Mick Schumacher goes USA und stellt sich einer neuen Herausforderung in seiner Motorsportkarriere! Der 26-Jährige wechselt nach zwei Saisons in der WEC zur IndyCar-Serie und kehrt in den Formelsport zurück. Schumacher ist der erste Deutsche seit Timo Glock anno 2005, der die US-Meisterschaft in Angriff nimmt, und könnte bei erfolgreicher Qualifikation der erste Rennfahrer aus Deutschland seit mehr als 100 Jahren bei den 500 Meilen von Indianapolis sein.
Hierzulande fristeten die IndyCars zuletzt ein Nischendasein, doch Schumachers Debüt erweckt neue Aufmerksamkeit. Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Micks Einstieg vor dem Saisonauftakt an diesem Wochenende in St. Petersburg, Florida (27.02.-01.03.2026)
1. - Warum ist Mick Schumacher in die IndyCar-Serie gewechselt?
Mick Schumacher hatte auch während seiner Zeit in der Langstrecken-WM nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich im Formelsport am wohlsten fühlt. "Mein Vater sagte immer: Die Schumachers sind schneller, wenn sie ihre Räder sehen", unterstrich Mick seine Liebe zum Single-Seater-Sport. Sicherlich hätte er seine Reifen lieber aus dem Cockpit eines Formel-1-Autos heraus beäugt, doch die Türe zur Rückkehr in die Königsklasse bleibt trotz zahlreicher Anläufe verschlossen.
Die IndyCars bildeten für Schumacher die attraktivste Alternative, um wieder in einem eigenen Auto mitsamt ordentlich Leistung und Downforce an den Start gehen zu können. Harte Zweikämpfe und Vollgasfahrten, das sind Zutaten, die Schumacher am besten schmecken: "Ich war sofort begeistert vom Auto und der amerikanischen Art des Motorsports, die direkter und reiner wirkt."
2. - Wer überträgt IndyCar im Free-TV und Livestream?
Deutsche Zuschauer haben keine Möglichkeit, die Rennen der IndyCar-Saison 2026 kostenlos per Free-TV zu verfolgen. Stattdessen stehen unterschiedliche Pay-TV-Angebote zur Verfügung. Sky Deutschland überträgt alle 18 Rennen live auf seinen unterschiedlichen Plattformen. Auch Motorvision+ hat sich Übertragungsrechte gesichert und zeigt die Rennen durchgängig mit deutschem Kommentar.
Motorvision+ ist empfangbar über den linearen TV-Sender sowie über verschiedene Pay-Angebote von Sky (Entertainment Paket), Amazon Prime Video, Zattoo, Magenta TV oder Waipu TV im Fernsehen, per Livestream und über unterschiedliche App-Angebote.
Die IndyCar-Serie bietet zudem einen kostenpflichten Livestream zu allen Rennwochenenden an, der auch in Deutschland verfügbar ist. Hier werden im Gegensatz zu Sky und Motorvision+ auch die Freien Trainings sowie alle Qualifyings übertragen. Es gibt einen Jahres-Pass oder die Möglichkeit, pro Monat ein Abo abzuschließen.
Die Übertragungszeiten für den Saisonauftakt in St. Petersburg findet ihr in diesem Artikel:
3. - Was erwartet Mick in der US-Meisterschaft?
Reichlich Abwechslung, denn der Rennkalender der IndyCar-Serie unterteilt sich in Ovalrennen, Stadt- und Rundkurse wie Laguna Seca mit seiner Corkscrew-Kurve. Schumachers Debütsaison beginnt am 01. März 2026 mit einem Rennen auf dem temporären Straßenkurs in St. Petersburg, Florida.
Sechs der 17 Rennen finden auf Ovalen statt, die europäischen Motorsportlern größtenteils unbekannt sind. Über allem thront das legendäre Indy 500 am 24. Mai 2026, das jährlich 350.000 Zuschauer anlockt und damit das größte Einzelsportereignis der Welt ist. Beim dreistündigen Rennen auf dem Indianpolis Motor Speedway - häufig als Nudeltopf bezeichnet - erreichen die Autos irre Höchstgeschwindigkeiten von über 370 km/h und im Schnitt 270 Sachen.
In der Vergangenheit verzichteten Fahrer wie Romain Grosjean bewusst auf die Ovalrennen. Hierzulande entbrannte nach Schumachers IndyCar-Wechsel eine öffentliche Debatte über das Gefahrenpotenzial auf diesen speziellen Rennstrecken, in die sich unter anderem Micks Onkel, Ralf Schumacher, einmischte. Möglicherweise fühlte sich der frühere Formel-1-Fahrer an seine zwei schweren Unfälle in Indianapolis 2004 und 2005 infolge von Reifenschäden erinnert.
