müsse die bevorstehende Änderung bei Alpine nicht zwingend Schumacher betreffen. So habe Paul-Loup Chatin aus dem #35 Auto um seine Freigabe gebeten. Laut französischen Medien ist auch die Zukunft von Chatins Teamkollege Ferdinand Habsburg offen. Wie gesagt: Ein Gerücht folgt auf das nächste am erhitzten Fahrermarkt der Langstrecken-WM.

#36 Alpine mit Mick Schumacher, Gounon und Makowiecki auf dem Podium
Mick Schumacher und seine Alpine-Teamkollegen Fred Makowiecki sowie Jules Gounon, Foto: IMAGO / PsnewZ

Antonio Felix da Costa vor Porsche-Abschied - Wechsel zu Alpine?

Einig sind sich aber einige Szenebeobachter, dass Alpine einen Neuzugang bereits fix in der Tasche hat: Antonio Felix da Costa, zuletzt bei Porsche in der Formel E tätig. Wie Motorsport-Magazin.com erfahren hat, steht der Portugiese tatsächlich vor seinem Abschied bei den Zuffenhausenern, die offizielle Bestätigung gilt als Formsache. Felix da Costa verlässt Porsche nach drei Jahren in der Formel E, als Nachfolger wird der Schweizer Nico Müller gehandelt.

Felix da Costa musste sich bei Porsche voll auf den Werkseinsatz in der Formel E konzentrieren, obwohl er parallel seine Karriere auf der Langstrecke nur zu gerne fortgesetzt hätte. Das gilt als Hauptgrund für seinen Abschied.

"Ich habe sieben Jahre lang hart dafür gearbeitet, ein guter Langstreckenfahrer zu werden", hatte Felix da Costa Mitte des Jahres gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärt. "Und jetzt - in der spannendsten Ära des Langstreckensports - bin ich nicht dabei. Ich frage mich: Wofür waren all die Jahre gut, die ich auf der Langstrecke verbracht habe? Ich will dabei sein, wenn es richtig spannend wird."

Dass Felix da Costa nun bei Alpine anheuern soll - neben seinem Formel-E-Verbleib bei einem anderen Team - gilt als Überraschung. Eher hätte man damit gerechnet, dass er Button bei Jota-Cadillac beerben würde, schließlich verbindet ihn eine erfolgreiche Vergangenheit mit dem britischen Rennstall. Laut der aktuellen Ausgabe der Motorsport aktuell habe Jota-Cadillac jedoch fest mit einer Verpflichtung von Schumacher gerechnet, was sich nun angeblich zerschlagen hat. Felix da Costa sei in der Zwischenzeit stattdessen bei Alpine untergekommen. Neuer Favorit auf das Button-Cockpit soll jetzt der Brite Callum Ilott sein.

Peugeot-Gerücht: Vandoorne schon vor dem Saisonende raus?

Bei all den Fahrer-Gerüchten ist bisher erst ein Wechsel offiziell bestätigt worden: Formel-E-Vizeweltmeister Nick Cassidy wird 2026 Stammfahrer bei Peugeot. Der Neuseeländer sitzt am Dienstag nach dem Austin-Wochenende bei Testfahrten erstmals im Peugeot 9X8.

Internationale Medien spekulieren, dass auch Peugeot-Ersatzmann Theo Pourchaire nächstes Jahr zum Stammpiloten aufsteigen könnte. Sogar, dass der Franzose noch in der laufenden Saison Stoffel Vandoorne ersetzen könnte, der mit einem Wechsel zu Genesis Magma Racing in Verbindung gebracht wird. Die Koreaner haben mit Andre Lotterer und Pipo Derani erst zwei Plätze für das Debütjahr 2026 vergeben.