Zahlreiche Todesfälle begleiten die über 100-jährige Geschichte des Indy 500, der letzte datiert aus dem Jahr 1996, als der US-Amerikaner Scott Brayton nach einem Trainingsunfall verstarb. Auf dem Pocono-Raceway-Oval, das seit 2020 nicht mehr zum IndyCar-Kalender zählt, verlor Justin Wilson 2015 sein Leben, 2018 erlitt Robert Wickens lebensbedrohliche Verletzungen. Seitdem hat die Serie die Sicherheit der Autos und Strecken deutlich verbessert.
"Natürlich denkt man darüber nach", sagte Mick. "Aber Motorsport ist insgesamt gefährlich, egal wo. Ich sehe nicht, warum diese eine Sache gefährlicher sein sollte als andere Dinge. Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter. Die Geschwindigkeiten sind verrückt und wir fahren Seite an Seite. Aber ich akzeptiere das Risiko wegen der Faszination am Racing."

4. - Wie liefen die Testfahrten für Mick Schumacher?
Schwer einzuordnen und wenig aussagekräftig. Schumacher hatte seit dem Jahresbeginn die Gelegenheit, einen privaten Oval-Test in Homestead-Miami sowie zwei weitere Testfahrten in Sebring (Flugplatz-Stadtkurs) und auf dem Phoenix-Raceway (Oval) zu absolvieren. Das diente in erster Linie dazu, die Abläufe auf den unbekannten Oval-Strecken kennenzulernen und sich mit unterschiedlichen Setup-Einstellungen vertraut zu machen.
Schumacher beendete den Test auf einem Teilabschnitt des Flugplatz-Kurses in Sebring, der als Vorbereitung für St. Petersburg diente, auf dem 22. Platz. Am zweiten Tag der geteilten Sessions gelang ihm eine leichte Zeitverbesserung. Den zweitägigen Oval-Test in Phoenix beendete er auf dem 18. Platz im Reigen der 25 Fahrer, auch hier konnte sich Mick steigern und diesmal sogar seine Rookie-Rivalen Dennis Hauger sowie Caio Collet hinter sich lassen.
"Es ist ziemlich hart, das Maximum aus den Reifen herauszuholen, vor allem mit frischen", stellte Schumacher fest. "Firestone ist ziemlich anders als Pirelli oder Michelin, die ich aus der Vergangenheit kenne. Das ist eine Challenge, aber die nehme ich gerne an."
5. - Was steckt hinter seinem neuem Team RLL?
Mick Schumacher startet für das Familienteam Rahal Lannigan Letterman Racing, abgekürzt RLL. Seine Teamkollegen sind der 36-jährige Teamchefsohn Graham Rahal sowie der Rookie des Jahres, Louis Foster aus Großbritannien. Schumacher wird der erste deutsche IndyCar-Fahrer in der über 35-jährigen Geschichte des US-Rennstalls. Piloten aus Deutschland sind der RLL-Mannschaft allerdings aus anderen Programmen bekannt: Die Truppe um Teamchef Bobby Rahal führte 17 Jahre lang die Werkseinsätze von BMW in den USA durch. So gewann etwa Dirk Müller, Schumachers heutiger Manager, im Jahr 2011 auf einem RLL-BMW M3 die American Le Mans Series.
RLL zählte in den letzten Jahren zu den Hinterbänkler-Teams, hat aber aufgerüstet: Rahal lotste im April 2025 mit Jay Frye den langjährigen IndyCar-Präsidenten als neuen Motorsportchef an den Teamsitz in Zionsville, Indiana. Mit der Verpflichtung des früheren Arrow-McLaren-Teamchefs Gavin Ward ist RLL ein weiterer Personal-Coup gelungen. Ward verbrachte einen Großteil seiner Karriere bei Red Bulls Formel-1-Team, bevor er 2019 als Josef Newsgardens Renningenieur die IndyCar-Meisterschaft gewann. Und mit Ryan Briscoe hat das Team einen ehemaligen Rennfahrer als Driver Coach angeheuert. "Am Horizont geht die Sonne auf und vieles deutet darauf hin, dass wir 2026 konkurrenzfähiger sein werden", hoffte Teamboss Rahal.
6. - Wie stehen Mick Schumachers Chancen?
Für Mick eröffnet sich bei den IndyCars eine völlig neue Welt, in die er sich mittels zahlreicher Testfahrten erst einmal reinfuchsen musste. Ein konkretes Ziel für seine Debütsaison wollte er nicht ausgeben: "Ein Erfolg wäre, das Gefühl zu haben, dass wir alles richtig gemacht haben. Was genau das Ziel ist und ob es unsere Erwartungen erfüllen wird, müssen wir noch herausfinden."
Wunderdinge sind von Schumachers Team nicht zu erwarten, die letzten IndyCar-Erfolge von RLL liegen eine ganze Weile zurück: Den letzten der insgesamt 30 Teamsiege erzielte Christian Lundgaard zur Mitte der Saison 2023. Schumachers Teamkollege Graham Rahal wartet seit 2017 auf seinen nächsten IndyCar-Sieg. RLL-Fahrer errangen seit 2021 nur fünf Podestpätze und mit Rahals siebtem Gesamtplatz in jenem Jahr das bis heute beste Resultat. Beim wichtigsten Rennen des Jahres in Indianapolis gelang RLL 2020 durch Takuma Sato der zweite Sieg der Teamgeschichte nach 2004.
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7. - Wer sind Mick Schumachers Gegner in der IndyCar-Serie?
Niemand rechnet damit, dass Mick Schumacher mit dem RLL-Team 2026 um die IndyCar-Meisterschaft kämpfen kann. Bei den US-Buchmachern rangiert er auf den hinteren Plätzen, wobei seinen Teamkollegen Graham Rahal und Louis Foster überraschenderweise noch schlechtere Chancen ausgerechnet werden. Für Mick sind die beiden wohl seine erste und wichtigste Messlatte.
Schumacher ist einer von drei Rookies und der einzige Fahrer im Feld, der überhaupt keine Erfahrung im IndyCar-Umfeld aufweist. Seine Rookie-Gegner heißen Dennis Hauger und Caio Collet, die 2025 die IndyNXT-Serie im Rahmenprogramm der IndyCars auf dem ersten und zweiten Platz abgeschlossen haben.
Als klarer Titel-Favorit gilt wenig überraschend der viermalige und amtierende Champion Alex Palou von Chip Ganassi Racing. Der Überflieger aus Spanien feierte letztes Jahr auch seinen ersten Sieg beim Indy 500. Als weitere Titelanwärter gelten Vize-Meister Pato O'Ward (Arrow McLaren), Kyle Kirkwood (Andretti) oder Josef Newgarden (Penske). Vier Ex-Champions finden sich im 25-köpfigen Starterfeld: Scott Dixon (6 Titel), Palou (4), Will Power und Newgarden (je 2). Neben Schumacher weisen auch Romain Grosjean, Marcus Ericsson und Alexander Rossi Formel-1-Erfahrung auf.
IndyCar: Alle Fahrer und Teams in der Saison 2026
8. - Welches Auto fährt Mick bei den IndyCars?
In der IndyCar-Serie kommt ein Einheitschassis von Dallara zum Einsatz. Die Antriebe unterscheiden sich nur über die Motoren, wobei RLL auf ein Honda-Aggregat mit 2,2 Litern Hubraum und einem V6-Twinturbo vertraut. Die Verbrenner leisten bis zu 700 PS, ein einheitliches Hybridsystem kann per Knopfdruck zusätzliche 150 PS aktivieren. Obendrein können die Fahrer einen Push-to-Pass-Knopf nutzen, der rund 200 Sekunden lang den Ladedruck erhöht.
In Laguna Seca ist ein IndyCar beim Qualifying 4,5 Sekunden schneller als ein Hypercar, wie es Schumacher bei Alpine in der WEC gefahren ist. Auf dem Stadtkurs Long Beach beträgt die Rundendifferenz etwa 5,3 Sekunden. Schumachers Eindruck: "Es ist ein Auto, das man richtig über die Strecke pressen muss. Man kämpft viel mit dem Fahrzeug und neigt dazu, es in manchen Bereichen zu überfahren, um Performance herauszuholen. Das unterscheidet sich komplett von allen Autos, die ich bisher gefahren bin."
9. - Ist der Formel-1-Zug für Mick Schumacher endgültig abgefahren?
Mick Schumacher hat seit seinem Formel-1-Aus Ende 2022 bei Haas über unterschiedliche Wege versucht, der Königsklasse des Motorsports erhalten zu bleiben: erst als Test- und Ersatzfahrer bei Mercedes, dann bei Alpine in der Hoffnung, übers WEC- ins F1-Team zu klettern. Zuletzt klopfte er beim Neueinsteiger Cadillac an, ebenfalls vergebens. Einige Experten glauben, dass der Formel-1-Zug durch den IndyCar-Wechsel nun komplett abgefahren ist. "Mick sollte die Formel 1 endgültig abhaken", meinte Christian Danner. "Der beste IndyCar-Fahrer ist Alex Palou, der hat die Meisterschaft viermal gewonnen und schafft es auch nicht in die Formel 1."
IndyCar-Piloten tauchten in der Vergangenheit höchst selten auf dem Radar der F1-Teams auf. Jacques Villeneuve, Juan Pablo Montoya und Alex Zanardi, die nach Siegen beim Indy 500 respektive dem Gewinn der Champcar-Meisterschaft in die F1 aufstiegen, bleiben Ausreißer. Schumacher selbst sah das allerdings ganz anders: "Es gab schon viele großartige Fahrer, die über verschiedene Wege wieder eine Verbindung zu F1-Teams bekommen haben - und das aus gutem Grund. Deshalb sehe ich überhaupt nicht, warum der Wechsel in die IndyCar-Serie diese Tür schließen sollte."



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